«Die Einwechslungen haben für den Unterschied gesorgt», erklärte Jeff Saibene, Cheftrainer beim FC St. Gallen, nach dem 4:1-Heimerfolg über den FC Aarau vor versammelter Medienschar. Die verschiedenen Mutationen im Laufe der Begegnung sagten vieles über die Qualität der beiden Spielerkader aus. Aufseiten der Aarauer ging es nach laufintensiver und kampfwilliger Spielweise in erster Linie um Schadensbegrenzung, während die Ostschweizer mit ihren frischen Kräften für neue Impulse – und somit für einen immer stärker werdenden Druck – sorgen konnten. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass es der eingewechselte Angreifer Goran Karanovic war, der den FC Aarau vorgestern mit seinem Hattrick abschoss. Ausgerechnet Karanovic, den die Aarauer Verantwortlichen im vergangenen Sommer selbst verpflichten wollten, doch der 26-jährige Aargauer entschied sich schliesslich für die Offerte aus der Gallusstadt.

Offensivkräfte überzeugen nicht

Die Aarauer stiegen also mit den drei Stürmern Linus Hallenius, Otele Mouangue und Dante Senger in die aktuelle Spielzeit. Zusammen erzielten sie bislang sieben Saisontore, zu überzeugen vermochten sie ebenso selten wie Daniel Gygax, den die Aarauer im Laufe der Rückrunde verpflichteten. Mouangue wurde nach einigen Einsätzen sogar in den Nachwuchs abgeschoben. Hallenius musste gegen St. Gallen – wie auch Senger – einmal mehr aus gesundheitlichen Gründen passen. Im Hinblick auf das kommende Auswärtsspiel gegen den FC Thun dürfte die personelle Situation angespannt bleiben, weil sowohl Captain Sandro Burki als auch Topskorer Sven Lüscher aufgrund einer Gelbsperre fehlen werden.

Ein Clubrekord vor den Augen

Finanzkraft hin, Kadergrösse her. Umso mehr gilt es festzuhalten, dass der FC Aarau nach seiner Rückkehr in die oberste Spielklasse eine positive Rolle in der Super League spielt. Als Aufsteiger feierte Aarau schon zehn Saisonsiege. Nur noch ein Vollerfolg fehlt, um den Vereinsrekord seit der Einführung der Zehnerliga zu egalisieren. In den Spielzeiten 2007/08 und 2008/09, die die Aarauer jeweils auf dem fünften Rang abschlossen, gelangen sogar elf Siege in der Meisterschaft. Es darf nicht verwundern, wenn im Umfeld jüngst schon Anzeichen von Euphorie auszumachen waren.

Vor der Bruchlandung am vergangenen Samstag hatte Aarau drei von vier Meisterschaftsspielen gewonnen und somit auch den Anschluss ans Mittelfeld der Tabelle vorübergehend hergestellt – schon wurden die Direktduelle gegen St. Gallen, Thun und Luzern mit dem Attribut «wegweisend» versehen und in Fankreisen stand die Qualifikation für europäische Wettbewerbe zur Diskussion. «Das wäre in unserer Situation jedoch vermessen», macht Aarau-Cheftrainer René Weiler deutlich. Natürlich dürfe man träumen, aber aus Träumen wache man bekanntlich früher oder später auf. Vorgestern in St. Gallen war es soweit.