Generationenwechsel
Nach Knall beim FC Aarau: Folgt mit Sportchef Burki der ersehnte Sieg gegen Vaduz?

Knall beim FC Aarau: Sandro Burki löst Raimondo Ponte als Sportchef ab. Kann der Fc Aarau sich so aus seiner aktuellen Krisenphase befreien?

Von Ruedi Kuhn und Sebastian Wendel
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Die Führungscrew des FC Aarau
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Sandro Burki wird vom Captain zum Sportchef befördert - früher als geplant.
Der FC Aarau-Präsident stand nach dem Cup-Aus in der Kritik.
Raimondo Ponte wird vom FC Aarau per sofort freigestellt.
FCA-Vize-Präsident Roger Geissberger gibt die Leitung des Sportausschusses ab.

Die Führungscrew des FC Aarau

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Am Mittwoch deutet beim FC Aarau noch nichts auf einen Knall in der sportlichen Führung hin – zumindest gegen aussen. Auf Wunsch von namhaften Sponsoren lassen sich die Bosse um Präsident Alfred Schmid und Vizepräsident Roger Geissberger, ein Grossteil der Mannschaft und die wichtigsten Geldgeber im Stadion Brügglifeld auf einem gemeinsamen Foto ablichten.
Mit dabei auf der Aufnahme sind auch Sportchef Raimondo Ponte und Captain Sandro Burki. Am Tag danach ist dieses Foto reif für den Papierkorb.

Der Grund? Ganz einfach: Ponte wird am Donnerstagmorgen von Schmid und Geissberger über seine Entlassung informiert. Ihn wird man im Brügglifeld in nächster Zeit mit Sicherheit nicht mehr sehen, wie er selber sagt. Ponte muss gehen, weil die von ihm zusammengestellte Mannschaft den hohen Erwartungen nicht gerecht wurde.

Sandro Burki (links) hat über elf Jahre beim FCA gespielt.

Sandro Burki (links) hat über elf Jahre beim FCA gespielt.

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Sein Nachfolger und der neue starke Mann beim FC Aarau ist ab sofort Sandro Burki. Nach über elf Jahren, 373 Einsätzen in der Meisterschaft und im Cup und 26 Torerfolgen beendet der 31-jährige Mittelfeldspieler per sofort seine Karriere und nimmt Platz auf dem Sportchef-Sessel. Zudem übernimmt Burki von Roger Geissberger die Führung im Sportausschuss, der über die Zusammenstellung der Profimannschaft entscheidet.

Trotz Negativbeispiel Alex Frei

Am Montag, 24 Stunden nach dem blamablen Ausscheiden im Cup gegen die Amateure von Echallens, trifft sich der Verwaltungsrat im Wallis im Hotel von Geissberger. Am Morgen darauf und nach einer weiteren Sitzung ist der Rauswurf von Ponte beschlossene Sache – und das Sextett hat den Nachfolger auch schon im Blick. Burki wird gefragt, ob er sich vorstellen könne, früher als geplant zum Sportchef aufzusteigen. Schon länger ist für ihn ein Platz in der Klubführung reserviert. Ursprünglich jedoch erst für den Sommer 2018 nach dem geplanten Ende der Spielerkarriere.

Burki nimmt sich einen Tag lang Bedenkzeit, spricht mit seiner Familie und den engsten Vertrauten und entscheidet dann: «Ich mache es!» Trotz den Beispielen aus der Vergangenheit wie etwa der frühere FCB-Stürmer Alex Frei, der ebenfalls direkt vom Platz auf den Sportchef-Sessel in Luzern gewechselt ist und nach einem Jahr entnervt hinwarf.

Alex Frei wurde auch direkt nach seiner Karriere Sportchef, warf den Job beim FC Luzern aber schon bald wieder hin.

Alex Frei wurde auch direkt nach seiner Karriere Sportchef, warf den Job beim FC Luzern aber schon bald wieder hin.

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Burki erwidert, bei ihm seien die Voraussetzungen anders. Er kenne die aktuelle Mannschaft, wisse, an welchen Schrauben er drehen müsse. Und er bleibe im gleichen Verein, zu dem er vor über elf Jahren als Spieler gestossen ist. «Ich kenne die Mechanismen und die Möglichkeiten beim FC Aarau.»

Als Burki am Mittwoch nach Mitternacht als frisch gekürter Sportchef nach Hause kommt, ist seine Frau Nadine noch wach. Zusammen sinnieren sie über die neuen Herausforderungen, die auf die Familie zukommen werden. Schlaf findet er in dieser Nacht nicht, zu viele Gedanken kreisten in seinem Kopf.

Sandro Burki ist überzeugt von seiner neuen Aufgabe. Daniela Frutiger/freshfocus

Sandro Burki ist überzeugt von seiner neuen Aufgabe. Daniela Frutiger/freshfocus

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Burki sprüht vor Tatendrang. Er möchte primär noch ein, zwei Spieler verpflichten. «Aber nur solche, hinter denen ich zu 100 Prozent stehen kann.» Er habe vom Verwaltungsrat die Zusicherung, dass finanzieller Spielraum bestehe. «Ich habe einige Spieler im Kopf, jetzt muss ich schnell abklären, was sich machen lässt.»

Langfristig möchte Burki, dass der FC Aarau den Angestellten und den Fans wieder Spass macht. «Wer aufs Brügglifeld kommt, soll eine positive Stimmung wahrnehmen.» Fakt ist: Der erste Schritt zur Besserung wäre ein Heimsieg am Sonntag gegen Vaduz.