Challenge League

Nach dem Kantersieg von Lausanne: Jetzt muss Rahmen reagieren

Enttäuschung pur: FCA-Torhüter Nicholas Ammeter (r.), Raoul Giger (l.) und Damir Mehidic nach dem fünften Gegentreffer.

Enttäuschung pur: FCA-Torhüter Nicholas Ammeter (r.), Raoul Giger (l.) und Damir Mehidic nach dem fünften Gegentreffer.

Der FC Aarau kassiert in Lausanne eine 1:5-Klatsche und rutscht auf Rang 9 ab – punktleich mit dem Schlusslicht Chiasso. Es ist die dritte Meisterschaftsniederlage in Serie und deswegen stellen sich nach dem Spiel auf der Pontaise viele Fragen beim FC Aarau.

War Lausanne so gut oder der FC Aarau so schlecht? Lausanne war gut, sehr gut sogar. Die Waadtländer spielten lebhaft, leidenschaftlich und mit Herz. Sie hatten Lust auf Fussball, spielten wie aus einem Guss, standen hoch, setzten also auf Pressing und machten aus einem Dutzend Topchancen fünf Tore. Kein Zweifel: Lausanne ist das beste Team der Challenge League und kann sich im Kampf um den Aufstieg in die Super League nur selber schlagen.

«Lausanne ist das Team der Stunde», sagte Patrick Rahmen nach dem Schlusspfiff. Damit trifft der Trainer des FC Aarau den Nagel auf den Kopf. Und der FC Aarau? Er ist auch das Team der Stunde. Im negativen Sinn.

Der Barrage-Teilnehmer der vergangenen Saison spielte schlecht, ja er liess sich in der zweiten Halbzeit sogar richtiggehend vorführen. Die Euphorie des vergangenen Frühlings ist wie weggeblasen. Warum? Was ist passiert seit Anfang Juni? Was ist passiert in den vergangenen drei Monaten?

Fehlende Qualität im Kader

Der Hauptgrund für den Leistungsabfall ist der Qualitätsverlust innerhalb des Kaders. Die Abgänge von Abwehrchef Nicolas Bürgy und Linksverteidiger Linus Obexer wiegen schwer. Sie wurden nicht ersetzt.

Der schnelle, trickreiche und torgefährliche Varol Tasar ist auch weg und wurde ebenfalls nicht ersetzt. Olivier Jäckle ist verletzt. Marco Schneuwly stellt sich zwar in den Dienst der Mannschaft, schiesst aber kaum Tore. Und der frühere Goalgetter Stefan Maierhofer trifft nicht mehr, weil er meistens gar nicht spielt.

Patrick Rahmen, Trainer des FCA, steht unter Druck.

Patrick Rahmen, Trainer des FCA, steht unter Druck.

Bleibt unter dem Strich das Fazit: Nach der Startphase dieser Saison mit vier Punkten aus fünf Spielen und schon 13 Gegentoren versinkt der FC Aarau langsam, aber sicher im Mittelmass. Was tun gegen den drohenden Absturz? Rahmen muss reagieren.

Er muss sich ein Stück weit neu erfinden. Er muss, um es in der Sprache der Schwinger zu sagen, böser werden. Und er muss die Zügel anziehen – und zwar vor dem Heimspiel am nächsten Samstag gegen Wil.

Sonntagstraining statt eines freien Tages

Eine erste Reaktion gab es schon. Eigentlich wollte Rahmen den Spielern am Sonntag frei geben und erst am Montag wieder trainieren. Nach der Schlappe in Lausanne machte er eine Kehrtwendung und bot das Team am Morgen nach dem Spieltag zu einer Trainingseinheit auf.

«Es war nötig, dass wir das Lausanne-Spiel möglichst schnell analysieren», sagt Rahmen. «Ich habe mit den Routiniers individuelle Gespräche geführt. Sie müssen sich in die Pflicht nehmen.»

Rahmen muss nicht alles auf den Kopf stellen. Aber es ist an der Zeit, der Mannschaft neues Leben einzuhauchen. Es braucht frischen Wind. Die Pleite gegen Lausanne war mehr als ein Ausrutscher.

Den Jungen mehr Spielpraxis geben

Es war die dritte Meisterschaftsniederlage in Serie. Aarau hat gegen GC (1:2), gegen Chiasso (2:4) und gegen Lausanne (1:5) elf Gegentreffer kassiert. Der Angriff glich in den vergangenen Wochen einem lauen Lüftchen.

Spieler wie Yvan Alounga und Kevin Spadanuda sind in der Lage, Power und Speed in die Angriffsmaschinerie zu bringen. Sie sind jung, dynamisch und wollen zeigen, was sie können. Statt auf der Bank zu versauern, sollte man die jungen Wilden von der Leine lassen. Von Beginn an.

Bleibt eine Tatsache, die man bei aller Kritik nicht aus den Augen verlieren darf: Der FC Aarau ist momentan im Umbruch. Will heissen: Die FCA-Ausgabe 2019/20 ist auf dem Papier bei weitem nicht mehr so stark wie die FCA-Ausgabe 2018/19. Für einen Mittelfeldplatz in der Challenge League ist der aktuelle Kader gerade mal gut genug. Mehr liegt mit Sicherheit nicht drin.

Autor

Ruedi Kuhn

Ruedi Kuhn

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