FC Aarau
Nach dem kapitalen Fehlstart: Der Druck auf Patrick Rahmen steigt

Die Verantwortlichen des FC Aarau geben dem erfolglosen Trainer eine zweite Chance, aber er muss ab sofort liefern.

Ruedi Kuhn
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Jetzt muss Patrick Rahmens Team liefern: Schafft er den Turnaround bis zum 7. Oktober nicht, muss der Trainer des FC Aarau gehen.

Jetzt muss Patrick Rahmens Team liefern: Schafft er den Turnaround bis zum 7. Oktober nicht, muss der Trainer des FC Aarau gehen.

Marc Schumacher/freshfocus

Nach sechs Spielen ohne einen einzigen Sieg und ohne einzigen Punkt ist die Frage erlaubt: Wie lange hält der FC Aarau noch an Trainer Patrick Rahmen fest? «Es gibt zum jetzigen Zeitpunkt kein Ultimatum für Rahmen», sagt Präsident Alfred Schmid.

«Wir sind der Ansicht, dass der Trainer nicht der Grund für die sportliche Erfolglosigkeit ist. Es liegt nicht an ihm.» Und Vizepräsident Roger Geissberger doppelt nach und sagt: «Wir glauben nach wie vor an Rahmen. Er ist ein guter Typ und hat unser vollstes Vertrauen. Und die Mannschaft steht voll hinter ihm.»

Klare Worte von Schmid und Geissberger! Beide stärken dem erfolglosen Trainer also den Rücken. Aber wie lange noch? Recherchen der «Schweiz am Wochenende» bringen Licht ins Dunkel: Schafft Rahmen im Cup gegen den favorisierten Super-League-Klub Neuchâtel Xamax und in den vier folgenden Meisterschaftsspielen bis zum Sonntag, 7. Oktober, gegen Lausanne, Schaffhausen, Vaduz und Winterthur den Turnaround nicht, läuft seine Zeit als Trainer des FC Aarau ab.

Eine zweite Chance

Die Verantwortlichen des FC Aarau geben Rahmen nach dem kapitalen Fehlstart also eine zweite Chance. Bleibt die Frage, ob er diese zweite Chance nützen wird und ob er sie überhaupt verdient hat. Alleine schon die Bilanz von null Punkten aus sechs Spielen würde nämlich eine Entlassung durchaus rechtfertigen.

Nach der 1:2-Heimniederlage gegen Chiasso war Rahmen gemäss eigener Aussage ernüchtert. «Ich machte dem Team nach dem Chiasso-Spiel klar, dass es so nicht weitergehen kann und dass nun etwas passieren muss», sagt er. «Ich bin sicher, dass jeder Spieler die Botschaft verstanden hat.»

Rahmen muss sich aber nicht nur die schlechten Resultate ankreiden lassen, sondern auch die Zusammensetzung des Teams. Er hätte beispielsweise die Suche nach einer Nummer 6, nach einem zentralen Mittelfeldspieler mit Abräumer-Qualitäten also, noch intensiver, noch hartnäckiger vorantreiben müssen.

«Haben als Gesamtes enttäuscht»

Natürlich hat Sportchef Sandro Burki diesen Spielertyp während Monaten gesucht. Natürlich hatte der Sportchef eine lange Liste mit Namen von Spielern wie Markus Neumayr, Philipp Muntwiler, Stéphane Nater und Kevin Pezzoni.

Nachdem es zu keinem Vertragsabschluss gekommen war, hätte Rahmen die Sache allerdings selbst in die Hände nehmen müssen. Rahmen sagt, dass ein solcher Transfer aus finanziellen Gründen nicht machbar gewesen sei. Das ist, bei allem gebührenden Respekt, nicht mehr als eine billige Ausrede.

Rahmen reagiert auf die Kritik an seiner Person sachlich, nüchtern und professionell. Er stemmt sich mit aller Kraft gegen den Absturz des FC Aarau und gegen seine Entlassung. «Die sportliche Situation nervt mich gewaltig», sagt Rahmen. «Wir haben als Gesamtes enttäuscht. Es ist klar, dass ich als Trainer die Verantwortung übernehmen muss. Das mache ich auch. Ich bin mir aber sicher, dass wir die Wende schaffen können. In den vergangenen Wochen hat sich jeder hinterfragt und die Lehren aus den Fehlern gezogen.»

Trainingslager im Allgäu

Um den Turnaround zu schaffen, reiste der FC Aarau in dieser Woche in ein kurzes Trainingslager nach Oberstaufen. Einerseits ging es darum, den Teamgeist zu fördern, andererseits um die Integration von neuen Spielern wie Nicolas Bürgy, Goran Karanovic und Stefan Maierhofer. Geht es nach dem Willen von Schmid, Geissberger, Burki und Rahmen, wird das Cupspiel gegen Xamax zum Startschuss einer erfolgreichen Phase. Schauen wir mal!

Klar ist zum jetzigen Zeitpunkt aber nur eines: Nach dem Absturz ans Tabellenende der Challenge League steigt der Druck auf Rahmen von Woche zu Woche. Es ist im Endeffekt egal, ob der Trainer schuld an der sportlichen Misere ist oder nicht.

Er ist nun mal das schwächste Glied in der Kette. Schafft Rahmen die Wende zum Guten bis zum Heimspiel gegen den FC Winterthur am 7. Oktober nicht, muss er seinen Platz im Brügglifeld räumen. So wollen es nun mal die Gesetze des Profifussballs.

Hitzfeld und Weiler top – Saibene und Andermatt ein Flop

Beim FC Aarau waren in der Zeit zwischen dem Aufstieg in die Nationalliga A 1981 und 2018 sage und schreibe 33 Trainer unter Vertrag. Der Prominenteste und Erfolgreichste ist Überflieger Ottmar Hitzfeld. Zwischen 1984 und 1988 schaffte der Cupsieger-Trainer von 1985 in 152 Spielen 69 Siege und 39 Unentschieden. Hinzu kamen 44 Niederlagen.

René Weilers Bilanz zwischen 2011 und 2014 kann sich ebenfalls sehen lassen: 120 Spiele, 65 Siege, 19 Unentschieden und 36 Niederlagen. An zwei weitere Trainer erinnert man sich beim FC Aarau ebenfalls gerne: Rolf Fringer schaffte 1993 den Meistertitel.

Seine eindrucksvolle Bilanz: 204 Spiele, 80 Siege, 57 Unentschieden und 67 Niederlagen. Und Gilbert Gress schaffte zwischen Mai und Juni 2007 in fünf Spielen drei Siege und zwei Unentschieden. Dem unverwüstlichen Elsässer haben es die Aarauer zu verdanken, dass sie Ende Saison 2006/07 nicht abgestiegen sind.

Die statistisch schlechtesten Trainer des FC Aarau seit dem Aufstieg in die höchste Spielklasse heissen Martin Andermatt und Jeff Saibene. Andermatt brachte es in der Abstiegs-Saison 2009/10 in 18 Spielen auf 14 Niederlagen, 3 Unentschieden und 1 Sieg. Saibenes Bilanz in der gleichen Saison lautet: 13 Spiele, 2 Siege, 2 Unentschieden und 11 Niederlagen.

Der zuletzt entlassene Marinko Jurendic verbuchte in 25 Spielen 6 Siege, 6 Unentschieden und 13 Niederlagen. Eine noch schlechtere Bilanz als Andermatt, Saibene und Jurendic weist der aktuelle FCA-Trainer Patrik Rahmen auf: Er verlor seine bisherigen sechs Meisterschafts-Spiele, wartet also noch immer auf den ersten Punktgewinn. (ruku/da)

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