NLA-Handball

Schlüsselspieler Skvaril verlässt den HSC Suhr Aarau – nach Anzeige von Wacker-Thun-Spieler

Nach Anzeige von Nicolas Raemy: Milan Skvaril verlässt den HSC Suhr Aarau per Mitte Oktober.

Milan Skvaril verlässt den HSC Suhr Aarau. Hauptgrund für den Entscheid des 27-jährigen Tschechen dürfte trotz anderslautender offizieller Formulierung eine Anzeige von Wacker-Thun-Spieler Nicolas Raemy nach einem Rencontre in den Playoff-Viertelfinals der vergangenen Saison 2018/19 sein.

Milan Skvaril ist nicht wiederzuerkennen. Anstelle des stolzen Dauerträgers des Topskorer-Trikots stand in den vergangenen Wochen ein eingeschüchterter junger Mann auf der Platte.

Diese Entwicklung lässt sich auch statistisch untermauern: In den ersten fünf Spielen der neuen Saison erzielte der 27-jährige Tscheche in Diensten des HSC Suhr Aarau im Schnitt 2 Treffer.

In den beiden bisherigen Saisons beim HSC waren es noch 4,7 (2018/19) beziehungsweise 5,7 Treffer (2017/18) pro Partie gewesen. Skvaril war im bisherigen Saisonverlauf nur noch ein Schatten seiner selbst.

Vertrag auf eigenen Wunsch per Mitte Oktober aufgelöst

Damit ist jetzt Schluss: Wie die Aargauer Zeitung erfahren hat, verlässt Skvaril den HSC Suhr Aarau. Er hat seinen Vertrag auf eigenen Wunsch per Mitte Oktober aufgelöst. Skvaril wird am Aargauer Derby vom kommenden Mittwoch in der Schachenhalle offiziell verabschiedet.

Weil Skvaril am vergangenen Samstag bei der 23:26-Niederlage gegen Wacker Thun eine Verletzung am Ringfinger erlitten hat, kann er gegen den TV Endingen nicht antreten.

Offiziell: Familiäre Gründe für Abgang

Nach offizieller Lesart hat der Abgang familiäre Gründe. Der stark in seiner tschechischen Heimatstadt Pilsen verwurzelte Skvaril wird Ende dieses Monats zum zweiten Mal Vater. Allerdings dürfte ihm der Familienzuwachs bereits bei der vorzeitigen Vertragsverlängerung bis 2021 im vergangenen März bekannt gewesen sein.

Deshalb liegt die Vermutung nahe, dass andere Gründe zu seiner Rückkehr nach Tschechien geführt haben dürften.

Anzeige wegen versuchter schwerer Körperverletzung

Und tatsächlich: Gegen Skvaril läuft ein Strafverfahren. Das zeigen Recherchen der Aargauer Zeitung. Das Strafverfahren beruht nicht etwa auf Verfehlungen in der Freizeit, sondern auf dem Rencontre mit Nicolas Raemy in den Playoff-Viertelfinals gegen Wacker Thun.

Handball: Das Rencontre von Milan Skvaril, Topskorer des HSC Suhr Aarau, mit Wacker Thuns Nicolas Raemy in Spiel 4 der Playoff-Viertelfinalserie der Saison 2018/19.

Das Rencontre zwischen Milan Skvaril und Nicolas Raemy

Raemy selber hat deswegen Anzeige gegen Skvaril eingereicht und damit ein Strafverfahren wegen versuchter schwerer Körperverletzung, eventualiter einfacher Körperverletzung und subeventualiter fahrlässiger Körperverletzung ausgelöst. Das entsprechende Informationsschreiben der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern an Skvaril liegt der AZ vor.

Nicolas Raemy (M.) hat nach dem Rencontre vom April Anzeige gegen Milan Skvaril eingereicht.

Nicolas Raemy (M.) hat nach dem Rencontre vom April Anzeige gegen Milan Skvaril eingereicht.

Grosses Bedauern beim HSC Suhr Aarau

Der HSC Suhr Aarau bestätigt auf Anfrage den kompletten Sachverhalt. Beim aktuellen Tabellensechsten der NLA bedauert man den Abgang des zweifachen Saison-Topskorers: «Wir verlieren einen grossartigen Spieler und Menschen leider vorzeitig und mitunter auch aufgrund von Umständen, die wir nur bedingt beeinflussen können. Wir sind sehr enttäuscht, haben gleichzeitig aber auch grosses Verständnis für Milan», sagt HSC-Geschäftsführer Lukas Wernli. Aufgrund des laufenden Verfahrens wollen sich weder der Klub noch Skvaril selber weiter dazu äussern.

Allerdings dürfte die Belastung durch das Strafverfahren einiges in der Causa Skvaril erklären. Dass die Anzeige den hochsensiblen Rückraumspieler stark belastet, ist naheliegend. Dass sich das auch auf seine Leistungen auf der Platte niederschlägt und ihn nun sogar dazu bewegt, in seine Heimat zurückzukehren ebenso.

Skvaril stellt sich Strafverfahren vollumfänglich

Trotz seiner Rückkehr in die Heimat stellt sich Skvaril dem Strafverfahren laut HSC-Geschäftsführer Wernli vollumfänglich. Er wird dabei durch den HSC unterstützt und von Anwalt Rolf Müller vertreten. Dieser hatte vor fünf Jahren bereits den damaligen FCA-Spieler Sandro Wieser nach dessen brutalem Foul gegen FCZ-Regisseur Gilles Yapi vor Gericht vertreten.

Während sich Skvaril voraussichtlich nach der Winterpause wieder seinem Stammklub Talent Robstav M.A.T. in Pilsen anschliesst, befindet sich der HSC Suhr Aarau nun auf der Suche nach einem valablen Ersatz.

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