FC Wohlen/FC Aarau

Mit klugen Köpfen gegen die Allmacht der Liga

Für den FC Aarau wird es ein harter Kampf ums Überleben im Schweizer Spitzenfussball. Foto: Archiv/AWA

Für den FC Aarau wird es ein harter Kampf ums Überleben im Schweizer Spitzenfussball. Foto: Archiv/AWA

Der Kleinklub ist drauf und dran, dem Erzrivalen aus der Kantonshauptstadt den Rang abzulaufen. Nach dem Aufstieg in die Challenge League 2002 hat sich Wohlen in der zweithöchsten Spielklasse etabliert.

Stichtag: 30.April. An diesem Samstag findet in der Niedermatten das Derby zwischen dem FC Wohlen und Aarau statt. Für die dank Tradition und Papierform leicht favorisierten Aarauer ist das prestigeträchtige Duell ein Meisterschaftsspiel wie jedes andere. Für die Freiämter geht es nach dem 0:2 im Brügglifeld in erster Linie um den Stolz, die Ehre und die Befriedigung, dem grossen Nachbarn eines auszuwischen. Schadenfreude ist schliesslich immer noch die schönste Freude.

Spielt der FC Aarau nach dem Abstieg aus der Super League aber tatsächlich noch die Rolle des Goliath? Ist Wohlen der David? Nein. Der Kleinklub ist drauf und dran, dem Erzrivalen aus der Kantonshauptstadt den Rang abzulaufen. Nach dem Aufstieg in die Challenge League 2002 hat sich Wohlen in der zweithöchsten Spielklasse etabliert. Wegen der beschränkten finanziellen Mittel mit einem Budget von nicht einmal 2 Millionen Franken für die erste Mannschaft kann das Saisonziel nur Ligaerhalt heissen. Weil dieses Geld aber zielgerichtet eingesetzt und nicht zum Fenster hinausgeworfen wird, gelingen immer wieder kleinere Transfercoups wie aktuell jene von Pascal Renfer und Giovanni Proietti.

Dank dem unantastbaren und konsequent agierenden Ehrenpräsidenten René Meier, dank dem gut vernetzten und regeltechnisch versierten Präsident Andy Wyder, dank dem arbeitsamen Finanzchef Lucien Tschachtli und vielen weiteren ehrenamtlichen Mitarbeitern gelingt es dem Aussenseiter, im Konzert der Grossen einigermassen mitzuhalten. Alleine die Leistungsausweise des Trios an der Vereinsspitze verdienen Anerkennung und Respekt.

Der FC Aarau aber steht am Scheideweg. Der Hauptgrund für die Krise: Seit den fünften Plätzen mit Erfolgstrainer Ryszard Komornicki in den Saisons 2007/08 und 08/09 hatte die Klubführung bezüglich Trainerwahl kein glückliches Händchen. Jeff Saibene, Martin Andermatt und Ranko Jakovljevic machten aus dem einst stolzen FCA eine LoserTruppe. Letzterer holte aus den vergangenen neun Spielen gerade mal zwei Punkte – und ist trotzdem noch im Amt. Weitere Nebengeräusche wie die vom Obergericht aufgebrummte Rückzahlung von Spieler-Transferrechten von 1,8 Millionen Franken fördern die momentane Verunsicherung im Umfeld des Klubs.

Als hätten Wohlen und Aarau nicht genug Sorgen, legt ihnen nun auch noch die Swiss Football League mit dem wortgewaltigen Senior Manager Edmond Isoz an der Spitze einen Knüppel in den Weg.

Nachdem die Liga jahrelang von einer Ausbildnerliga gesprochen hat, setzt sie die Kleinen nun plötzlich unter Druck und reduziert die zweithöchste Spielklasse im Hinblick auf den Frühling 2012 von 16 auf 10 Teams. Das ist Gift für die beiden Aargauer Profiklubs. Es droht die Relegation in die 1.-Liga-Promotion und der Fall in den Amateurfussball. Und es droht die Pleite. Auf und neben dem grünen Rasen.

Für den FC Wohlen wäre der Absturz in die dritthöchste Spielklasse aus sportlicher Sicht eine bittere Pille. Nicht mehr und nicht weniger. Für den FC Aarau, seines Zeichens Cupsieger 1985 und Meister 1993, wäre der Abstieg ein sportliches und wirtschaftliches Drama. Der Traum vom neuen Stadion würde zum Albtraum. Und der Aargau würde von der Landkarte des nationalen Spitzenfussballs verschwinden.

Wollen der FC Wohlen und der FC Aarau den Platz in den Top 20 verteidigen, brauchen sie in nächster Zeit Glück, viel Geld und vor allem kluge Köpfe. Ideenreichtum und klare Strategien sind gefragt. Die Weichen für ein Überleben im Haifischbecken müssen jetzt gestellt werden. Bei Wohlen liegt die Verantwortung bei Meier. Der Notar versteht es immer wieder, neue Finanzquellen zu erschliessen. Früher oder später wird der unermüdliche Kämpfer mit seinem Latein jedoch am Ende sein. Beim FC Aarau ruhen die Hoffnungen künftig vor allem auf den Sportausschuss-Mitgliedern Fredy Strasser und Roger Hegi. Von den vermeintlichen Experten und Kennern der Szene darf, ja muss man in den nächsten Monaten zwei, drei spektakuläre Transfers erwarten. Mindestens.

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