Fussball
Nach Weilers Abgang: Herr Schmid, Herr Geissberger, wer wird FC-Aarau-Trainer?

FC-Aarau-Präsident Alfred Schmid und Vizepräsident Roger Geissberger sprechen über das Anforderungsprofil des neuen Trainers, das neue Stadion und die Krawalle im Brügglifeld. Und sie sagen, wie hoch die Sicherheitskosten fürs Stadion sind.

Ruedi Kuhn und Dean Fuss
Merken
Drucken
Teilen
Präsident Alfred Schmid (l.) und Vize-Präsident Roger Geissberger stellen sich den Fragen im VIP-Raum des Brügglifelds.

Präsident Alfred Schmid (l.) und Vize-Präsident Roger Geissberger stellen sich den Fragen im VIP-Raum des Brügglifelds.

Emanuel Per Freudiger

Kein Trainer, keine neuen Spieler, dafür Chaoten und Krawallmacher im Brügglifeld – schwere Zeiten für den FC Aarau.

Alfred Schmid: Wir haben oft schwere Zeiten gehabt. Der Fussball ist generell in einer schwierigen Situation. Nicht nur in Aarau, sondern auch international. Nun müssen Massnahmen ergriffen werden. Das betrifft nicht nur den FCA, sondern auch die Liga und die Politik, die gefordert sind.
Roger Geissberger: Dass uns René Weiler verlässt, ist schade. Er war erfolgreich. Der Abgang hat sich abgezeichnet, weil er höhere Aufgaben anstrebt. Das ist legitim.
Schmid: Eigentlich sollte man aufhören, wenn es am schönsten ist. Zudem ist René Weiler vor drei Wochen Vater geworden, was sicherlich auch einen Einfluss auf seine Entscheidung hatte.

Der FC Aarau hat den Vertrag mit Weiler in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst. Ist es nicht naiv, freiwillig auf eine Ablösesumme zu verzichten?

Schmid: Weiler war bei uns gut drei Jahre erfolgreich im Amt. Beide Seiten waren an einer einvernehmlichen Lösung interessiert.
Geissberger: Der FC Aarau ist nicht naiv. Wir haben Weiler zugesichert, dass wir ihm keine Steine in den Weg legen werden. Zudem haben wir mit Weiler eine Vereinbarung getroffen, wo der FCA nicht schlechter fährt, als wenn der Vertrag weitergelaufen wäre.

Erhält der FC Aarau also eine Ablöse, wenn Weiler Trainer beim FC Basel wird?

Schmid: Das lassen wir so im Raum stehen. Wir haben über die Abmachung mit Weiler eine Geheimhaltungsvereinbarung getroffen.

Wie sieht das Anforderungsprofil des neuen Trainers aus?

Geissberger: Es sollte ein hungriger Trainer sein. Ein Trainer, der ähnliche Qualitäten wie Weiler hat.

Wie verläuft die Trainersuche?

Geissberger: Über mögliche Trainer wird im Sportausschuss diskutiert. Danach entscheiden die sechs Mitglieder des Verwaltungsrats.

Kommen wir zu möglichen Kandidaten. Ist Raimondo Ponte ein Thema?

Schmid: Zu Namen sagen wir nichts. Wir versuchen, den besten Trainer für den Klub zu finden, der in unser Gefüge passt.

Ist der FCA unter Zeitdruck?

Geissberger: Es ist unser Ziel, schnellstmöglich eine Lösung zu finden. Wir haben eine Liste mit Kandidaten. Grundsätzlich wollen wir in der kommenden Woche den neuen Mann bekannt geben, damit wir für den Trainingsauftakt am 4. Juni bereit sind.

Wie viele Namen stehen auf dieser Liste?

Schmid: In der Schweiz gibt es mehr als 50 Trainer mit den nötigen Lizenzen. Rund zwei Drittel davon kommen aus verschiedenen Gründen nicht infrage. Auf unserer Liste stehen zehn Namen.

Wer führt die Gespräche mit den Kandidaten?

Schmid: Sportchef Urs Bachmann trifft die Vorabklärungen. Sobald es konkreter wird, kommt das Präsidium hinzu.
Geissberger: Es ist dasselbe Auswahlverfahren, das auch in der Privatwirtschaft angewendet wird. Das haben wir immer so gemacht.

Roger Geissberger, Sie kennen den ehemaligen FCA-Spieler Sven Christ sehr gut. Wird der aktuelle Trainer des FC Baden Ihre Stimme erhalten?

Geissberger: Tatsächlich ist Christ einer der zehn Kandidaten. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Was ist mit Ciriaco Sforza?

Schmid: Wir haben von Sforza nichts Offizielles gehört und gönnen dem FC Wohlen diesen guten Trainer. Er ist aber ein interessanter Mann und steht auch auf unserer Liste.

Was sind die Vorgaben für den Trainer in der nächsten Saison?

Schmid: Das Minimalziel ist Rang neun.
Geissberger: Die Leistungsdichte von Platz fünf bis zehn ist sehr eng. Wir haben gegen jedes Team Punkte geholt. Wir sind zuversichtlich, dass das Minimalziel übertroffen werden könnte.

Wie sieht es bezüglich Transfers aus? Im Umfeld des FCA schwirren Namen wie Chris Malonga, Stjepan Kukuruzovic und Patrick Rossini herum.

Schmid: Es schwirren noch mehr Namen in unseren Köpfen herum. Auch hier gibt es eine Liste mit interessanten Namen.

Wie ist die Situation von Alain Schultz, der vor Wochenfrist ankündigte, dass er trotz laufendem Vertrag zum FC Wohlen wechseln will?

Geissberger: Ich habe mit Schultz darüber gesprochen. Mit dem Trainerwechsel wird er seine Situation neu beurteilen. Wir brauchen einen Spieler wie Alain Schultz beim FCA.

Am Montag findet die Generalversammlung der Aktiengesellschaft statt. Präsentiert der Verwaltungsrat dann die Baubewilligung für das Stadion im Torfeld Süd?

Schmid: Das möchten wir offen halten.
Geissberger: Das Projekt hat viele Hürden genommen, vor allem die Einigung der Bauherrin HRS mit dem VCS (Verkehrsclub der Schweiz, Anm. d. Red.). Am Montag ist eine wichtige Sitzung im Stadtrat. Es gibt positive Zeichen. Allerdings muss ich betonen, dass es nach jeder Baubewilligung eine Einsprachefrist von 30 Tagen gibt.
Schmid: Wir sind vorsichtig geworden. Schliesslich haben wir schon so viele Enttäuschungen erlebt.

Fürchten Sie sich vor weiteren Einsprachen?

Geissberger: Ja. Die Erfahrungen zeigen, dass man nie genau weiss, womit man zu rechnen hat.
Schmid: Ja, das ist so.
Geissberger: Ich gehe sogar einen Schritt weiter. Wenn das Stadion jetzt nicht kommt, wird der FC Aarau langfristig nicht in der Super League spielen können. Das ist keine Drohung, das ist einfach so. Es ist unser letzter Anlauf. Ein weiterer Aufschub liegt nicht drin. Es gibt keine Alternative.

Wie sieht der ideale Fahrplan aus?

Geissberger: Haben wir die Baubewilligung, muss die Bauherrin HRS an die Mieter herantreten. Das nimmt rund sechs Monate in Anspruch. Danach gehen wir von einer Bauzeit von rund 20 bis 24 Monaten aus. Auf die Saison 2017/18 wollen wir im neuen Stadion einziehen.

Ist dann noch der gleiche Verwaltungsrat am Werk?

Schmid: Da gebe ich keine Prognose ab. Wir sind in der aktuellen Zusammensetzung im achten Geschäftsjahr. Das ist eine lange Zeit. Wir sind keine Sesselkleber und neue Personen könnten neue Kräfte mobilisieren.
Geissberger: Wenn das Stadionprojekt nicht kommt, wird es in einem Jahr sicher einen Wechsel im Verwaltungsrat geben. Mein Ziel ist es, mit Präsident Alfred Schmid ins neue Stadion zu gehen. Trotzdem muss ich eine Einschränkung machen: Mit einem Rekordbudget von 8 Millionen Franken (davon 5,5 Millionen für die erste Mannschaft, Anm. d. Red.) haben wir eines der kleineren Super-League-Budgets. Wenn nun seriöse Kräfte kommen sollten, die dem FCA zwei Millionen Mehreinnahmen pro Jahr garantieren könnten, würden wir unsere Ämter zum Wohl des FC Aarau zur Verfügung stellen. Trotzdem konnten wir in unserer Amtszeit das Budget um fast 2 Millionen erhöhen.
Schmid: Aber das kommt nur infrage, wenn der Klub in gute Hände kommt. Wir haben nicht acht Jahre ehrenamtliche Arbeit geleistet, um den FCA in unseriöse Hände zu übergeben.

Wie wichtig das neue Stadion ist, haben vor allem die Krawalle nach dem Spiel gegen den FC Basel im Brügglifeld gezeigt. Was sagen Sie dazu?

Geissberger: Der Aargauer Polizeikommandant Michael Leupold und unser Sicherheitschef Leo Locher haben bestätigt, dass die Krawalle nicht nur mit dem Brügglifeld zu tun haben. Es ist aber klar, dass man ein neues Stadion einfacher unter Kontrolle bringt. Wir möchten betonen, dass das Präsidium sehr stolz auf unsere Fans ist. Die Liga hat den FCA-Anhängern in dieser Saison ein sehr gutes Zeugnis attestiert. Die Videobilder beweisen, dass unsere Fans gegen GC, Basel und Zürich attackiert wurden, ohne dass sie sich etwas zuschulden haben kommen lassen.

Läuft nach dem Basel-Spiel ein Verfahren gegen den FC Aarau?

Geissberger: Die Swiss Football League hat gegen beide Klubs je ein Verfahren eingeleitet. Das geschieht aber von Amtes wegen. Es ist aber allen klar, und das bestätigt auch der FCB, dass die Aarauer Fans die Krawalle nicht ausgelöst haben.
Schmid: Ich gehe davon aus, dass das Verfahren zu unseren Gunsten ausgehen wird.

Wie viel Geld hat der FC Aarau in der Saison 2013/14 für die Sicherheit im und ums Stadion ausgegeben?

Geissberger: Das waren zwischen 450'000 und 500'000 Franken.
Schmid: Das ist enorm viel. Diese Chaoten haben in unserer grossen FCA-Familie nichts zu suchen. Es ist wichtig, dass man diese Personen aus den Stadien entfernt, damit die beliebteste Sportart der Welt nicht gefährdet wird.
Geissberger: 2007 haben wir der Kantonspolizei für die Sicherheit 40'000 Franken bezahlt. Hinzu kamen die Kosten für die Securitas mit rund 80'000 Franken. Insgesamt 120'000 Franken, das ist viermal weniger als heute.
Schmid: Damals war die Gesetzgebung eine andere. Heute ist die Regel so, dass der FC Aarau 25 Prozent der Sicherheitskosten der Polizei übernehmen muss.
Geissberger: Wir bemängeln nicht diese 25 Prozent an sich, sondern dass dies kantonal unterschiedlich geregelt ist. So gibt es Klubs wie Thun, die wenig bis gar nichts bezahlen müssen, während beispielsweise der FC Basel oder der FC St. Gallen massiv mehr bezahlen müssen. Eigentlich ist das eine Verfälschung der Finanzen, das sollte gesamtschweizerisch geregelt werden.