FC Aarau

Nach dem Denkzettel die Galavorstellung: Varol Tasar dankt mit Toren für das Vertrauen des Trainers

Trotz wochenlanger Torimpotenz hielt FCA-Trainer Patrick Rahmen an seinem 22-jährigen Flügelstürmer fest – einer der Schlüssel zum 3:0 gegen Vaduz. Auch mit anderen Entscheidungen bewies Rahmen erneut sein goldenes Händchen in Halbzeitpausen.

Es gibt Stimmen, die halten den Einfluss eines Trainers für überschätzt. Am Ende würden Lust und Form der Spieler über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.

Nun – Aaraus Patrick Rahmen hat in der vergangenen Woche bewiesen, dass Trainer sehr wohl die Dinge entscheidend beeinflussen:

Am Mittwoch in Kriens hat er die Chuzpe, in der Pause seine erfolgreichsten Torschützen Maierhofer und Tasar (insgesamt 17 Saisontore) auszuwechseln und an ihrer Stelle Petar Misic und Goran Karanovic zu bringen. Resultat: Dank Misic (eine Vorlage) und Karanovic (zwei Tore) macht Aarau aus dem 0:2 ein 2:2.

Am Samstag das Heimspiel gegen Vaduz. Nach der ersten Halbzeit steht es 0:0, wieder haben Maierhofer und Tasar enttäuscht. Der Österreicher verschiesst in der 10. Minute einen von ihm selber rausgeholten Penalty, zieht in den restlichen Aktionen gegen Sonderbewacher Puljic den Kürzeren und bleibt beim Wiederanpfiff draussen. Für ihn kommt Misic.

Rahmen hört auf sein Bauchgefühl

Und Tasar? Kein Torschuss, keine Vorlage: Auch seine frühe Auswechslung hätte jeder verstanden. Doch Fussball ist nicht nur Entscheiden nach Fakten, Fussball ist genauso Psychologie und Fingerspitzengefühl. Patrick Rahmen hört in der Pause auf sein Bauchgefühl: «Etwas sagte mir, dass es noch der Abend von Varol würde. Deshalb liess ich ihn dieses Mal im Spiel, schickte ihn aber vom rechten Flügel ins Sturmzentrum.»

Rahmens Eingriffe zur Pause entpuppen sich rasch als siegbringend. Natürlich profitiert Aarau in der zweiten Halbzeit vom ultrastrengen Platzverweis in der 50. Minute gegen Milan Gajic, mit dem Schiedsrichter Luca Piccolo den Liechtensteinern das Herz rausreisst.

Überragende halbe Stunde

Doch so wie Aarau in der Folge muss eine Mannschaft den nummerischen Vorteil erst einmal nutzen. Tempo, Risiko, Passgenauigkeit, Torhunger – alles in der ersten Halbzeit Vermisste ist nun da.

Und dann bricht die halbe Stunde des Varol Tasar an: In der 64. Minute übernimmt er den genialen Steilpass von Markus Neumayr und schiebt ein zum 1:0. In der 81. Minute, lanciert vom eingewechselten und ebenfalls guten Goran Karanovic, trifft Tasar halbhoch in die nahe Ecke zum 2:0. Auch das 3:0 in der 93. Minute hätte er erzielen können, doch mit einem Pass auf Karanovic bedankt er sich bei diesem für den Assist beim 2:0.

Challenge League 18/19 Runde 28: FC Aarau-FC Vaduz 6.4.19. 1:0 FC Aarau von Varol Tasar (Assist: Markus Neumayr)

Varol Tasars Treffer zum 1:0.

Challenge League 18/19 Runde 28: FC Aarau-FC Vaduz 6.4.19. 1:0 FC Aarau von Varol Tasar (Assist: Markus Neumayr)

Wo Tasar mit Herz und Kopf ist

Nach dem Spiel erhält Tasar von einem FCA-Sponsor einen Mongolentopf, der Preis für den «Man of the Match». «Nein, den gebe ich meiner Freundin», antwortet er lachend auf die Frage, ob dies das erste Küchenutensil für die künftige Wohnung in Genf sei.

Im Sommer beginnt für Tasar das Kapitel Servette. Seit der Wechsel am 13. Februar bekannt wurde, litt er sieben Spiele in Folge an Torimpotenz und verlor den Status des internen Topskorers. Tasar spielte zwar immer von Anfang an, doch von aussen beschlich einen das Gefühl, er sei blockiert. Wollte er gute Leistungen erzwingen, um ja nicht den Eindruck eines Schlendrians zu erwecken? Tasar sagt: «Sie interpretieren da zu viel hinein. Jeder Stürmer hat schwierige Phasen. Mir hat ein Erfolgserlebnis gefehlt, mehr nicht. Ich habe immer das Vertrauen der Mitspieler und des Trainers gespürt.»

So lässt sich nach zwei Toren und der Vorlage zum dritten natürlich einfach reden. Doch die frühe Auswechslung in Kriens war ein Denkzettel des Trainers an die Adresse Tasars. Patrick Rahmen: «Ich habe ihm danach in einem Vier-Augen-Gespräch gesagt, was ich von ihm erwarte – und dass ich ihm gegen Vaduz nochmals eine Chance gebe.»

Die hat Tasar eindrucksvoll genutzt. Ehe er sich unter die Dusche verabschiedet, sagt er noch: «Klar hat es mir gefallen, dass am Mittwoch Servette gegen Lausanne gewann und den Aufstieg praktisch klarmachte. Aber noch mehr gefreut habe ich mich über den Fakt, dass Lausanne verloren hat. Denn dadurch sind wir näher am Barrage-Platz.» Keine Frage – mit Herz und Kopf ist Tasar immer noch in Aarau.

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