Challege League
Nach dem FC Aarau-Auftritt stellt sich nur eine Frage: die Frage nach der Mentalität

Der FC Aarau verlor sein Auswärtsspiel gegen den FC Schaffhausen nach einer frühen Führung (4. Minute) schliesslich mit 1:4. Nun sprechen die Aarauer Klartext, insbesondere Sportchef Sandro Burki.

Markus Brütsch
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Enttäuschung bei den Aarauern Gilles Yapi, Gianluca Frontino und Patrick Rossini (von links).

Enttäuschung bei den Aarauern Gilles Yapi, Gianluca Frontino und Patrick Rossini (von links).

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So nicht! Man kann dem FC Aarau nach der Klatsche in Schaffhausen vieles vorwerfen, nicht aber fehlende Selbstkritik.
So nicht! Der Tenor, vom Sportchef über den Trainer bis zu den Spielern, klang, mit Nuancen, einheitlich.

«Man kann verlieren, aber nicht so», sagte der desillusionierte Spielmacher Gianluca Frontino, der nach seinem unrühmlichen Abgang im Winter letzten Jahres dem Exklub nur zu gerne eines ausgewischt hätte. «Offensiv lief bei uns viel zu wenig. Dieses 1:4 schlägt aufs Gemüt!», sagte Frontino.

Dass man auswärts gegen eine Mannschaft, die seit dem Einzug ins neue Stadion nun von 13 Heimspielen deren 11 gewonnen und nur eines verloren hat, den Kürzeren ziehen kann, liegt in der Natur der Sache. Zumal, wenn der Kontrahent doppelt so viele Punkte auf dem Konto hat.

Nur: Die Schaffhauser präsentierten sich am Samstag alles andere als übermächtig, und weil das Spiel mit dem frühen Führungstreffer von Stéphane Besle überdies zugunsten der Aarauer gelaufen war, hätten diese am Ende nie und nimmer derart ernüchtert abzotteln dürfen.

Art und Weise inakzeptabel

Schonungslos Klartext sprach hinterher Sandro Burki. «Viel schlimmer als das Resultat ist die Art und Weise, wie wir verloren haben», sagte der Sportchef. Und während Trainer Marinko Jurendic wie andere Beobachter dem FC Aarau noch zubilligte, eine ansprechende erste Halbzeit abgeliefert zu haben, hatte Burki eine strengere Sicht der Dinge.

«Unsere Führung bei Halbzeit war nur dem Umstand zu verdanken, dass Schaffhausen nicht gut gespielt hatte. Aber wir waren auch schon vor der Pause schlecht. Der Umschwung zeichnete sich ab.»

Jurendic andererseits sagte, seine Mannschaft sei gut organisiert gewesen, habe das Geschehen im Griff gehabt und dem Gegner keine Chancen zugestanden. Daneben lag der 39-Jährige mit dieser Analyse gewiss nicht. Weshalb aber seine warnenden Worte in der Halbzeitpause danach wirkungslos verpufft waren und sein Team bald auf die Verliererstrasse geriet, konnte auch Jurendic nicht erklären.

Mittels Doppelschlag das Spiel gedreht

Exakt wie gegen Wohlen zwei Wochen zuvor hatten die Schaffhauser mit einem Doppelschlag durch Sessolo und Cicek innerhalb von zwei Minuten das Spiel gedreht. «Wir verloren den Faden, hatten keinen Zugriff mehr aufs Spiel und verloren verdient», sagte Jurendic.

Und ergänzte, dass das Ergebnis nach den beiden Toren von Fioravanti und Mikari in der Nachspielzeit extrem wehtue. «Das ist ein absoluter Rückschlag, nachdem wir uns zuvor mit vier Spielen ohne Niederlage stabilisiert hatten.»

Routinier Gilles Yapi, der wie alle Aarauer eine enttäuschende Vorstellung geboten hatte, sagte: «Wir haben für unsere Fehler cash bezahlt. Nach dem 1:2 waren wir hinten zu offen und vorne dennoch ungefährlich.»

Eine Frage der Mentalität

So, wie die Aarauer sich präsentierten, stellt sich zweifellos die Frage nach ihrer Mentalität. Sind diese Profis hungrig und bissig genug, um den Anforderungen der kampfbetonten Challenge League gerecht zu werden?

In der untergeht, wer zu brav und zu temperamentlos ist. Liegt es ausschliesslich am Charakter der Spieler oder ist die Mannschaft vielleicht ein Spiegelbild ihres Trainers, der mit Ausnahme seines Ausrasters im Xamax-Spiel immer den Eindruck hinterlässt, ein hoch anständiger und besonnener Mensch zu sein?

«Unsere Leistung hat zum Teil sicher mit der Mentalität zu tun», sagte Burki, ohne darauf einzugehen, ob er nun die Spieler, den Trainer oder beide Parteien meint. «Nach unserer guten Phase mit den Siegen gegen Xamax und Wil ist die Entwicklung schon etwas bedenklich», sagte Burki.

Müsste sich der Sportchef seine vormaligen Teamkollegen nun nicht einmal mit deutlichen Worten vorknöpfen? «Wir haben schon viel gesprochen. Irgendwann muss man aufhören zu reden, dafür aber auf dem Platz Leistung zeigen», sagte Burki. Und machte sich frustriert auf den Heimweg. So nicht!