Jeden Tag in der Woche steht die 20-jährige Zoe Hartmann im Fitnesscenter Windisch auf der Matte. Zurzeit laufen die letzten Vorbereitungen für die anstehenden Junioren-Europameisterschaften in Novi Sad, Serbien. Zoe Hartmann wird dort in der Kategorie U21 für die Schweiz kämpfen. «Ich freue mich riesig auf die Europameisterschaften. Dass ich mich nun mit den Besten aus Europa messen darf, ist der Lohn für die harte Arbeit während der Saison», so die diesjährige U21-Schweizer-Meisterin. Angefangen mit dem Karate hat sie im Alter von zehn Jahren. «Ich begleitete meinen Bruder zu einem Probetraining und es gefiel mir ausserordentlich gut und seither bin ich dem Karate treu geblieben», sagt sie.

Und aus dem Hobby wurde mehr. Inzwischen ist das Karate zu einem festen Bestandteil in ihrem Leben geworden. Nach der Bezirksschule in Windisch besuchte sie zwei Jahre die Kantonsschule Wettingen – um danach ans Sportgymnasium in Aarau zu wechseln. «Ich hatte neben dem vielen Training einfach zu wenig Zeit, um genügend Aufwand für die Schule zu betreiben. Darunter litten meine Noten und so auch meine Motivation», sagt sie und führt aus: «Ich musste immer um genügende Noten kämpfen, und das brauchte sehr viele Nerven. Darum entschied ich mich für den Schritt ans Sportgymnasium. Dort habe ich optimale Bedingungen, um neben dem Karate auch noch meine Matura zu absolvieren.»

Bald schon Matura im Sack

Und schon in diesem Frühling sollte sie die Matura im Sack haben. Was danach kommt, steht noch in den Sternen. «Pharmazie oder Lebensmittelwissenschaften würde ich sehr gerne studieren. Mein Pech ist, dass beide Studiengänge sehr strenge Anwesenheitspflichten in vielen Vorlesungen haben. Aber das werde ich schon irgendwie hinkriegen.» Denn, was sie im Duell Frau gegen Frau auszeichnet – viel Kampfgeist und Durchhaltewillen –, zählt sie auch im Privatleben zu ihren Stärken. Und darum wird sie auch ein Studium nicht an einer erfolgreichen Karriere hindern können.

Denn sie hat auch noch einiges vor. Dank ihrer Zugehörigkeit zur Nationalmannschaft durfte sie schon an vielen internationalen Wettkämpfen teilnehmen. «Das ist immer sehr speziell und ich kämpfe lieber gegen Gegnerinnen, die ich überhaupt nicht kenne, als gegen Kolleginnen aus der Schweiz.» Die grössten Turniere sind die Weltmeisterschaften, doch weil pro Nation immer nur eine Vertreterin anreisen darf, hat sich die Maturandin ein anderes grosses Ziel gesteckt. Die «Karate One»-Serie ist im Karate das, was im Fussball die Champions League ist. Und an so einem Weltklasse-Turnier eine Medaille zu gewinnen, wäre für sie das grösste. Vorerst geht es aber nach Serbien an die Nachwuchs-EM. «Ich will mir nicht zu viel Druck aufbauen. Mein Ziel ist es, mein Potenzial abzurufen und einfach alles zu geben. Dann kann ich auch weit kommen.»