Fussball
Miserabler Punkteschnitt: David Sesa ist der Erfolglose im Teufelskreis

David Sesa hat beim FC Wohlen mit 0,92 Zählern im Vergleich zu seinen Vorgängern den schlechtesten Punktedurchschnitt pro Spiel. Der FCW hält bisher trotzdem an Sesa fest. Könnte Martin Rueda jetzt zu Wohlens Retter werden?

Ruedi Kuhn
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David Sesa muss damit rechnen, seinen Trainerposten bei Wohlen zu verlieren.

David Sesa muss damit rechnen, seinen Trainerposten bei Wohlen zu verlieren.

Ruedi Burkart

So provokativ die Frage auf den ersten Blick scheint, so berechtigt ist sie: Warum ist David Sesa weiterhin Trainer des FC Wohlen?

Ein Blick in die Statistik zeigt – Sesas Bilanz mit dem Freiämter Challenge-League-Klub ist miserabel: Der 40-Jährige hat im Vergleich zu seinen Vorgängern Ryszard Komornicki, Adrian Kunz, Urs Schönenberger, Livio Bordoli und Martin Rueda den schlechtesten Punktedurchschnitt pro Spiel.

Von Juli 2012 bis zum heutigen Tag holte Sesa in 51 Partien 47 Punkte. Das sind 0,92 Zähler pro Partie.

Gegen Sesa sprechen in erster Linie die Resultate. In dieser Saison gab es in 15 Spielen gerade mal einen Sieg, fünf Unentschieden und neun Niederlagen.

Mal schauen, ob Sesa in den restlichen Partien der Vorrunde gegen Locarno, Servette und Vaduz wenigstens ein kleiner Befreiungsschlag gelingt.

Zum jetzigen Zeitpunkt wird man das Gefühl nicht los, dass für die Führungscrew des FC Wohlen die Lösung der sportlichen Probleme wegen des Falls mit dem Doppelvertrag für den Spieler Wellington in den Hintergrund gerückt ist.

Charakteristische Eigenschaften fehlen

Hätten der Verwaltungsratspräsident René Meier und der Vereinsverantwortliche Andy Wyder Sesa also längst entlassen müssen? Was hat der Trainer falsch gemacht? Blicken wir zurück: Nach einer ansprechenden Saison 2012/13 mit dem frühzeitigen Erreichen des Ligaerhalts konnte Sesa die Mannschaft neu zusammenstellen.

Der Umbruch im Kader sollte dem Team neuen Schwung verleihen. Weil das Budget im Vergleich zum Vorjahr um 300 000 Franken gekürzt wurde und unter der 2-Millionen-Franken-Grenze liegt, waren spektakuläre Zuzüge aber kaum möglich. So waren Sesa weitgehend die Hände gebunden.

Zwei Vorwürfe muss sich der Trainer aber gefallen lassen: Die Spieler, die Sesa geholt hat, sind keine Verstärkungen. Sie sind bestenfalls Mitläufer. Die fehlende Qualität innerhalb des Kaders führt dazu, dass der FC Wohlen in den Niederungen der Tabelle dümpelt und dort wohl auch bleiben wird.

Und der zweite Vorwurf: Sesa fehlt es an Ausstrahlung, Durchsetzungsvermögen, Schlitzohrigkeit und Frechheit. Sesa fehlt es an Gift und Galle. Man hatte in der Vorrunde nie das Gefühl, dass die Spieler für ihren Chef durchs Feuer gehen.

Kommt hinzu, dass es den meisten Akteuren an Charakterstärke, Herzblut und Leidenschaft mangelt. Tugenden, die Sesa den Spielern hätte implantieren müssen. Das hat er nicht geschafft.

Davis Sesa ist pflegeleicht

Als mildernder Umstand für den Absturz ans Tabellenende der Challenge League kann Sesa das schon fast unglaubliche Verletzungspech geltend machen. Mit Stefano Milani, Flamur Tahiraj, Michael Winsauer, Yannick Agro, Guto Cappelini, Raffaele Cardiello, Sergio Bastida, Davide Giampà, Simone Rapp und Nenad Bijelic sind oder waren Teamstützen lange Zeit ausser Gefecht.

Sesa war gezwungen, auf junge, unerfahrene Spieler zu setzen. Erschwerend kamen der Abgang von Linksverteidiger Wellington und das Theater um dessen Doppelvertrag hinzu.

Für Sesa spricht, dass er ein sympathischer, umgänglicher und kommunikativer Typ ist. Und im Gegensatz zu Komornicki und Schönenberger ist Sesa pflegeleicht. Er mischt sich nicht in die Vereinspolitik ein und konzentriert sich einzig und allein auf den sportlichen Bereich.

Der FC Wohlen wird die sportliche Situation während der Winterpause analysieren und über einen Kurswechsel diskutieren müssen.

Ein Mann könnte dabei in den Blickpunkt des Geschehens rücken: Martin Rueda, der nach sechs Spielen beim Dubai Cultural Sports Club entlassen wurde. Rueda trainierte den FC Wohlen schon dreimal, ist also so etwas wie ein Dauerbrenner.

Er weist zudem von den sechs letzten FCW-Trainern die beste Erfolgsbilanz auf. Kommt hinzu, dass er sich mit René Meier und Andy Wyder glänzend versteht. Wyder und Rueda sind sogar Freunde. Und Freunde halten in schwierigen Zeiten zusammen. Warum also nicht Rueda zum Vierten?