Challenge League
Nach Totalschaden im rechten Knie – Wohlens Goalgetter Janko Pacar auf dem Weg nach oben

Die Diagnose am 29. April dieses Jahres ist brutal: Kreuzband gerissen, Innenband gerissen, Meniskus gerissen! Im Klartext: Das rechte Knie von Janko Pacar hängt nur noch an einem dünnen Faden.

Ruedi Kuhn
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Ein Mentaltrainer soll ihm zu Beginn helfen, ruhig zu bleiben und seine Gedanken zu ordnen.

Ein Mentaltrainer soll ihm zu Beginn helfen, ruhig zu bleiben und seine Gedanken zu ordnen.

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Der Mittelstürmer des FC Wohlen liegt flach. Er gleicht einem Häuflein Elend. «Der körperliche Schmerz ist schlimm», sagt Pacar. «Aber noch viel schlimmer ist der psychische Schmerz. Ich werde einige Zeit brauchen, um wieder positiv in die Zukunft schauen zu können.»

Gut fünf Monate später

Gut fünf Monate später trifft sich Pacar mit der «AZ» an einem idyllischen Platz am Vierwaldstättersee in der Nähe seines Wohnorts Emmen. Der Himmel ist grau. Es regnet in Strömen. Pacar lächelt sanft und sagt: «Dieses Wetter passt zu meiner traurigen Verletzungsgeschichte.

Aber ich bin je länger, je mehr besser drauf. Inzwischen habe ich auch keine Probleme, über die Operation und die schwierige Zeit danach zu sprechen. Im Gegenteil! Für mich ist es ein Stück Vergangenheitsbewältigung.»

Es gibt viel zu erzählen

Pacar erzählt und erzählt. Von seinem Vertrauensarzt Christopher Schmidt, der ihn am 17. Mai in der Zürcher Bethanien-Klinik während zweier Stunden erfolgreich operiert hat. Von der Vollnarkose, die ihn drei Stunden ausser Gefecht setzte. Von den vielen Schmerztabletten, die ihm nach dem medizinischen Eingriff verschrieben wurden.

Von den Wochen, in denen er an Krücken laufen musste und deshalb nicht Auto fahren konnte. Von den Monaten, in denen er mehr oder weniger zum Nichtstun verurteilt war. Von den vielen Gesprächen mit seiner langjährigen Freundin Martina, die sich Tag für Tag geradezu rührend um ihn gekümmert hat.

Vom überraschenden Besuch der Teamkollegen Marko Bicvic, Igor Tadic, Sandro Foschini und Marko Dangubic. Von den Kontakten mit Wohlens Ehrenpräsident René Meier, der viel mit ihm telefoniert hat. Und schliesslich vom Erfahrungsprozess, den er in der Zeit zwischen Mai und Oktober durchgemacht hat.

Schwere Zeit hinter sich

«Die letzten Monate waren hart», sagt Pacar. «Ich habe eine mühsame Zeit hinter mir. Eine Zeit, in der ich aber auch einiges gelernt habe. Zum Beispiel, dass man nach einer solch schweren Verletzung nichts überstürzen darf und Geduld haben muss. Ich mache nur noch einen Schritt nach dem andern.

So komme ich am besten zum Ziel.» Und wann folgt Pacars Comeback? Wann kehrt er aufs Spielfeld zurück? «Der Einstieg in den Trainingsbetrieb der ersten Mannschaft ist Mitte oder Ende November geplant», sagt er. «Meisterschaftsspiele werde ich aber erst zu Beginn der Rückrunde Anfang Februar bestreiten.»

Hoffen auf das nächste Hoch

Pacar gibt unumwunden zu, dass er Angst vor der Rückkehr hat. «Ich kann es kaum erwarten, wieder zu trainieren und zu spielen», sagt er. «Aber ich bin schon etwas ängstlich. Wer weiss? Vielleicht bin ich wegen meines Adrenalin-Kicks übermotiviert und will in der Startphase zu viel.

Um das zu verhindern, werde ich in Zukunft mit einem Mentaltrainer arbeiten. Er soll mir helfen, in der zu Beginn schwierigen Phase ruhig zu bleiben und meine Gedanken zu ordnen.»

Mal schauen, ob Pacar in der zweiten Hälfte dieser Saison so richtig durchstarten wird. Dass er ein guter Stürmer ist und Tore schiessen kann, hat er bewiesen.

Höhen und Tiefen sind nah beieinander

Elf Tore hat Pacar in der Saison 2016/17 für den FC Wohlen erzielt. Im März und April dieses Jahres näherte er sich seiner Höchstform. Und dann passiert nach einem Laufduell mit Xamax-Spieler Samir Ramizi das Schreckliche.

Das Schicksal nimmt seinen Lauf. Oder, um es mit den Worten von Pacar zu sagen: «Ich habe in meiner Karriere tausend schlimmere Aktionen erlebt als diejenige, die zur schlimmen Verletzung geführt hat.

Aber Höhen und Tiefen sind im Fussball nun mal nahe beieinander. In einigen Wochen bin ich hoffentlich zurück im Training.»