Eishockey
Mike Shiva und das Aargauer Eishockey

Die Red Lions Reinach verlieren das 1.-Liga-Derby gegen die Argovia Stars 2:7. Kontrovers diskutiert wurden aber vor allem die Perspektiven der Reinacher.

Rainer Sommerhalder
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Kevin Barz schiesst das 7:2 für die Argovia Stars.

Kevin Barz schiesst das 7:2 für die Argovia Stars.

Rainer Sommerhalder

Den Reinacher Verantwortlichen war der Stolz ins Gesicht geschrieben. Nach 35 Minuten agierte der Underdog aus dem Wynental noch immer auf Augenhöhe mit dem grossen Favoriten aus der Kantonshauptstadt. 2:2 stand es, zweimal machten die Roten Löwen einen Rückstand wett.

Erst zwei Reinacher Strafen in Folge zum Ende des Mitteldrittels brachten jene Differenz auf die Resultatanzeige, die so mancher Experte viel früher prognostiziert hatte. Danach war es um die Liga-Neulinge geschehen. Angetreten mit nur zehn Feldspielern, machten die Beine je länger, desto stärker nicht mehr das, was der Kopf vorgab.

Am Schluss hiess es standesgemäss 7:2 für die Argovia Stars. Doch für die elf Löwen gab es wohlwollenden Applaus und aufbauende Worte. Denn in einem Punkt waren sich alle Anwesenden einig: Diese Spieler haben durchaus Talent und Potenzial.

Einen grösseren gemeinsamen Nenner gibt es bezüglich dem abenteuerlichen Projekt in der Aargauer Peripherie aber nicht. Die Verfechter sprechen von einer super Sache und einer perfekten Ausbildungsstätte für junge Spieler, die Kritiker nennen es einen Rohrkrepierer und eine Katastrophe fürs Aargauer Eishockey.

So weit die Füss tragen

Zweimal konnten die Initianten bereits Wort halten. Erstens, indem sie die geforderte Bankgarantie in der Höhe von 75 000 Franken ablieferten. Nicht wenige Fachleute gingen davon aus, dass der Versuch eines Retortenteams in Reinach bereits an den Finanzen scheitern würde.

Zweitens, indem beim ersten Saisonspiel vor ansehnlichen 215 Zuschauern ein einigermassen konkurrenzfähiges Team auf dem Eis stand. Die Niederlage durfte man zum grossen Teil auf die Tatsache schieben, dass ein Eishockeyspiel mit nur zwei Blöcken nicht zu gewinnen ist.

Der allwissende Blick in die Zukunft ist Mike Shiva vorbehalten und für Wahrsager-Laien eher schwierig. Von einer einjährigen Durststrecke und der viel besseren Ausgangslage für die zweite Saison sprechen die Löwendompteure, von einem baldigen Ende mit Schrecken die Skeptiker.

Es muss noch vieles passieren

So oder so muss in den nächsten Wochen noch vieles passieren. Mit nur zwei Blöcken werden die fünf von Rapperswil-Jona zur Verfügung gestellten Elite-Junioren verheizt und nicht gefördert. Lange wird der Nationalliga-Verein ein solches Spiel nicht mitmachen. Und mit nur sechs Feldspielern im Training lässt sich kein Eishockey-Team führen. Es widerspricht der Zielsetzung diametral, als Ausbildungsstätte zu dienen.

Der neue Verein hat aber reagiert und will in den nächsten Tagen zwei Ausländer lizenzieren – den 20-jährigen Schweden Alexander Esbjörs und den 26-jährigen Kanadier Chris Williamson. Beide schauten sich die Premiere als Zuschauer an. Ob der Verband das Duo angesichts des bestehenden Gentlemen’s Agreement der Vereine, in der 1. Liga keine ausländischen Spieler einzusetzen, so einfach lizenzieren wird, bleibt offen.

Tatsächlich scheint bei den Red Lions Reinach das gesamte Projekt eine Frage der Ausdauer zu sein. Wie lange tragen die Füsse die Spieler, wie lange die Initianten?

Noch viele offene Fragen

Viele Fragen bleiben brisant und brandaktuell. Findet eine Mannschaft beinahe ausschliesslich aus auswärtigen Akteuren auf Dauer den notwendigen Halt im örtlichen Umfeld? Wird durch den finanziellen Effort für die Roten Löwen nicht doch der ursprüngliche Verein SC Reinach mit all seinen Mannschaften ausgeblutet?

Erhalten die Macher die derzeitige personelle Unterstützung durch die Lakers auch in drei Monaten noch? Und identifizieren sich die Initianten der Red Lions weiterhin mit ihrem Projekt, wenn die Anfangseuphorie verflogen ist und sie vom andauernden Suchen nach Lösungen ermüdet sind?

Derzeit gibt es im Aargauer Eishockey überdurchschnittlich viele Mike Shivas, welche die Antworten zu kennen glauben. Warten wir mal ab.