Gigathlon
Nach dem Gigathlon in Aarau kommt die Lust auf Eis

Inlineskaterin Ramona Härdi startet mit dem Team aargauersport.ch am Gigathlon. Am Tag nach dem Rennen reist sie nach Inzell für die ersten Trainings auf Eis, um sich für die Eisschnelllauf-Saison vorzubereiten.

Rainer Sommerhalder
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Inlineskaterin Ramona Härdi bewegt sich nicht mehr nur auf zwei Rollen.

Inlineskaterin Ramona Härdi bewegt sich nicht mehr nur auf zwei Rollen.

Rainer Sommerhalder

Das Team «aargauersport.ch» mit fünf jungen, ambitionierten Leistungssportlern tritt am Gigathlon in Aarau mit hohen Zielen an. Nichts weniger als der Sieg im Rennen der Fünferteams soll am Wochenende vom 11./12. Juli herausschauen.

Die grösste Herausforderung im Vorfeld war die Besetzung der Inlinestrecke. Eine junge Frau aus dem Aargau musste es sein und dazu natürlich eine möglichst starke Athletin. Eigentlich kam als Auswahl nur eine Person infrage: Ramona Härdi aus Möriken. Nicht unbedingt, weil die Inlinestrecke am Samstag praktisch vor ihrer Haustüre vorbeiführt. Sondern, weil die 18-Jährige als Mitglied der Junioren-Nationalmannschaft eines der grössten Talente der Schweizer Inlineszene ist.

Eine Sommerreise in den Winter

Umso mehr verwundert es, wenn die angehende Konstrukteurin bei der Ferrum AG in Schafisheim beiläufig erwähnt, dass sie die Inline-Europameisterschaften in diesem Sommer auslassen werde. Nicht etwa wegen des Gigathlons. Vielmehr steht Ramona Härdi bereits am Montag nach diesem Grosskampf gegen 600 andere Teams in Inzell auf dem Eis.

Quasi eine Reise in den temporären Winter mitten im Hochsommer. Zwei Wochen wird sie mit dem Schweizer Kader im deutschen Eisschnelllauf-Mekka trainieren, wo extra für diese Zeit temporäres Sommereis produziert wird.

Die Talente der Mörikerin enden nämlich nicht beim Sport auf den zehn Rollen. Seit zwei Jahren wechselt sie im Winter die Skates gegen Schlittschuhe aus. Bald einmal war klar, dass die Aargauerin auch auf dem eisigen 400-m-Oval überdurchschnittliches Potenzial hat.

In diesem Jahr will sie sich auf die Wintervariante ihres sportlichen Könnens konzentrieren. «Weil es mir derzeit mehr Spass macht, weil das Umfeld um einiges professioneller ist und weil die Perspektiven als olympische Disziplin besser sind», begründet sie. Die Junioren-Weltmeisterschaft in China ist ihr grosses Ziel für den Winter.

Dennoch verzichtet sie nicht gänzlich auf Inline-Wettkämpfe und verbleibt auch dort im nationalen Nachwuchskader. Zwei Europacups bestritt Ramona Härdi in diesem Frühling. Im Inlineskaten ist sie auf Distanzen von 300 m bis Marathon unterwegs, im Eisschnelllauf tendiert sie zu den langen Strecken. So schaffte Härdi im letzten Winter über 3000 m die Limite für die Teilnahme am Junioren-Weltcup. Im März in Italien feierte die Aargauerin dann ihre Weltcup-Premiere auf Eis.

Noch ein Jahr bei den Junioren

Obwohl Ramona Härdi derzeit eher heiss auf Eis ist, hält sie sich die Option Inline offen. Denn nach der abschliessenden Saison als Eisschnelllauf-Juniorin im kommenden Winter folgt 2016 das letzte Inline-Jahr beim Nachwuchs. «Gut möglich, dass ich mich dann nochmals gezielt auf die EM vorbereite», sagt sie. Es wäre bereits ihre vierte Teilnahme an Europameisterschaften.

Früher oder später muss sie sich aber entscheiden, denn die Trainings sind, so nahe verwandt die beiden Sportarten auf den ersten Blick erscheinen mögen, doch sehr verschieden. «Es ist eine völlig andere Sportart. Ich betreibe fürs Eisschnelllaufen viel mehr Kraftaufbau und trainiere die Grundkondition auf dem Velo», sagt Härdi.

Ein Argument für das Eisschnelllaufen ist auch die Tatsache, dass die Rennen ohne direkten Gegnerkontakt stattfinden. Ramona Härdi gibt zu: «Ich bin eine etwas ängstliche Inlinerin. Die Positionskämpfe im Feld sind teilweise krass und Massenstürze eine immer öfters eintretende Folge davon.» Penetrant ellbögeln ist ihre Sache nicht.

Ein grenzwertiges Programm

Weil die Kadertrainings der Eisschnellläufer durchgehend in Zug stattfinden, fährt sie drei- bis viermal pro Woche nach der Arbeit mit dem Auto in die Innerschweiz. Seit sie den Lehrfahrausweis hat, sitzt Ramona meistens selber hinter dem Steuer. Ein beträchtlicher Zeitaufwand.

Auch die junge Sportlerin sagt, «manchmal ist das Programm etwas grenzwertig. Mein Leben ist schon ziemlich durchgeplant». Immerhin kann sie ab nächstem Lehrjahr das Arbeitspensum auf wöchentlich 37 Stunden reduzieren und zusätzliche Ferien für den Sport beziehen.

Auf den Gigathlon freut sich Ramona Härdi. Ihre Mutter hat ihn bereits mehrmals bestritten und viel Positives darüber berichtet. «Ich bin mir sicher, es wird ein megacooles Erlebnis», sagt sie. Druck wegen der hohen Ambitionen spürt sie nicht. Schliesslich weiss Ramona Härdi, was sie kann. Sei es auf zehn Rädern oder auf zwei Kufen.