FC Aarau

Nach überraschendem Rücktritt: Wie FCA-Captain Gianluca Frontino seine Zukunft plant

Gianluca Frontino fühlt sich seit dem Rücktritts-Entscheid frei. Freshfocus

Gianluca Frontino fühlt sich seit dem Rücktritts-Entscheid frei. Freshfocus

Im Sommer 2019 wird Gianluca Frontino seine Profikarriere überraschenderweise beenden. In seiner Heimatstadt Schaffhausen will der FCA-Captain noch einmal ganz von vorne anfangen. Dem Fussball möchte er trotzdem nicht gänzlich abschwören.

Der Entschluss fällt in den Weihnachtsferien: Unter der Sonne Abu Dhabis fühlt sich Gianluca Frontino körperlich und mental so gut wie lange nicht mehr. Hinter ihm liegt ein Halbjahr zum Vergessen, in dem er wegen chronischer Schmerzen in der Achillessehne nur fünf Spiele absolvieren konnte.

Der Gedanke, von der Profibühne abzutreten, gärt schon länger in Frontinos Kopf. Doch erst weit weg von der Heimat ist er sich sicher: «Das wars. Im Sommer 2019 wird meine Profikarriere Geschichte sein.»

Gab es seither einen Moment, in dem er den Entscheid bereut hat? «Nein, nie», sagt Frontino bestimmt. Als wir ihn gestern Mittag am Telefon erreichen, ist soeben das Training vorbei und Frontino sagt einen Satz, mit dem er sich auf den ersten Blick widerspricht: «Ich bin so heiss auf Fussball wie noch nie.»

Das Leben nach der Profikarriere

Warum dann hört er auf – mit erst 29 Jahren? «Die Freude kommt daher, weil ich Klarheit habe, wie es im Sommer weitergeht. Das macht frei.» FCA-Sportchef Sandro Burki und Trainer Patrick Rahmen hätten seinen im Sommer auslaufenden Vertrag wohl gerne verlängert.

Doch keine Chance. Frontino gleist ab sofort sein Leben nach der Profikarriere auf. Er sagt: «Die Alternative war es, noch zwei, drei Jahre weiterzuspielen und erst dann in die Berufswelt zu wechseln. Doch ich werde in diesem Jahr 30 und ich bin Realist: Grosse Sprünge werde ich als Fussballer nicht mehr machen. Und so viel Geld, um bis ans Lebensende von den Zinsen zu leben, habe ich nicht verdient.»

Den überraschenden Zeitpunkt begründet er so: «Ich bin jetzt motiviert für etwas Neues. Mein künftiger Arbeitgeber hat mir ein Angebot gemacht, das ich nicht ausschlagen konnte. Ich kann arbeiten und erhalte nebenan eine Ausbildung.» Am 1. August beginnt Frontino in seiner Heimatstadt Schaffhausen bei der Mobiliar als Versicherungs- und Vorsorgeberater.

Auch private Gründe haben zum Entschluss geführt. «In den vergangenen Jahren bin ich in kurzen Abständen von Schaffhausen nach Thun, wieder nach Schaffhausen, nach Winterthur und vor zwei Jahren nach Aarau gezügelt. Ich habe das Nomadenleben gesehen. Meiner Freundin zuliebe will ich in Schaffhausen sesshaft werden. Wir denken daran, eine Familie zu gründen.»

«Vielleicht tauche ich wieder auf»

Vor zwei Wochen feierte Frontino im FCA-Heimspiel gegen Servette (3:3) sein Comeback. Auch in Lausanne (0:0) wurde er eingewechselt und vergab in der Nachspielzeit den Siegtreffer. In den verbleibenden zwölf Partien will Frontino alles andere als noch ein bisschen «chügele»: «Der ganz grosse Druck ist weg. Mit dieser Unbeschwertheit kann ich der Mannschaft helfen. Mein Traum ist es, zum Abschluss mit Aarau die Barrage-Spiele zu erreichen.»

Es wäre ein versöhnlicher Abschluss für den Mann, den Sportchef Sandro Burki im September 2017 als seinen ersten «Königstransfer» präsentierte. Im vergangenen Sommer ernannte ihn Trainer Patrick Rahmen zum Captain.

Hätte damals jemand behauptet, Frontino werde schon bald seine Karriere beenden, wäre er belächelt worden. «Nun ist es anders gekommen, und das ist gut so», sagt Frontino und fügt an: «Ganz wird mich der Fussball nicht los.»

Ab Sommer übernimmt er den thurgauischen Zweitligsten FC Diessenhofen als Spielertrainer, auch seine Trainerausbildung wird er weiter verfolgen. «Wer weiss, vielleicht tauche ich als Trainer dereinst wieder im Profifussball auf.»

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