Es gibt Fans, die sorgen am Tiefpunkt der Klubgeschichte für einen Spielabbruch und entwürdigen die Mannschaft, indem sie diese zur Herausgabe der Trikots zwingt – so geschehen vor einigen Wochen beim Abstieg der Grasshoppers.

Und es gibt Fans, die applaudieren nach der wohl bittersten Niederlage der Klubgeschichte den Spielern und dem Trainer, obwohl sie selber am Boden zerstört sind. Die klopfen sogar den gegnerischen Anhängern auf die Schultern und danken für zwei fantastische Fussballfeste – so geschehen im Stadion Brügglifeld, wo der FC Aarau am Sonntag einen 4:0-Vorsprung aus dem Hinspiel aus der Hand gibt und im Penaltyschiessen den sicher geglaubten Super-League-Aufstieg verpasst.

Auch auf dem Platz: Fairness pur. FCA-Präsident Alfred Schmid gratuliert seinem Amtskollegen Christian Binggeli, die Xamax-Spieler trösten die Aarauer und man spürt den Neuenburgern bei ihrem Jubel an, dass ihnen gleichzeitig der Gegner leidtut.

Die Bilder zum Barrage-Rückspiel:

Die Vorwärtsstrategie

Aufstellung, Druckmanagement, zu gute Ausgangslage – man kann aus Aarauer Sicht überall Gründe suchen für die Niederlage. Doch Fussball ist manchmal auch unerklärbar, das war beim FC Aarau nicht nur im 38. und letzten Spiel der Saison so.

Fakt ist: Am 22. Juni startet der FCA in die Vorbereitung für die nächste Saison. Mit Sportchef Sandro Burki auf der Kommandobrücke, der sich am Samstag mit dem Verwaltungsrat auf einen neuen Vertrag bis 2022 einigte und gleichzeitig die Offerte der Grasshoppers ausschlug.

Ein ausschlaggebender Punkt dafür, dass Burki in Aarau bleibt, ist die vom Verwaltungsrat ausgerufene Vorwärtsstrategie. Präsident Schmid kündigte wenige Minuten nach dem verpassten Aufstieg an: «Nächste Saison greifen wir wieder vorne an. Wir erhöhen das Budget, um wieder eine kompetitive Mannschaft zusammenzustellen.»

Was das konkret bedeutet, erläutert am Tag danach Vizepräsident Roger Geissberger, im Verwaltungsrat verantwortlich für das Ressort Sport: «Das Budget für die Profimannschaft wird in der kommenden Saison rund 4,5 Millionen Franken betragen, zehn Prozent mehr als in der vergangenen Spielzeit. Darin enthalten sind Lohnkosten und der Aufwand für Reisen und Material.»

Das Gesamtbudget der FCA AG, das neben den Kosten für die Profimannschaft die Löhne für die Angestellten der Geschäftsstelle sowie die Ausgaben für die Infrastruktur und die Sicherheit beinhaltet, wird knapp 6 Millionen Franken betragen.

Wer ersetzt Varol Tasar?

Der FC Aarau wird damit in der kommenden Saison finanziell die drittstärkste Kraft sein – hinter GC und Lausanne, die mit Gesamtbudgets weit über der 10-Millionen-Marke operieren. Geissberger: «Wir waren schon in der Saison 2018/19 die Nummer 3 hinter Servette und Lausanne und haben es trotzdem in die Barrage geschafft. Der FC Aarau hat auch in der nächsten Saison die Ambition, die vermeintlich stärkeren Vereine zu ärgern und vorne mitzuspielen.»

Dafür braucht der FCA in erster Linie ein starkes Kader. Das Gerüst steht, doch einige wichtige Personalien sind noch offen: Wer steht im Tor? Wird Wunschkandidat Djordje Nikolic eine weitere Saison vom FC Basel ausgeliehen? Falls der Serbe in die Super League will – wird Steven Deana in Aarau wieder zur Nummer 1? Und wer ersetzt Topskorer Varol Tasar (13 Saisontore)? Eine weitere wichtige Personalie ist Sturm-Routinier Stefan Maierhofer (36) – bleibt der Österreicher in Aarau? Geissberger sagt: «Wir wollen Stefan halten. Ich bin guter Dinge, dass wir das hinkriegen und Maierhofer auch in der nächsten Saison Tore für den FC Aarau erzielt.»