Michael Winsauer, in der neuen Ausgabe des Kluborgans «Kick Off» schreibt René Meier, der Verwaltungsrats-Präsident der FC Wohlen AG, sollte die Mannschaft den Ligaerhalt schaffen, «wird es für mich ein Wunder bleiben.» Wäre der Verbleib in der Challenge League auch für Sie ein Wunder?

Michael Winsauer Ich sage es mal so: Aufgrund des harzigen Verlaufs unserer Hinrunde gibt es sicher ein spannendes Frühjahr. Wir ordnen alles dem Erreichen unseres Ziels unter. Und, ja, vielleicht geschieht bis Mitte Mai tatsächlich ein kleines Wunder.

Es zeichnet sich in der Abstiegsfrage ein Zweikampf FC Wohlen - Tessin ab. Einer aus dem Trio Locarno, Chiasso oder Wohlen wird nächste Saison nicht mehr in der Challenge League spielen. Einverstanden?

Ja, das sieht momentan so aus.

Mit einem Sieg in Chiasso wäre das «kleine Wunder» noch realistischer.

Wir sind uns bewusst, dass die direkten Duelle entscheidend sein werden. Wir wissen aber auch, dass nach dem Chiasso-Spiel immer noch zehn Runden zu spielen sind.

Die Bilanz der letzten beiden Jahre spricht klar für den FC Wohlen.

Wir fahren jedenfalls mit Selbstvertrauen ins Tessin.

Also kein Problem: Drei Punkte sind programmiert.

(schmunzelt): Halt, halt! Auch Chiasso kann Fussball spielen, das weiss man nicht erst seit ihrem 4:1-Sieg gegen Locarno während der vergangenen Woche.

Mit einem Sieg klettert Wohlen auf Rang 8. Dann gäbe es erstmals in dieser Saison Prämien zu verdienen (in den Arbeitsverträgen ist festgehalten, dass vom Verein erst ab Rang 8 Punkteprämien ausgeschüttet werden).

Das ist so. Und auch dafür spielen wir Fussball, um Geld zu verdienen.

In und um den Verein scheint nach den Chaos-Tagen im Herbst und dem Trainerwechsel eine gewisse Ruhe eingekehrt zu sein. Wie nehmen Sie als Mannschafts-Captain dies wahr?

Dieser Eindruck täuscht nicht. Junge Spieler sind gekommen, und mit Ciri (Trainer Sforza) ist eine absolute Respektsperson gekommen. Wenn er etwas sagt, hört jeder zu . . .

Bei David Sesa war das anders?

Das wollte ich damit nicht sagen. Aber Sforzas Leistungsausweis und sein Auftreten in den Trainings und an den Spielen machen uns Spielern natürlich Eindruck.

Für Sie ist die Situation speziell...

...ich weiss, worauf Sie hinaus wollen.

Sie sind mit Sforzas Schwester Sandra verheiratet. Der eigene Schwager als Trainer. Wie geht das aneinander vorbei?

Das ist überhaupt kein Problem, weder für mich noch für Ciri. Auf dem Fussballplatz ist er mein Trainer, privat ist er der Bruder meiner Frau. Da wird dann auch kaum einmal über Fussball gesprochen.

Kein Fussball?

Kein Fussball. Das ist zwischendurch auch mal schön.

Speziell ist auch Ihre berufliche Situation seit letztem Sommer. Sie spielen als Halbprofi beim FCW und unterrichten mit einem 60-Prozent-Pensum an der Waltenschwiler Primarschule.

Das ist eine ideale Kombination. Natürlich ist es eine grosse Herausforderung und auch sehr zeitintensiv. Aber ich würde es wieder genauso machen.

Seit 10. Januar sind Sie auch noch Papa.

(schmunzelt): Glauben Sie mir, die Tage sind sehr gut ausgefüllt.

Sie stehen in der vierten Saison in Wohlen, ihr Vertrag läuft im Sommer aus. Wie ist die Tendenz: Verlängern oder voll auf den Beruf als Lehrer setzen?

Mit dieser Entscheidung lasse ich mir noch Zeit. Erst wollen wir unsere Aufgaben auf dem Platz machen, dann werden der Verein und ich zusammensitzen.

Sie könnten sich ein weiteres Jahr als Fussballer und Primarlehrer vorstellen?

Ja, durchaus. Aber wie gesagt: Diese Entscheidung fällt noch nicht heute und auch noch nicht morgen.

Sie wohnen mit Ihrer Familie in Villmergen, spielen für Wohlen und geben in Waltenschwil Schule. Der stolze Tiroler Bua hat im Freiamt Wurzeln geschlagen.

Hier ist es wunderbar. Auch wenn ich zugebe, dass mich das Heimweh nach St. Johann immer wieder plagt. Aber: es passt so wie es ist!