Gigathlon
Mit dieser App kann man sich mit den Profis messen

Hatten sie früher auch einen Riesen-Tacho am Fahrradlenker, der Kilometerzahl und Geschwindigkeit gemessen hat? Heute erledigt das eine Applikation auf dem Smartphone. Das und noch viel mehr.

Patrick Pensa
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Durch die Wälder fahren ist einiges attraktiver als der Schwimmbassinboden
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Motivationsspritze: Den Titel will man sich sofort wieder zurück holen.
Die 4. Etappe auf dem Profil von Laurens ten Dam. Durchschnittsgeschwindigkeit: 40km/h.
Eine App auf dem Smartphone hilft beim Training für den Gigathlon
Auf Lanzarote in Richtung Dorf Soo, der Wind kommt frontal.

Durch die Wälder fahren ist einiges attraktiver als der Schwimmbassinboden

Patrick Pensa

Im Team of Five des Regionalsports sind wir zwei ehemalige Schwimmer. Da ich in zwanzig Jahren Schwimmen das geheizte Chlorwasser und die klaren Dimensionen eines Bassins schätzen gelernt habe, war ich schnell bereit, Aare und Sempachersee Michael Schenk zu überlassen und selbst aufs Rennrad umzusatteln. Erst viel später wurde mir bewusst, dass ich zwei Stunden Schwimmen gegen wohl mindestens sieben Stunden Rennrad getauscht hatte.

Ende April habe ich mich erstmals an den neuen Sport herangewagt. Schnell wurden kurze Ausfahrten am Abend durch längere Belastungen am Wochenende ersetzt. War mein Horizont als Schwimmer meistens auf eine 50m-Bahn begrenzt, so eroberte ich nun von Basel aus das Oberbaselbiet und seine Hügel, fuhr im aargauischen Wittnau vorbei oder machte Pause in Delsberg. Wunderschöne Aussichten und einsame Strassen, die sich durch Wälder einen Berg hoch schlängeln, wechselten sich ab. Schnell hatte mich das Radfieber gepackt.

Sturz des King of the Mountain

Von Beginn weg dabei und immer ein grosser Ansporn war eine App auf meinem Smartphone, die meine Trainingswerte peinlich genau speichert. Noch besser: Die App hat fix abgespeicherte Segmente, wie zum Beispiel die Strecke des Gempen-Bergzeitfahrens.

Wenn ich nun auf einer Trainingsrunde den Abschnitt passiere, wird automatisch meine Zwischenzeit gestoppt und ich erscheine in einer Gesamtrangliste. Natürlich ist die App noch nicht sehr verbreitet, trotzdem schmeichelt einem das Mail, das einen zum KOM (King of the Mountain) des Olsbergs kürt. Die Mitteilung, dass ein anderer die Thronfolge angetreten hat, motiviert einen, die Radschuhe sogleich wieder zu schnüren.

Motivationsspritze: Den Titel will man sich sofort wieder zurück holen.

Motivationsspritze: Den Titel will man sich sofort wieder zurück holen.

Patrick Pensa

Bei aller Euphorie: Ein Seitenblick auf die Profile derjenigen Profifahrer, die ebenfalls auf der Plattform sind und ihre TdS-Etappen erfassen, führt einem die wahre Hierarchie wieder vor Augen (siehe zum Beispiel den Holländer Laurens ten Dam, der nach der vorletzten Etappe der Tour an 27. Stelle steht. Lustig auch, wenn die Fahrer spät abends ihre Leistungen gegenseitig kommentieren und Trashtalk machen).

Die 4. Etappe auf dem Profil von Laurens ten Dam. Durchschnittsgeschwindigkeit: 40km/h.

Die 4. Etappe auf dem Profil von Laurens ten Dam. Durchschnittsgeschwindigkeit: 40km/h.

Patrick Pensa

Der Inselwind wird nicht berücksichtigt

Toll an der App: Sie funktioniert praktisch überall auf der Welt. Letzte Woche war ich auf Lanzarote in den Ferien. iPhone an und losgefahren: Zurück im Hotel konnte ich online meine genaue Route nachverfolgen. Höchstgeschwindigkeit, Höhenmeter, Gesamtzeit: alles vorhanden.

Zudem werden einem in der Rubrik «Explore» Routen vorgeschlagen und man sieht, wer sonst noch aktiv ist. Fünf Tage nach meiner ersten Ausfahrt nahm ich eine Runde mit einem englischen Hobbyfahrer vom Redhill Cycling Club unter die Räder, der ebenfalls auf der Plattform ist.

Einziges Manko: Wird das grösste Hindernis in der Schweiz, die Berge, erfasst, fehlt eine entscheidende Komponente auf Lanzarote: der Inselwind. Er hat uns fast zur Verzweiflung gebracht. Anfangs packte er uns von der Seite und hat uns fast von der Strasse gefegt, gegen Ende kam er frontal. Beinahe-Stillstand und Sandpeeling inklusive.

Auch beim Gigathlon

Natürlich werde ich mein iPhone auch während des Gigathlons eingeschaltet haben. Wer also sehen will, wie ich die Pässe meistere, wo ich am meisten Zeit verliere oder ob ich an einem Verpflegungsposten ganz anhalte, kann mich gerne anfreunden.

Unschön an der Gigathlonstrecke ist, dass sie sich teilweise mit der TdS-Route überschneidet. Damit habe ich nicht nur die guten Fahrer des Gigathlon vor mir, sondern sehe am Abend auch noch den Rückstand auf die Profis. Aufmunternde Kommentare nach der ersten Etappe sind also durchaus willkommen.