Trotz einiger Möglichkeiten, seine Karriere im Mutterland des Fussballs fortzusetzen, entschied sich das einst hochgelobte Goalie-Talent des FC Aarau zur Beendigung seiner Karriere. Auch gut drei Wochen später und nach Ferien im Kreise der Familie und von Kollegen beschäftigt dieser Entschluss den Gunzger noch immer stark. Noch ist es für ihn zu früh, um die Beerdigung seines einstigen Traumberufes einfach so ad acta zu legen.

Rückblende: Vor gut einem Jahr unterzeichnete Goalie Studer einen Profivertrag bei Mansfield Town, einem englischen Viertligisten in den East Midlands. Das Abenteuer liess sich gut an: Sogleich erhielt er die Nummer eins aufs Trikot gedruckt, stand in der Gunst der Fans weit oben und machte mit einigen starken Partien auf sich aufmerksam.

Sascha Studer bei Mansfield Town: Die Highlights 2014/2015.

Sascha Studer bei Mansfield Town: Die Highlights 2014/2015.

Jüngster Debütant in der Super League

Doch wie so oft in der Karriere des Goalie-Talentes ist dieser Zustand nicht von Dauer. Als Mitte Saison der Trainer ausgewechselt wurde, wollte der neue Coach fortan auf einen erfahrenen Akteur im Tor zählen. Trotz zahlreichen guten Partien bedeutete das für Studer, auf der Bank Platz nehmen zu müssen.

Das Los der Degradierung kennt der Hüne von 1,90 Metern nur zu gut. Bereits beim FC Aarau, wo er die Junioren durchlaufen hatte und später mit 15 Jahren zum jüngsten Debütanten in der Super League avancierte, bei Winterthur in der Challenge League und beim Abstecher zu Babelsberg in die dritte Bundesliga war ihm dasselbe Schicksal beschieden.

Ehrgeiz lässt Nummer-2-Status nicht zu

Mit der scheinbaren Geringschätzung seiner Fähigkeiten in Mansfield habe die Motivation zunehmend gelitten. Im Training sei er nicht mehr mit voller Intensität ans Werk gegangen. «Mir ist es sehr wichtig, dass ich das Vertrauen meines Trainers spüre. Daran kann ich wachsen», legt er eine gewisse Sensibilität offen. Wenn dieses aber fehle, beginne er an sich selbst zu zweifeln, was ihm die Freude am Spiel vertreibe.

Bedingungslose Unterstützung habe er in seiner Laufbahn nur selten geniessen dürfen, äussert sich Studer und schwelgt in Erinnerungen an seine Zeit mit den Aarauer U16-Junioren, wo er genau diese so wichtige Unterstützung gespürt habe und entsprechend aufgeblüht sei.

Diese ständige Unsicherheit, der Stress, den Ansprüchen zu genügen, hätten ihm immer wieder zugesetzt. Die vielen Opfer, welche er während den Juniorenzeit und als Profi erbracht hatte, schienen sich für Studer nicht mehr länger zu lohnen. «Wenn ich unter der Woche hart trainiere, stets auf meinen Lebenswandel achte und dies alles fernab von der Heimat, will ich am Wochenende mit dem Einsatz für meine Mannschaft die Ernte einfahren», lautet Studers Erklärung für die sinkenden Motivation.

Auf der Bank könne er seinen Kindheitstraum, den er sich als Profi-Fussballer erfüllt hatte, nicht geniessen. Als gescheitert betrachtet sich Studer aber keinesfalls. «Ich habe in England einen Vertrag erhalten und konnte nach den Erfahrungen in der Schweiz nochmals schöne Zeiten erleben», will der Gunzger seine Zeit auf der Insel nicht missen.

Mit Fussball nicht ganz abgeschlossen

Nun will sich der gelernte Kaufmann mit der Ausbildung zum eidgenössischen Finanzberater bei der Swiss Life verwirklichen. Er freue sich besonders auf den Kundenkontakt. Besonders am Herzen liege ihm dabei – aufgrund seiner eigenen Erfahrungen - seinen Klienten Sicherheit zu vermitteln. Ganz aus den Augen verliert Studer das Fussball-Business aber nicht. In seinem Kopf existieren Pläne dereinst selber eine Schule für hoffnungsvolle Torhütertalente zu eröffnen.

«Meine Erfahrungen möchte ich so weitergeben», legt der ausgesprochene Familienmensch, der sich glücklich schätzt, nun wieder in der Nähe seiner Liebsten zu wohnen, Zukunftspläne offen.