Leichtathletik
Nach bitterem Fehltritt: Dominique Starks Traum von der WM ist geplatzt

Das Mehrkampf-Talent Dominique Stark verpasst wegen erneutem Verletzungspech die ganze Saison – und das nach einer Badminton-Partie. Trotzdem hat der 18-Jährige seinen Mut nicht verloren.

Chantal Fimian
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Zum sportlichen Nichtstun verdammt: Pechvogel Dominique Stark.

Zum sportlichen Nichtstun verdammt: Pechvogel Dominique Stark.

Chantal Fimian

Es hätte ein kleiner Plausch mit Freunden werden sollen. Doch dann passierte es: Dominique Stark reisst sich beim Badminton spielen vor zwei Wochen erneut die Achillessehne am linken Bein – zum zweiten Mal innert drei Monaten. Bereits im Januar hatte der 18-jährige Mehrkämpfer während eines Hürdenlaufs die gleiche Verletzung erlitten.

Mit ärztlicher Erlaubnis stieg der Aarauer nach drei Monaten wieder ins Training ein. «Aus heutiger Sicht deutlich zu früh», meint der letztjährige U20-Schweizer-Meister im Mehrkampf. «Wahrscheinlich war ich zu ehrgeizig. Ich habe mir gedacht, dass ich die Saison im September wieder aufnehmen könnte.»

Beim Gisin-Doktor operiert

Die U20-Weltmeisterschaft im US-amerikanischen Eugene wäre für ihn das Saisonhighlight geworden. Die Limite hatte er bereits im Sack, nun muss er seine WM-Träume früh begraben und fällt bis zum Ende des Jahres aus. «Ich habe zwei, drei Jahre auf diese WM hingearbeitet – es war immer mein Ziel. Aber es bringt nichts, wenn ich daran denke, was wäre wenn. Ich muss vorwärts schauen», ist der Maturand überzeugt. Letzte Woche wurde Stark in der Rennbahnklinik in Muttenz während zweier Stunden vom Spezialisten Lukas Weisskopf operiert, dem schon andere Sportgrössen wie Marco Wölfli und Dominique Gisin ihre Beine anvertrauten. Noch muss der Athlet des BTV Aarau an Stöcken gehen. «In sechs Wochen könnte ich diese ablegen. Im August hoffe ich dann, normal laufen zu können. Ins Training einsteigen, werde ich voraussichtlich Ende Jahr», ist er optimistisch.

Trotz Ausfall keine Langeweile

Langweilig wird im trotz seines Schicksals nicht, im Gegenteil: Momentan büffelt Stark für seine Maturitäts-Prüfungen. Den Ehrgeiz, den er im Sport momentan nicht vollumfänglich ausleben kann, legt er in seine Ausbildung. «Wäre ich nicht verletzt, würde ich deutlich weniger lernen. Aber ich wollte sehen, ob ich das Durchhaltevermögen habe», so Stark. Nach der Maturität tritt er an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) seine Zivildienst-Stelle an. «Eine Traumstelle», wie Stark selber sagt. Nachher möchte er ein Studium beginnen. «Philosophie und Geschichte wäre eine Möglichkeit, aber auch Umweltwissenschaften, Architektur oder ein Ingenieurstudium an der ETH in Zürich würden mich interessieren.»

Welches Studium Stark schlussendlich wählen wird, hängt auch damit zusammen, ob er wieder den Anschluss an die nationale oder internationale Spitze finden wird. Falls nicht, wird der Athlet, welcher in seiner Alterskategorie zu den Top-20 Europas zählt, auf die Karte Ausbildung setzen.

Ungebrochene Sport-Liebe

Motiviert, um sich sportlich wieder etablieren zu können, ist er allemal: «Wenn ich Fotos oder Videos von Kollegen bei einem Wettkampf sehe, bekomme ich Lust darauf. Mir gefällt das Training und alles drum herum», sagt der Modellathlet mit einem Lächeln auf den Lippen. Stark sieht seine Situation positiv und versucht daraus zu lernen. «Jede Verletzung hat einen Grund. Es bringt nichts zu fragen: Warum immer ich? Ich mache mir aber schon meine Gedanken.» Für die Zukunft nimmt sich der Mehrkämpfer zwei Dinge vor. Einerseits will er sich bei der Genesung genügend Zeit lassen, andererseits will er lockerer werden: «Ich muss gewisse Dinge einfach geschehen lassen und die manchmal zu grosse Verbissenheit im Training ablegen.»