Halwilerseelauf
Muttertipps und die Vorteile des Alters am Hallwilerseelauf

Die 40. Austragung mit der Rekordbeteiligung von fast 8000 Läufern schrieb unterschiedlichste Geschichten. Unterwegs litten sie, kämpften mit und gegen sich, doch im Ziel, nach den 21,1 km, entspannten sich die Gesichtszüge.

Jörg Greb
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Der 51-jährige Hansjörg Brücker (vorne) aus Baden war der zweitschnellste Aargauer.

Der 51-jährige Hansjörg Brücker (vorne) aus Baden war der zweitschnellste Aargauer.

Foto Wagner

Der Hallwilerseelauf 2014 lieferte die Gelegenheit für höchste Glücksgefühle. Mit einigen, die sich besonders profilierten, haben wir uns unterhalten.

Laufend eine Enttäuschung verarbeitet hat Lucia Mayer. Die 35-jährige Obwaldnerin hatte die Qualifikationsbedingungen für die Marathon-Europameisterschaft in Zürich erfüllt. Aufnahme ins Schweizer Team gefunden hat sie dennoch nicht. Mit ihrem vierten Rang in starken 1:21:12 Stunden profilierte sie sich nun hinter den drei Ostafrikanerinnen Kiprono, Wanjiur und Bedu auf Rang 4. Noch besser gelang dies bei den Männern Tadesse Abraham, der zwar als Neo-Schweizer an der EM mitlief, aber seiner Favoritenrolle als Neunter nicht gerecht worden war. Er siegte nun und strahlte: «Mit solchen Rennen kann ich meine Enttäuschung Schritt für Schritt verarbeiten.»

Als zweiter Schweizer und schnellster Aargauer erreichte der Gebenstorfer Samuel Keller nach 1:13:11 Stunden das Ziel an achter Position. Der erst 22-jährige OL-Spezialist sprach von «einem tollen Gefühl». Dazu verhalf ihm ein Rezept von seiner Mutter, der profilierten Läuferin Jacqueline Keller. Der Sohnemann lief «sehr vorsichtig los und überholte fortan schier pausenlos». Das sorgte für zusätzliche Motivation.

Hansjörg Brücker ist 29 Jahre älter als Keller. Der Badener, im Jahr 2000 bis zum Samstag der letzte Schweizer Hallwilerseelauf-Sieger, belegte mit seinen 1:16:35 Stunden Platz 13. «Ich werde nicht mehr schneller», hielt der 51-Jährige fest. Zu einer höchst nennenswerten Leistung und zum Sieg in der Alterskategorie M50 reichte es dennoch. Sein Tipp: «Den eigenen Rhythmus durchziehen.»

In sich hineinzuhören, versuchte auch Rolf Gemperle. Doch beim 49-Jährigen aus Seengen fehlte das Strassenlauf-Körpergefühl. Seit fünf Jahren hatte sich der OL-Nationaltrainer Österreichs in dieser Sparte nicht mehr gemessen. «Ich lief anfänglich zu rasch und musste dementsprechend büssen», bilanzierte er sodann lachend.

Die Erfahrung als Pluspunkt des zunehmenden Alters betonte Meinrad Fleischmann. Der CEO des Möbelhauses Pfister freute sich nach seinem «perfekt eingeteilten Rennen» und den 1:28:36 Stunden und Platz 17 bei den M50 stärker als im vergangenen Jahrtausend bei seiner Bestzeit von 1:14 Stunden.

Mit ihrer Zeit von 1:41:52 Stunden als Siegerin feiern lassen durfte sich die Zürcherin Uschi Meyer – bei den W60. Sie, primär auch Orientierungsläuferin, freute sich über «die tolle, naturnahe Strecke mit den hübschen Single Trails». Dieses Terrain konnte sie nutzen und «schön rollen».