Automobil
Mit dröhnendem Motor in acht Sekunden auf 300 Stundenkilometer

Ausverkaufte Tribünen, quietschende Reifen und dröhnende Boliden, die in weniger als einer Sekunde auf über 100 Kilometer pro Stunde beschleunigen: Das ist die Welt von Mike Bruckmüller aus Lengnau, der in seine sechste Dragster-Saison startet.

Fabio Baranzini
Merken
Drucken
Teilen
Dragster-Fahrer Mike Bruckmüller
5 Bilder
Mike Bruckmüller und sein 1967er Camaro in der Werkstatt seines Vaters Dietmar (rechts).
Der Camaro von Mike Bruckmüller.
Innenansicht: Der Camaro von Mike Bruckmüller.
Mike Bruckmüller und sein 1967er Camaro in der Werkstatt seines Vaters Dietmar (links).

Dragster-Fahrer Mike Bruckmüller

fba

Ausverkaufte Tribünen, quietschende Reifen, dröhnende Motoren und Boliden, die in weniger als einer Sekunde auf über 100 Kilometer pro Stunde beschleunigen können und atemberaubende Höchstgeschwindigkeiten von gegen 300 Stundenkilometer erreichen – Dragster-Racing bietet alles, was das Herz eines Motorsportliebhabers höherschlagen lässt. Nach vier Qualifikationsläufen messen sich die besten Dragster-Piloten jeweils im Direktduell auf einer geraden, 402 Meter langen Strecke. Das Spektakel dauert rund acht Sekunden, wobei der Sieger in die nächste Runde einzieht.

Sieg in Hockenheim

Mittendrin in diesem für Aussenstehende verrückten und bunten Zirkus ist mit Mike Bruckmüller auch ein Aargauer. Der 40-Jährige aus dem beschaulichen Lengnau, der nach seiner Lehre als Carrosseriespengler ein BWL-Studium abgeschlossen hat und heute in der Qualitätssicherung eines grossen Automobilhändlers arbeitet, ist nicht nur mittendrin, sondern er fährt in der Kategorie Super Pro E.T. an der Spitze mit. Letzte Saison belegte er bei der Super Pro E.T. Challenge – einer deutschen Rennserie, deren Gesamtwertung sich aus den Ergebnissen von fünf Rennen zusammensetzt – den dritten Rang. Ein Jahr zuvor feierte er mit dem Sieg beim legendären Rennen am Hockenheimring den grössten Erfolg seiner Karriere. «Es war unglaublich in Hockenheim vor 60 000 Zuschauern zu gewinnen. Ein absolutes Highlight, zumal die besten Fahrer am Start waren», blickt Bruckmüller zurück.

Harziger Start

Doch an Hockenheim hat der Lengnauer nicht nur gute Erinnerungen. Seinen allerersten Renneinsatz bestritt er ebenfalls bei jenem prestigeträchtigen Rennen – und vermasselte ihn total. «Ich habe keinen sauberen Lauf hingekriegt und dann ging erst noch der Motor kaputt. Da haben wir mächtig Lehrgeld bezahlt», so Bruckmüller. Dass der erste Einsatz kein Erfolg werden konnte, war eigentlich abzusehen. Mike Bruckmüller hatte sich lediglich mit Trockenübungen vorbereiten können (in der Schweiz gibt es keine Trainingsgelegenheit) und sein Vater Dietmar, dem er seine Leidenschaft für den Motorsport zu verdanken hat, war als einziger Betreuer dabei.

Was damals amateurhaft begonnen hatte, ist heute zu einem richtigen Rennteam geworden. Insgesamt neun Personen zählen zur Entourage von Mike Bruckmüller. Sie begleiten ihn an die Rennen und helfen ihm, die perfekten Einstellungen für seine Rennmaschine – einen Camaro 1967 – zu finden. Das ist eine wahre Wissenschaft, denn je nach Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck und Bodenbelag muss das Setup angepasst werden. Das ist entscheidend, denn in der Dragster-Kategorie, in der Mike Bruckmüller fährt, zählt nicht nur die Geschwindigkeit, sondern vor allem die Präzision. «Bei uns wird die Reaktionszeit am Start mit unserer Gesamtzeit verrechnet. Dabei müssen wir jeweils vor dem Start angeben, welche Gesamtzeit wir erreichen wollen und müssen diese dann möglichst genau treffen. Aber auf keinen Fall unterbieten, sonst scheiden wir aus», erklärt Bruckmüller.

Hohe Ziele

Es ist also ein Kampf um Sekundenbruchteile, den die kleinsten Details entscheiden können. Genau das ist es, was den Perfektionisten Mike Bruckmüller an seinem Sport, für den er jede Woche rund 25 Stunden in der Werkstatt seines Vaters verbringt, fasziniert. «Man muss die Technik verstehen und ein unglaublich gutes Gespür für das Auto haben. Zudem braucht es sehr viel Erfahrung.»

Diese hat der Aargauer mittlerweile, denn heute startet er in Bechyne (Cze) bereits in seine sechste Saison. Und in diesem Jahr hat er Grosses vor: Er möchte erstmals die Super Pro E.T. Challenge gewinnen.