Challenge League

Nach vier Runden die Lachnummer der Liga: Das sind die Gründe für das FC-Aarau-Debakel

Vier Spiele und null Punkte – der FC Aarau macht sich zur Lachnummer.

Vier Spiele und null Punkte – der FC Aarau macht sich zur Lachnummer.

Nach vier Runden befindet sich der FC Aarau in der ungemütlichen Position des punktlosen Tabellenletzten. Gehts nicht schleunigst aufwärts, kommts bald zum nächsten Knall.

«Sollen wir den Ball nur hin- und herschieben?», fragt Aarau-Trainer Patrick Rahmen im Interview mit der «Schweiz am Wochenende». Dann praktizieren seine Spieler in Wil genau das: ideenloses Ballgeschiebe. Nur eine mickrige Torchance durch Varol Tasar in der 25. Minute bringt die hochdekorierte Offensive zustande, davor und danach entsteht nicht im Ansatz Gefahr vor Wil-Goalie Kostadinovic.

Um was es in der Challenge League geht, zeigen die Ostschweizer: Sie praktizieren einen einfachen, ihren bescheidenen Mitteln angepassten Fussball und sind effizient: Die dämlichen Fehler der Aarauer vor den Gegentoren bestrafen sie durch Havenaar (16.) und Schäppi (66.). Mehr Torchancen hat Wil nicht, braucht es auch nicht.

Die Konsequenz für den FC Aarau: vierte Niederlage in Folge und die schlechteste Saisonleistung. Zuvor konnte man noch schreiben: Aarau hatte Chancen, hätte zwingend in Führung gehen müssen, ist mit wehenden Fahnen untergegangen und hat Kampfwille gezeigt. In Wil ist von alldem nichts zu sehen. Statt Moral getankt für die kommenden Wochen gilt: Zurück auf Feld null. Tabellenletzter und als einzige Mannschaft punktelos. Die Lachnummer der Liga.

Mannschaft, Trainer und Sportchef müssen schleunigst über die Bücher. Mit einem blutleeren Auftritt wie in Wil fahren die Aarauer auch das Cupspiel in einer Woche gegen Amriswil an die Wand. Der nächste Knall im Brügglifeld wäre garantiert.

Wie kann es sein, dass schon Mitte August die Alarmglocken schrillen? Die «AZ» nennt die Probleme, die zur FCA-Krise geführt haben.

1. Das Goalie-Problem

Gut möglich, dass mit Neuzugang Djordje Nikolic Ruhe einkehrt. Doch in den vergangenen Monaten war die Goaliefrage ein heisses Thema bei den Verantwortlichen. Im Februar bestimmt Sportchef Sandro Burki, dass in der Rückrunde der Saison 2017/18 Stammgoalie Steven Deana die Hälfte der Spiele an Stellvertreter Lars Hunn abgibt.

Das Eigengewächs soll zeigen, ob es schon das Zeug zum Stammtorhüter hat. Hunn aber überzeugt nur teilweise und kommt für den neuen Trainer Patrick Rahmen nicht als Nummer eins infrage. Doch die Zweifel an Deana bleiben: Der FCA deponiert Anfang Juni eine erste Anfrage bei Nikolic, doch der will damals noch in Thun bleiben und dort um den Stammplatz kämpfen.

Challenge League, 2018/19, 4. Runde, FC Wil – FC Aarau, 2:0,  Silvano Schäppi

Das 0:2 für Wil durch Silvano Schäppi

Verpflichtet wird Yann Fillion vom FC Zürich – als klare Nummer zwei. Burkis und Rahmens Wunsch nach einem mindestens ebenbürtigen Konkurrenten für Deana erfüllt sich nicht. Auf der Goalie-Position mit einer Kompromisslösung in die Saison zu gehen, ist halsbrecherisch. Warum hat man vor der Saison nicht konsequenter nach einer neuen Nummer eins gesucht?

2. Das Sechser-Problem

Trotz Siegen gegen die Super-League-Klubs GC, Thun und Basel: Schon in der Vorbereitung ist offensichtlich, dass der FC Aarau im defensiven Mittelfeld zu dünn besetzt ist. Es fehlt ein körperlich robuster Abräumer. Das muss kein hochklassiger Fussballer sein, aber einer mit Persönlichkeit und ohne Scheu, dem Gegner wehzutun.

Die Meinung von Sportchef und Trainer, vorerst mit einer sicheren Abwehr und einer treffsicheren Offensive die Mittelfeld-Schwächen aufzufangen, wurde zum Bumerang: Aarau hat die schwächste Offensive und die zweitschlechteste Abwehr der Challenge League (Torverhältnis 1:9).

«Wir brauchen auf dieser Position Verstärkung, um die Mannschaft zu stabilisieren», sagt Rahmen in Wil. Der Transfermarkt hat noch bis 31. August geöffnet. Ein Kandidat ist Alain Wiss vom FC St. Gallen. Die Frage, die sich stellt: Wollen brauchbare Sechser nach dem Horrorstart überhaupt nach Aarau?

3. Das Anführer-Problem

Der FC Aarau mag auf dem Papier Anführer haben, auf dem Platz stehen elf Einzelkämpfer. Exakt 1000 Super-League-Spiele hat das Kader in den Beinen. Zwei Drittel vereinen die Neuzugänge Marco Schneuwly (334), Elsad Zverotic (235) und Nicolas Schindelholz (96). Für diese Transfers erhielten die Verantwortlichen viel Lob, auch von der «AZ». Dem Trio wurde zugetraut, sportlich und charakterlich die Mannschaft anzuführen.

Bislang eine krasse Fehleinschätzung: Schindelholz gefällt wenigstens kämpferisch, Zverotic und Schneuwly sind eine Last. Ähnliches gilt für Gianluca Frontino: Er zauberte einen Frühling auf den Rasen, der grosse Hoffnungen weckte. Der Lohn war die Ernennung zum Captain. Doch statt im Sommer aufzublühen, welkt nun die Frontino-Blüte. Nimmt die Captain-Binde ihm den Freigeist, der ihn stark macht?

4. Das Druck-Problem

Der Druck auf den Schultern der Spieler ist in dieser Saison noch grösser als sonst: Erfolgreicher Fussball ist der Beitrag, den der FC Aarau für ein Volks-Ja zum Stadion- und Hochhausprojekt im Torfeld Süd leisten muss. Für viele Sportler, darunter auch viele Fussballer, ist Druck ein Antrieb – die Profis des FC Aarau scheinen daran zu zerbrechen.

Das hat Gründe: Unerfahrenheit, haarsträubende körperliche Zustände nach langen Verletzungspausen – aber auch eine Verkennung der Tatsachen, um was es für den FC Aarau und somit für jeden einzelnen Spieler eigentlich geht. Schönspielerei allein hat noch nie gefruchtet. Vor allem nicht in der knüppelharten Challenge League.

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