Er ist immer noch da. Florian Vogel kam im Verlauf der vergangenen Saison nicht auf die ursprüngliche Absicht zurück, seine Karriere mit der Heim-WM in Lenzerheide zu beenden. Wieso sollte er auch?

Schliesslich erlebt der 37-Jährige mit Wurzeln in Kölliken gerade so etwas wie den zweiten Frühling. Mit fünf Top-8-Resultaten war er 2018 im Weltcup so konstant wie kaum je. An der WM fuhr Vogel gar als Fünfter und damit zweitbester Schweizer hinter Weltmeister Nino Schurter über die Ziellinie.

«Die Resultate stimmen und die Motivation ist noch immer top – wieso soll ich aufhören?», sagt der zweifache Familienvater, der seit Jahren in Jona wohnt. Nicht über das Alter jammern, sondern liefern will er. Und überhaupt: «Ich fühle mich nicht alt, ich fühle mich als Sportler genauso gut wie vor zehn Jahren.» Sein Geheimrezept? Er denkt nicht über das Alter nach.

Die neue Rennstrategie

Und Florian Vogel profitiert von seiner Routine. Er wisse inzwischen, was es braucht, um im Ziel ganz vorne anzukommen. «Von Nebensächlichkeiten lasse ich mich nicht mehr aus der Ruhe bringen.»

Der gebürtige Aargauer hat auch seine Rennstrategie im Verlauf der letzten Jahre angepasst. Galt Vogel früher als extremer Schnellstarter, der viel Risiko nahm und sein Glück oft in der Flucht nach vorne suchte, ab und zu aber mit einem veritablen Einbruch dafür büsste, so setzt er nun nicht mehr auf die Karte alles oder nichts. «Ich möchte auch in der letzten Runde noch zusetzen können», sagt Vogel.

Überhaupt hat die Weisheit, die mit den Jahren kommt, zu Veränderungen in der Saisonplanung und im Wettkampfverhalten geführt. Seiner zwei Kinder wegen, die inzwischen acht und fünf Jahre alt sind, bereitet sich Vogel zu einem grossen Teil vor der eigenen Haustür auf die Rennen vor.

Trainingslager lässt er wenn möglich aus. «Ich bin mit diesem Vorgehen an den Rennen mental viel frischer», hat der 37-Jährige erkannt. «Und meine Leidensfähigkeit nimmt ab, wenn ich zu viele Wettkämpfe bestreite.» Vogel sagt, wenn er diese Weisheit bereits zu Beginn der Karriere gehabt hätte, er wäre schon früher diesem Rezept gefolgt.

Neu bei den Franzosen

Ab dieser Saison fährt Vogel für das französische Team «KMC Ekoi Orbea». Er hat in der stark besetzten Equipe einen Vertrag bis Ende 2020 unterschrieben. Selbstredend gilt sein Fokus den Olympischen Spielen in Tokio.

Dafür gibt der Heimweh-Aargauer alles. «Ich trainiere mehr und härter als früher, ich lebe gesünder als vor zehn Jahren.» Nur eines hat sich nicht verändert: «Ich habe noch immer gleich viel Spass und Motivation am Biken wie damals.»

Nur die Umstellung auf ein neues Velo hätte nicht unbedingt sein müssen. Aber auch das hat Vogel geschafft. «Am Anfang war das Gefühl nicht besonders gut. Mittlerweile passt die Abstimmung aber.» Der Weltcup kann kommen – zum insgesamt 14. Mal.