Challenge League
Nach seiner Degradierung wollte Torhüter Flamur Tahiraj den FC Wohlen verlassen

Fünf Siege und ein Unentschieden: Der Freiämter Challenge- Ligist grüsst nach sechs Runden vom Leaderthron und ist im Heimspiel gegen Chiasso klarer Favorit. Bem FC Wohlen gibt es derzeit aber auch Verlierer.

Ruedi Kuhn
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Für Flamur Tahiraj hat es sich beim FC Wohlen vorderhand ausgeflogen.

Für Flamur Tahiraj hat es sich beim FC Wohlen vorderhand ausgeflogen.

Alexander Wagner

Vorsicht bei der Berufswahl: Torhüter ziehen das schwierigere Los als Feldspieler. Trainer wechseln Feldspieler nämlich beliebig ein und aus. An Torhütern halten sie meistens während längerer Zeit fest.

Das heisst: Der Goalie, der zu Beginn der Saison auf die Ersatzbank verbannt wird, bleibt in der Regel für längere Zeit Reservist. Das bekommt Flamur Tahiraj während dieser Meisterschaft in aller Deutlichkeit zu spüren. War der Kosovare beim FC Wohlen 2013/14 die Nummer eins, musste er den Platz an der Sonne im Sommer an Joel Kiassumbua abgeben.

Zuerst einfach nur sprachlos

Ciriaco Sforza entschied sich während der Vorbereitungszeit also für einen Wechsel auf der Position des Torhüters. Der Trainer des FC Wohlen machte den 22-jährigen Kiassumbua zur neuen Nummer eins, der 28-jährige Tahiraj trat ins zweite Glied zurück. Tahiraj erfuhr von seiner Degradierung während eines Gesprächs mit Sforza, Verwaltungsrat Lucien Tschachtli und Torhüter-Trainer Boris Ivkovic.

«Als mir Sforza seinen Entscheid mitteilte, war ich zuerst einfach nur sprachlos», blickt Tahiraj zurück. «In der ersten Enttäuschung dachte ich an einen Vereinswechsel. Ich wollte nur noch weg. Dann wurde mir klar, dass ich nicht den Weg des geringsten Widerstands gehen kann. Nun gebe ich während der Trainings Gas und hoffe, dass meine Chance irgendwann kommen wird.»

«Ich verstehe diesen Entscheid nicht»

Eine Chance hat Tahiraj bereits erhalten. Beim 3:0-Sieg im Derby und Cupschlager gegen den 1.-Ligisten FC Muri zeigte der Routinier eine tadellose Leistung. Im Heimspiel gegen Chiasso muss Tahiraj aller Voraussicht nach wieder mit der Jokerrolle vorlieb nehmen.

Eine bittere Pille. Tahiraj macht aus seiner Enttäuschung denn auch kein Geheimnis. «Ich verstehe diesen Entscheid nicht», spricht er Klartext: «Aber ich muss ihn ja auch nicht verstehen. Schliesslich habe ich beim FC Wohlen einen Vertrag bis Ende dieser Saison. Und als Angestellter des Klubs muss ich den Entscheid einfach akzeptieren.»

Von Proiettis Eskapaden profitiert

Tahiraj spielt seit Januar 2010 für Wohlen. Seither hat er Fortschritte gemacht. Allerdings kam die Zeit für ihn einem Wechselbad der Gefühle gleich. Zu Beginn war er hinter Tausendsassa und Showman Giovanni Proietti die Nummer zwei. Dann profitierte er von Proiettis Eskapaden auf und neben dem Fedl und avancierte zum Stammtorhüter. Jetzt muss er wieder untendurch.

Familie als Rückhalt

In diesen schwierigen Wochen und Monaten ist es für ihn wichtig, dass er auf seinen Vater, seine Mutter und die fünf Geschwister zählen kann. Die Tahirajs wohnen in einem 6-Familien-Haus in Dagmersellen, gelten als verschworene Gemeinschaft und sind immer füreinander da: In guten und in schlechten Zeiten.