Handball NLA
Nach den beiden Siegen zum Auftakt der Finalrunde: Was der HSC Suhr Aarau von Roger Federer lernt

Nach den überraschenden Siegen gegen die Spitzenteams Kadetten Schaffhausen und Wacker Thun zum Auftakt der NLA-Finalrunde trifft der HSC Suhr Aarau am Sonntag (Anpfiff: 17.00 Uhr) auswärts auf St. Otmar St. Gallen.

Dean Fuss
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HSC-Trainer Misha Kaufmann greift auch auf Weisheiten von Tennis-Maestro Roger Federer zurück.

HSC-Trainer Misha Kaufmann greift auch auf Weisheiten von Tennis-Maestro Roger Federer zurück.

Fabio Baranzini

Was ist dem HSC Suhr Aarau da nur für ein Wahnsinnsstart in die Finalrunde der NLA gelungen! Zwei Spiele, zwei Siege. Nicht gegen irgendwelche Gegner, sondern gegen die beiden Handball-Schwergewichte des Landes. Ein 26:23-Heimsieg gegen die Kadetten Schaffhausen, der Krösus der Schweizer Liga, und ein 29:24-Auswärtssieg bei Wacker Thun, dem aktuellen Titelverteidiger.

In der rund 3000 Zeichen umfassenden Finalrunden-Vorschau der Nachrichtenagentur «Keystone-SDA» von Ende Januar war der HSC Suhr Aarau mit keiner einzigen Silbe erwähnt worden. «Suhr Aarau kann die Grossen ärgern, aber nicht stürzen», war im selben Zeitraum im «Thuner Tagblatt» zu lesen gewesen. HSC-Trainer Misha Kaufmann hatte den entsprechenden Artikel aus dem «Thuner Tagblatt» vor Beginn der Finalrunde in den Mannschafts-Chat geschickt und das genannte Zitat darin markiert.

Zusätzliche Motivation

«Mit solchen Massnahmen kann man natürlich zusätzliche Motivation schüren», sagt Kaufmann nach den beiden Siegen seines kleinen HSC gegen die beiden Grossen der Schweizer Handballszene. «Klar, das kann einen Kick geben, aber schlussendlich ist uns egal, was man von uns hält. Es geht darum, was wir auf der Platte abliefern. Das ist alles, was zählt.»

Klar, das kann einen Kick geben, aber schlussendlich ist uns egal, was man von uns hält. Es geht darum, was wir auf der Platte abliefern. Das ist alles, was zählt.

(Quelle: Misha Kaufmann, Trainer HSC Suhr Aarau)

Kaufmann ist nach dem Traumstart in die Finalrunde gefordert: «Als Team, das nicht einfach immer gewinnt, müssen wir mit diesen Erfolgen umgehen lernen.»

Zur Unterstützung greift er dabei auf eine Weisheit von Tennis-Maestro Roger Federer zurück, der einmal erklärte, dass er sich so lange als Weltnummer 1 habe halten können, weil er immer trainiert habe, als wenn er «nur» die Nummer 2 wäre.

«Genau so müssen wir jetzt auch denken. Wir müssen weiter sehr hart arbeiten und diesen Willen an den Tag legen», sagt Kaufmann.

Willensprüfung gegen St. Otmar

Tatsächlich: Gäbe es eine reine Finalrundentabelle, ohne mitgenommene Punkte aus der Finalrunde, würde der HSC diese anführen. Als einziges Team haben die Aargauer beide bisher bestrittenen Partien gewonnen.

Ganz anders der Gegner vom Sonntag: St. Otmar St. gallen musste sich sowohl gegen Pfadi Winterthur (31:33) als auch gegen die Kadetten Schaffhausen (28:29) knapp geschlagen geben – und dürfte dementsprechend motiviert sein, das Ruder herumzureissen.

Nach der Reife- die Willensprüfung

Erstmals in der laufenden Finalrunde muss der HSC Suhr Aarau also damit klar kommen, dass er am Sonntag (Anpfiff: 17.00 Uhr) als Favorit in die Partie gehen wird. Von einer Reifeprüfung will Trainer Kaufmann gleichwohl nicht sprechen: «Für mich haben wir die Reifeprüfung mit dem Sieg in Thun abgelegt», sagt der 34-Jährige. Weil der HSC seit 2006 auf einen Sieg im Berner Oberland habe warten müssen und in den zahlreichen absolvierten Partien teilweise gar vorgeführt worden war, sei die Aufgabe in Thun gerade in mentaler Hinsicht enorm schwierig gewesen.

Wir müssen beweisen, dass wir den Erfolg noch mehr wollen – und dass wir denken können, wie es Roger Federer tut.

(Quelle: Misha Kaufmann, Trainer HSC Suhr Aarau)

«In St. Gallen wird es eine komplett andere Sache. Sie haben das Messer am Hals und werden uns nicht unterschätzen. Das wird eine Willensprüfung. Wir müssen beweisen, dass wir den Erfolg noch mehr wollen – und dass wir denken können, wie es Roger Federer tut.»