«Sobald es genügend Schnee und ein wenig Wind hat, kannst du loslegen», sagt Dominik Baumann. Der 31-jährige Rothrister liebt es, beim Snowkiten mit seiner Umgebung zu spielen. «Du findest fast überall natürliche Kicker, Cliffs und Hänge.» Wichtig dabei sei: «Du musst die Kräfte der Natur respektieren.»

Der Ingenieur begann vor 15 Jahren mit Snowkiting. Angefangen hatte allerdings alles noch früher in den Ferien in Spanien. «Am Strand kaufte ich mir einen Spielzeugdrachen. Das Lenkdrachenfliegen faszinierte mich sofort.» Später begleitete Baumanns Werklehrer, ein Bekannter der Eltern, die Familie in die Ferien. Dieser hatte eine kleine Matte dabei, einen Kite, welcher auf Zugkraft ausgelegt war. «Da spürte ich so richtig die Kraft des Windes. Ich wusste sofort, dass ich mir zuhause auch einen solchen kaufe», erinnert sich Baumann, der schon seit klein auf Ski fährt.

Eines Tages beschloss er, mit seinem Drachen und den Skiern nach Silvaplana zu fahren. «Ich habe beides zusammen kombiniert, und es hat auf Anhieb ganz gut geklappt», sagt er.

Ein spontaner Sport

Curling, Skicross oder Skeleton sind Randsportarten, jedoch vielen inzwischen ein Begriff. Auch deswegen, weil sie seit einigen Jahren olympisch sind. Ganz anders sieht es beim Snowkiting aus. Ein Sport, den man bei genügend Schnee auf offenen Flächen, aber auch im Gelände betreiben kann. Alles was man dazu benötigt, ist ein Drache, genannt Kite, und ein Paar Ski oder ein Snowboard. Bei genügend Wind lässt man den Drachen steigen und sich über den Schnee ziehen.

Von entspanntem Fahren bis hin zu ordentlicher Action sei alles möglich. Manchmal will man sich richtig auspowern. «Dann sucht man sich einen offenen Platz, gibt Gas und übt an neuen Sprüngen», erklärt Baumann. Er selber geniesst lieber das Freeriden im Pulverschnee.

Fürs Snowkiten eignen sich die Alpen und Pässe super. «Da herrscht oft Nord- oder Südföhn», sagt Baumann. Will man diese Sportart betreiben, müsse man aber spontan sein. Heisst: Kurzfristig Wetterberichte, Wind- und Schneeverhältnisse berücksichtigen. Ein grosser Pluspunkt der Sportart: «Man trifft oft auf Gleichgesinnte. Snowkiten ist ein Einzelsport und doch sehr gesellig.»

Maser- und Sportklasse

Grundsätzlich funktioniert Snowkiten wie Segeln. «Du kannst nur gewisse Kurse fahren. Vorgegeben werden diese von deinem Kite. Dieser fungiert als dynamisches Segel», erklärt Baumann. Zur Standardausrüstung gehören ein Schirm mit Leinen und Lenker, genannt Kitebar, sowie ein Trapez. Dazu die normale Ski- oder Snowboard-Ausrüstung.

Dominik Baumann fährt auch Rennen – klassische Kursrennen. Nach dem Massenstart fährt man auf einem Rundkurs mit definierten Wendepunkten. Möglichst viele Runden in einer vorgegebenen Zeit sowie eine Positionierung weit vorne sind das Ziel. «In den Anfängen fuhren Krethi und Plethi mit.» Mit dem späteren Aufkommen von speziellen Rennschirmen hätte dann jedoch nur noch das Material über die Platzierung im Feld entschieden.

Inzwischen gibt es daher zwei Kategorien: Eine Master- und eine Sportklasse. Bei Letzterer können alle mitfahren, die keinen Rennschirm haben. «Dank dieser Unterscheidung kann ich mit meinen Freeridekites spannende Wettkämpfe erleben, ohne extra Rennschirme kaufen zu müssen», so Baumann.

Der Traum vom Red Bull Ragnarok

Die Swiss Snowkite Tour umfasst fünf Stopps pro Winter. Gegen 25 Personen sind es, die bei der Tour mitfahren. «Mich fasziniert, dass durch das breite Teilnehmerfeld strategisch viel möglich wird», sagt Baumann. Welcher Kurs wird wann eingeschlagen? Wie steuert man den nächsten Wendepunkt an? «Du kannst Vorfahrtsregeln ausnützen, um jemanden auszubremsen oder ihm den Wind nehmen.» Ganz vorne starten sei nicht immer von Vorteil.

Am Anfang war es nur ein Mitfahren, inzwischen hegt Dominik Baumann durchaus Ambitionen. Diese Saison stand er schon zwei Mal auf dem Podest. Der Schweizer-Meister-Titel in der Sportklasse sei sicherlich ein Ziel. Sein Traum jedoch: Am Red Bull Ragnarok in Norwegen über die Ziellinie fahren. Ein Rennen, welches fünf Stunden andauern kann.