Challenge League

Mit österreichischen Knochen – Stefan Maierhofer schiesst den FC Aarau zum 3:0-Sieg über Rapperswil

3:0-Sieg gegen Rapperswil-Jona – mit Stefan Maierhofer in der Anführerrolle gewinnt der FC Aarau zum dritten Mal in Serie und verlässt erstmals seit August den Abstiegsplatz in der Challenge League.

In zwei Monaten vom belächelten Neuzugang zum Publikumsliebling: Als Stefan Maierhofer nach 76 Minuten vom Platz und in den Feierabend geht, erheben sich auf der Haupttribüne die Zuschauer. Standing Ovations für den Mann des Spiels. Der 11. November ist der bisherige Höhepunkt der Ära Maierhofer im Brügglifeld: Zwei Tore in der 8. und 15. Minute, die den Weg zum 3:0-Heimsieg ebnen. Als Präsent erhält Maierhofer für den Titel «Man of the match» eine rote LED-Glühbirne – wie passend zum Anlass, dass der FC Aarau erstmals seit dem 11. August den letzten Tabellenrang verlassen hat.

36 Jahre alt, seit Juni vereinslos, davor 22 Stationen in 17 Jahren – als Maierhofer am 11. September als Neuzugang präsentiert wird, stellen nicht wenige die Frage: Was will der FC Aarau mit dem? Ist dieser Transfer nicht der Verzweiflung nach dem miserablen Saisonstart geschuldet? Die Skeptiker sehen sich bestätigt, als der Österreicher bei der Startelf-Premiere in Lausanne vom Platz fliegt.

Gesicht des Aarauer Aufschwungs

Zwei Monate später gilt es zu anerkennen: Maierhofer ist das Gesicht des Aarauer Aufschwungs. Primär wegen seinen fünf Toren in den vergangenen vier Spielen. Bei den drei Siegen in Serie gegen Wil, Chiasso und Rapperswil-Jona erzielt Maierhofer jeweils das wichtige erste Tor für den FC Aarau.

Doch Maierhofer ist mehr als der zuverlässige Torschütze, den die Mannschaft gebraucht hat. Viel mehr. Trainer Patrick Rahmen sagt es so: «Stefan gibt den Mitspielern Halt. Er hat in seiner Karriere so viel erlebt, dass er auch in einer Situation wie derjenigen, in der wir stecken, die Ruhe bewahrt. Sein Selbstbewusstsein ist gross, das lebt er vor. Er ist kein Ronaldo, aber mit seiner Kämpfernatur genau der Anführer, der vorangeht und zeigt, wie man in schwierigen Zeiten spielen muss.»

Das sagten Stefan Maierhofer und Raoul Giger und mit Cheftrainer Patrick Rahmen nach dem Spiel:

Für den Vater

Mit Maierhofer hat der FC Aarau endlich wieder einen Typen. Um keinen Spruch verlegen. «Mein Vater war heute das erste Mal in Aarau», sagt er nach dem Spiel, «ich wollte ja nicht, dass er die lange Anreise aus Österreich vergebens auf sich genommen hat.» Zum Zusammenprall in der 40. Minute mit Andrea Guatelli, der für den Rapperswil-Goalie das Aus bedeutete, sagt er: «Mir hats auch wehgetan. Dank meinen österreichischen Knochen konnte ich weiterspielen.»

Frisch von der Leber weg. Auch auf dem Platz: Wie er vor dem 1:0 rotzfrech Gegenspieler Morganella tunnelt, ist allein das Eintrittsgeld wert. Dass danach Guatelli den eigentlich harmlosen Schuss passieren lässt, ist das Glück des Tüchtigen. Das hat Maierhofer auch beim 2:0, als ihm der Ball nach einem Corner auf der Torlinie vor die Füsse fällt.

«Bin 36, aber unglaublich heiss auf Fussball»

Maierhofer macht klar: Der FC Aarau ist für ihn alles andere als das Gnadenbrot, er identifiziert sich mit Arbeitgeber Nummer 23 genauso wie mit den 22 zuvor. Das beweist die Szene nach dem 1:0. Statt zu jubeln rennt er nach dem Torerfolg zur Ersatzbank und streckt das Trikot mit der Nummer 77 in die Luft. Es gehört Miguel Peralta, der sich beim Sieg in Chiasso zum fünften Mal seit 2014 schwer am Knie verletzt hat. «Die Idee kam mir unter der Woche. Ich wollte unbedingt Miguels Leibchen hochhalten, das war eine Extra-Motivation zum Toreschiessen. Schauen Sie: Ich bin zwar 36 Jahre alt, aber unglaublich heiss auf Fussball. Mir macht es grossen Spass hier und ich hoffe, dass wir die Wende geschafft haben und auch in den nächsten Wochen unser wahres Gesicht zeigen.»

Das heisst in Maierhofers Augen: Den Gegner dominieren und Punkte hamstern. Das 3:0 gegen Rapperswil-Jona ist der erste Sieg in dieser Saison, in dem der FCA weder auf Schiedsrichter-Gunst oder Wettkampfglück angewiesen ist. Die erste Halbzeit ist ein Genuss für die knapp 3000 Zuschauer im Brügglifeld: Schon nach 10 Sekunden hat Tasar das erste Tor für Aarau auf dem Fuss. Nach Maierhofers Doppelpack führt dann Tasars scharfe Hereingabe zu Morganellas Eigentor – 3:0 nach 24 Minuten. Dabei bleibts, weil sich Aarau nach dem Seitenwechsel mit der Resultatsicherung zufriedengibt.

«Momentan läuft es gut, aber wir haben noch nicht viel erreicht. In unserer Situation ist ein 3:0 besser als 5:3», begründet Rahmen die maue zweite Halbzeit. Dem Trainer ist die Erleichterung über das Abschütteln der Krise anzusehen. Und darüber, dass sich seine Anstrengungen für die Verpflichtung von Stefan Maierhofer auszahlen.

Lesen Sie hier die Partie im Liveticker nach: 

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