Ein paar zaghafte Schritte, ein kleiner Hüpfer und der Sand spritzt durch die Gegend. «Gut gemacht, Melanie», ruft ihr Vereinskollege. Und schon strahlt Melanie. Man sieht ihr die Freude nicht nur in ihrem Gesicht, sondern auch in ihren Augen an. Soeben hat sie ihren Sprung in der Disziplin Weitsprung hinter sich gebracht. Melanie ist zwar keine drei Meter weit gesprungen, doch hier wird Erfolg nicht bloss mit dem Messband vermessen.

Denn was Szenen aus einem gewöhnlichen Leichtathletikwettbewerb sein könnten, sind in Wahrheit viel mehr. Melanie ist eine von 134 Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Bereich Behindertensport. Zusammen mit ihrem Verein, dem BSG Fricktal, ist sie im Leichtathletik-Gruppenwettkampf unterwegs. Doch wer jetzt denkt, dass es hier nur ums Dabeisein geht, der irrt.

«Bei unseren Sportlern schwingt sehr viel Ehrgeiz mit, viele waren am Morgen extrem nervös vor ihren Wettkämpfen», sagt die Leiterin des BSC Wohlen-Lenzburg, Marlis Meier. Genau dieser Ehrgeiz war es auch, der die Aargauer auf den ersten Platz getragen hat. Das, obwohl viele der zwölf Teilnehmer zum ersten Mal mit dabei waren und es deswegen schwerfiel, das Niveau des Teams einzuschätzen. «Für meine Sportler ist es deswegen das absolute Highlight, hier auf dem Podest zu stehen»,sagt Meier, während die ganze Truppehinter ihr in Jubelgeschrei ausbricht.

Nebeneinanderleben funktioniert gut

Dazu kommt, dass der Weg in Richtung Podest kein leichter war. In den fünf Disziplinen 80-m-Lauf, Weit- und Hochsprung, Kugelstossen und Speerwerfen, musste die Gruppe überzeugende Resultate abliefern. Dies nicht etwa auf separaten Plätzen, sondern neben den anderen Turnfestteilnehmern. Mittendrin statt aussen vor.

Wie die Bereichsleiterin Breitensport von PluSport Behindertensport Schweiz, Susanne Dedial, verrät, ist das ganz anders als vielleicht angenommen gar keine so grosse Herausforderung: «Man denkt immer, es braucht gar viel, dabei ist das überhaupt nicht der Fall.» In der Tat funktioniert das Nebeneinanderleben am Turnfest sehr gut. Hie und da benötigt es zwar eine kleine Anpassung im Reglement, wie zum Beispiel im Weitsprung eine Vergrösserung der Absprungzone, doch mehr nicht.

Willkommen gefühlt

Denn: «Man muss Möglichkeiten haben, sich zu begegnen. Wir wollen nicht auf einem Nebenschauplatz für uns alleine sein, sondern uns zeigen können und so die Menschen sensibilisieren. Dass uns diese Möglichkeit hier geboten wird, ist mega schön», sagt Reto Planzer, Sportcoach von PluSport. Begeistert zeigten sich dann auch die Zuschauer, immer wieder blieben sie stehen, schauten zu und feuerten die Sportlerinnen und Sportler an.

Auch Marlis Meier und ihre Gruppe haben sich deswegen in Aarau sehr gut aufgehoben gefühlt – gerade eben, weil der Auftritt ihrer Sportlerinnen und Sportler nicht nur eine schnell verblassende Randnotiz war. Diese Freude bestätigt auch die technische Leiterin der BSG Fricktal, Antonia Zumsteg, deren Verein sich auf dem zweiten Platz einreihen durfte: «Wir haben uns sehr willkommen gefühlt, sind an den Wettkampfplätzen immer herzlich empfangen worden.»

Doch Friede, Freude, Eierkuchen war deshalb längst nicht immer alles. Das straffe Programm hat den Teilnehmerinnen und Teilnehmern viel abgefordert. «Es war eine Herausforderung, dass wir alles mit dem öV bestreiten mussten. Am Morgen waren wir in Aarau Rohr, am Mittag wieder im Schachen», sagt Zumsteg, deren Gruppe einmal in der Woche trainiert, über ihren durchgetakteten Tag. Bereut haben dürfte die Teilnahme trotzdem keiner, denn Sport verbinde, wie Zumsteg sagt. Die Behindertensportler, die ihre Kameradinnen und Kameraden immer lautstark anfeuerten, haben dies längst schon verinnerlicht.