Analyse
Mit Patrick Rahmen erhält der FC Aarau einen bodenständigen Trainer – nun sind tiefgreifende Veränderungen nötig

Nach der Entlassung von Marinko Jurendic steht nun sein Nachfolger als Cheftrainer fest: Patrick Rahmen übernimmt den FC Aarau in der kommenden Saison. Der Kommentar von AZ-Sportredaktor Sebastian Wendel.

Sebastian Wendel
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Patrick Rahmen

Patrick Rahmen

KEYSTONE/ENNIO LEANZA

Seit dem Rücktritt von Erfolgstrainer René Weiler vor vier Jahren sind fünf (!) Trainer beim FC Aarau gescheitert. Nun versucht mit Patrick Rahmen Nummer 6, die erfolgreichen Zeiten von damals wieder aufleben zu lassen. Womit wir gleich beim Punkt sind: Nach fünf Fehlgriffen muss sich die Wahl von Rahmen als die richtige herausstellen. Die nächste Saison wird zur wichtigsten der Klubgeschichte, in der die Aarauer zwingend eine bessere Figur abgeben müssen.

Aus zwei Gründen: Das nationale Ansehen des einst stolzen Klubs aus dem Schmuckkästchen Brügglifeld hat seit dem Abstieg vor drei Jahren brutal gelitten. Der FC Aarau ist nur noch ein belächelter Provinzklub, der in der Challenge League mit Chiasso und Wil um die Ränge 6 bis 8 kämpft. Wer das nicht wahrhaben will, verkennt die Realität. Die nächste Saison ist die letzte Chance, den Fall in die endgültige Bedeutungslosigkeit zu verhindern. Dafür müssen sportlich wieder positive Schlagzeilen geschrieben werden.

Der zweite Grund, der den FCA zum Erfolg verdammt, ist die Volksabstimmung im Frühjahr 2019: In dieser entscheidet die Aarauer Bevölkerung, ob sie auf dem Areal Torfeld Süd ein von Hochhäusern flankiertes Fussballstadion will. Um seinen Teil zum positiven Ausgang der Abstimmung beizutragen, muss der FCA mit erfolgreichem und attraktivem Fussball das neue Stadion legitimieren.

Schon vor dem offiziellen Amtsantritt im Juni 2018 ist der Druck auf Patrick Rahmen riesig. Genauso auf Sandro Burki, der Rahmen ausgewählt und seinen ersten wegweisenden Entscheid als Sportchef gefällt hat. Was spricht dafür, dass das Duo Burki/Rahmen den FC Aarau aus dem Dornröschenschlaf wachküsst? Zuerst einmal, dass mit Burki ein modern denkender Fussball-Fachmann die Trainer-Evaluation durchgeführt hat. Burki hat auf Innovation und somit auf Risiko verzichtet und die allseits erwartete Variante «Patrick Rahmen» gewählt, dies muss jedoch nichts Schlechtes heissen: Der FCA braucht an der Seitenlinie keinen Traumtänzer, keinen Diktator und auch keinen Weltverbesserer.

Der FC Aarau braucht einen bodenständigen und greifbaren Trainer, der weiss, in welch urtümlichem Kosmos er gelandet ist. Der bereit ist, sich der Trägheit und den begrenzten Möglichkeiten des Vereins anzupassen. Und nicht umgekehrt. Rahmens Vorgänger Marinko Jurendic entwarf am Reissbrett beeindruckende Verbesserungspläne, scheiterte mit diesen in der Praxis aber krachend, weil er die Realitäten im und um den FCA nicht wahrhaben wollte.

Mit der Ernennung von Patrick Rahmen zum Cheftrainer ist ein solides Fundament für die «Saison der letzten Chance» gelegt. Damit darauf ein schönes Gebilde entstehen kann, braucht es weitere, tiefgründige Veränderungen. Und zwar im Spielerkader: Durch die vielen auslaufenden Verträge bietet sich die Chance, das Team mit viel frischem Blut zu vitalisieren. Diese Gelegenheit müssen Burki und Rahmen beim Schopf packen – ohne Rücksicht auf Sentimentalitäten und persönliche Seilschaften. Denn der aktuellen Mannschaft traut man beim besten Willen nicht zu, den riesigen Erfolgsdruck in der nächsten Saison auszuhalten.

Alle FCA-Trainer seit 1981:

Patrick Rahmen: Juli 2018 - Juli 2020 Der Baselbieter führte den FC Aarau in der ersten Saison nach miserablem Start noch in die Barrage. Dort vergeigte das Team ein 4:0 nach dem Hinspiel gegen Xamax. Zwei Tage nach der 1:4-Niederlage in Kriens (am 8. Juli 2020) wurde Rahmen entlassen. Sein Nachfolger heisst Stephan Keller.
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Marinko Jurendic: Juni 2017 - März 2018 Der gebürtige Kroate Marinko Jurendic (39) gilt in der Szene als grosses Trainertalent und stand bereits bei mehreren Profiklubs auf der Liste. Mit dem FC Aarau verpasst er jedoch die angestrebten Ziele und muss den Trainerposten räumen.
Marco Schällibaum: Oktober 2015 - Juni 2017 Der 53-jährige Zürcher schafft es nicht, die Erwartungen der Klubbosse zu erfüllen. Nach 64 Spielen an der FCA-Seitenlinie erhält er am 6. Juni die Kündigung – genau zwei Monate, nachdem man seinen Vertrag nochmals verlängert hatte.
Livio Bordoli: Juni - Oktober 2015 Mit nur zwölf Punkten nach elf Spielen muss der Tessiner, der vom Super-League-Aufsteiger aus Lugano zum FCA gekommen war, wieder die Segel streichen. Bordolis Mission mit dem FC Aarau den direkten Wiederaufstieg zu realisieren ist damit gescheitert.
Raimondo Ponte: März - Juni 2015 Raimondo Ponte konnte den drohenden Abstieg aus der Super League in den letzten elf Spielen nicht mehr verhindern. Drei Siege und zwei Unentschieden waren zu wenig, um den zweiten Abstieg des FCA zu verhindern. Seit September 2015 ist Ponte Sportchef bei den Aargauern.
Sven Christ: Juli 2014 - März 2015 Nachdem er zuvor als Nachwuchskoordinator bei der U21 des FCA aktiv war, übernahm Sven Christ im Juli 2014 das Zepter beim Superleagueisten. Nach nur sechs Siegen aus 24 Spielen wurde Christ im März entlassen.
René Weiler: April 2011 - Juni 2014 René Weiler führte den FC Aarau in seiner Amtszeit aus der Challenge League zurück in die Super League. Nach dem erfolgreichen Klassenerhalt 2014 wechselte Weiler nach Deutschland zum 1. FC Nürnberg.
Thomas Binggeli: April 2011 Beim 1:1 in Locarno stand Binggeli im April 2014 für ein Spiel als Verantwortlicher an der Seitenlinie.
Ranko Jakovljevic: Juli 2010 - April 2011 Der ehemalige Interimscoach war bei seiner zweiten Amtszeit bei den Aarauern weniger erfolgreich. In 24 Spielen holte der aktuelle Trainer der Aargau U18 Mannschaft nur 24 Punkte.
Fredy Strasser: Mai 2010 Vermochte in den letzten drei Spielen der Saison 09/10 das sinkende Schiff nicht mehr retten und holte nur drei Punkte.
Ranko Jakovljevic: April 2010 - Mai 2010 Mit drei Siegen gestartet musste der Interimscoach nach dem 4:0 gegen Luzern für die letzten drei Spiele der Saison seinen Posten wieder abgeben.
Martin Andermatt: Oktober 2009 - April 2010 Martin Andermatt ist der Hauptverantwortliche für den ersten Abstieg der Vereinsgeschichte. In 18 Spielen gelang dem FC Aarau unter seiner Führung nur ein mickriger Sieg.
Jeff Saibene: Juli 2009 - Oktober 2009 Der ehemalige Co-Trainer leitete mit seinem schlechten Saisonstart den Abstieg ein. Nur acht Punkte aus zwölf Spielen waren viel zu wenig.
Ryszard Komornicki: Juli 2007 - Juni 2009 Unter dem Polen belegte der FCA zweimal Platz 5. Trotzdem wurde sein Vertrag nicht verlängert.
Gilbert Gress: Mai 2007 Gilbert Gress rettete den FC Aarau 2007 in die Relegation und schliesslich vor dem dem Abstieg. Mit zwei Siegen gegen Bellinzona schafften die Aarauer unter ihm den Klassenerhalt.
Ryszard Komornicki: Januar 2007 - Mai 2007 Mit einem Punkteschnitt von nur 0,69/Spiel musste Komornicki nach 16 Spielen schon wieder gehen.
Ruedi Zahner: November 2006 - Dezember 2006 Zahner war für sechs Spiele Interimscoach der Aarauer. Seine Bilanz mit drei Siegen und drei Niederlagen ist ausgeglichen.
Urs Schönenberger: Mai 2006 - Oktober 2006 Nur 15 Punkte aus den ersten 18 Spielen führten zur Trennung zwischen dem FC Aarau und Urs Schönenberger.
Alain Geiger: Dezember 2005 - April 2006 Auch in seiner zweiten Amtzeit beim FC Aarau holt Geiger pro Partie im Schnitt nur einen Punkt.
Andy Egli: August 2004 - Dezemeber 2005 Nach 55 Partien wird Andy Egli Ende 2005 eine Serie mit fünf Spielen ohne Sieg zum Verhängnis.
Martin Rueda: Januar 2004 - August 2004 Martin Rueda verliert mehr als die Hälfte seiner 22 Spiele mit dem FCA.
Alain Geiger: Juli 2002 - Dezember 2003 In 40 Partien unter Geigers Regie kommt der FCA nicht vom Fleck. Im Winter 2003 muss er gehen.
Rolf Fringer: Mai 2000 - Juni 2002 Der Meistertrainer kehrt für zwei Jahre zu seinem FCA zurück.
Jochen Dries: April 1999 - Mai 2000 Zur Jahrtausendwende leitete Jochen Dries die Geschicke im Brügglifeld.
Fredy Strasser: Oktober 1998 - März 1999 In seiner ersten Amtzeit ist Fredy Strasser interimistisch für vier Monate Trainer des FCA.
Martin Trümpler: Juli 1995 - September 1998 Mit 142 Partien als Cheftrainer der Aarauer schafft es Martin Trümpler in dieser Kategorie auf Rang 3.
Rolf Fringer: Juni 1992 - Juni 1995 1993 gewinnt der FCA unter Rolf Fringer die Schweizer Meisterschaft. Fringer ist mit 204 Spielen Rekordtrainer beim FC Aarau.
Roger Wehrli: Juli 1990 - Juni 1992 Zwei Saisons setzte der FCA auf Roger Wehrli, der als Spielertrainer seine aktive Karriere beim FC Aarau ausklingen liess.
Wolfgang Frank: Januar 1989 - Juni 1990 Wolfgang Frank wurde 1990 zum Sportchef der Aarauer befördert.
Werner Mogg (M.): Dezember 1988 Werner Mogg holte in zwei Spielen einen Punkt. Er ist damit der einzige Trainer ohne Sieg beim FC Aarau.
Hubert Kostka: Juli 1988 - Dezember 1988 Hubert Kostka war für 30 Spiele Cheftrainer des FCA.
Ottmar Hitzfeld: Juli 1984 - Juni 1988 Die Trainerlegende wurde im ersten Jahr beim FC Aarau Vizemeister und Pokalsieger. Nach 152 Spielen in vier Jahren wechselte der Deutsche 1988 zu GC.
Zvezdan Cebinac: Januar 1983 - Juni 1984 Nach anderthalb Jahren wurde der Vertrag des Serben nicht verlängert. Er starb 2012 im Alter von 72 Jahren.
Paul Fischli und Paul Stehrenberger Juli 1981 - Dezember 1982 Fischli und Stehrenberger (zweite Reihe aussen) hiess das Trainer-Duo in der ersten Saison in der höchsten Schweizer Spielklasse.

Patrick Rahmen: Juli 2018 - Juli 2020 Der Baselbieter führte den FC Aarau in der ersten Saison nach miserablem Start noch in die Barrage. Dort vergeigte das Team ein 4:0 nach dem Hinspiel gegen Xamax. Zwei Tage nach der 1:4-Niederlage in Kriens (am 8. Juli 2020) wurde Rahmen entlassen. Sein Nachfolger heisst Stephan Keller.

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