Challenge League

Miraculix, übernehmen Sie! Beim 2:2 gegen Vaduz bricht beim FC Aarau die Standard-Seuche wieder aus

Der FC Aarau verabschiedet sich mit einem 2:2-Unentschieden gegen den FC Vaduz vor heimischer Kulisse in die Länderspielpause. Positiv: Das Rahmen-Team macht zwei Mal einen Rückstand wett. Negativ: Die Gegentore fielen nach dem erwartbaren Muster. Gegen die Standard-Schwäche hilft wohl nur noch ein Zaubertrank.

Zuletzt zwei Spiele ohne Gegentor nach einer Standardsituation – vor dem Heimspiel gegen Vaduz schien es, als sei der Patient FC Aarau zumindest die schlimmsten Symptome seiner Abwehrschwäche los. Bis die Liechtensteiner in der vierten Minute zu ihrem ersten Eckball kommen: Milan Gajics Flanke auf den hinteren Pfosten ist weder scharf noch besonders präzis getreten, doch Teamkollege Yannick Schmid geniesst dort mehr Freiheiten Donald Trump im Weissen Haus und köpfelt den Ball aufs Tor, der dann wie im Flipperkasten durch den Aarauer Strafraum springt und schliesslich von Manuel Sutters Bein über die Linie.

Die Aarauer in dieser Situation? Im kollektiven Tiefschlaf. Und dann nistet sie sich ein in die Köpfe, die Verunsicherung, wenn die andere Mannschaft zu einem ruhenden Ball kommt: Man will das Gegentor unbedingt vermeiden, noch mehr als sonst, doch die Stimme im Unterbewusstsein sagt, dass es gleich wieder passieren wird.

27. Minute: Nach einem Foul der Kategorie «dämlich» von Damir Mehidic ist es wieder Gajic, der von der Seitenlinie einen Freistoss in den Aarauer Strafraum schlägt, wo sich Berkay Sülüngöz ohne Gegenwehr auf den Elfmeterpunkt schleicht und im Fallen einnetzt. Das 2:1 für Vaduz hätte nicht zählen dürfen, weil Sülüngöz den Ball mit dem Ellbogen ins Tor lenkt. Aber zu denken geben sollte den Aarauern primär nicht dies, sondern die Freiheit, die der Vaduzer einmal mehr geniesst.

Trainer Rahmen: "Gegen starken Gegner Moral bewiesen"

Als wäre der Wiederausbruch der Standard-Seuche nicht schon schlimm genug, lassen die Worte von FCA-Trainer Patrick Rahmen tief blicken, mehr noch, sie sind eine Bankrotterklärung: «Der Gegner hat die Standards genau so ausgeführt, wie ich es den Spielern mit auf den Weg gegeben habe, trotzdem lassen wir uns zwei Mal erwischen. Das Positive ist: Die Mannschaft hat gegen einen starken Gegner, der momentan auf Augenhöhe mit den Spitzenteams ist, Moral bewiesen und zwei Mal in Kürze den Rückstand ausgeglichen.»

Namentlich zu verdanken ist dies Markus Neumayr: Erst verwertet er einen Penalty zum 1:1 (17.; Foul an Donat Rrudhani), dann schlägt er einen Corner präzis auf den Kopf von Patrick Rossini, der zum 2:2 (33.) einnickt.

Freuen kann sich Neumayr über seine Skorerpunkte nicht, es überwiegt der Ärger, die Steilpässe der Konkurrenz nicht angenommen zu haben: «Winterthur und GC haben sich Punkte abgenommen, Wil hat verloren – mit einem Sieg wären wir wieder oben dran. Und das ist mein Anspruch. Ganz ehrlich: Was bringt es, im Challenge-League-Mittelfeld um die goldene Ananas zu spielen?»

Neumayrs klare Worte: "Das ist nicht realistisch"

Warum der FCA den Erwartungen hinterherhinkt, ist für Neumayr klar: «Im Frühling haben wir dank unserer Abwehrstärke viele Spiele knapp gewonnen. In dieser Saison kassieren wir im Schnitt mehr als zwei Tore pro Partie. Wir müssten jede Woche mindestens drei Mal treffen, um zu gewinnen. Das ist nicht realistisch.» Ist die Gegentor-Flut, insgesamt 30 in 14 Spielen, 11 nach ruhenden Bällen, eine Frage der Qualität? Neumayr: «Das müssen andere beurteilen...»

Nach der Länderspielpause tritt Aarau nacheinander gegen GC (Rang 2) und Winterthur (Rang 4) an. Eine weitere Chance, mit Siegen gegen die Direktkonkurrenten den Anschluss an die oberste Tabellenregion noch vor der Winterpause zu schaffen. Voraussetzung dafür ist ein wirksames Mittel gegen die Standard-Seuche. Wobei: Angesichts des bisherigen Saisonverlaufs braucht es dafür wohl einen Zaubertrank. Miraculix, übernehmen Sie!

Sie haben die Partie verpasst? Lesen Sie hier im Liveticker alles über das 2:2-Unentschieden des FCA nach.

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