Nicht nur der einfache Fan auf der Stehrampe schüttelt ob dieser Massnahme den Kopf. Kommunikations-Fachleute wie der renommierte PR-Berater Klaus J. Stöhlker lassen auf Anfrage der Aargauer Zeitung kein gutes Haar an den Verantwortlichen: «Ich bin mir sicher: Die haben alle Angst vor dem Skandal, der da mit Sicherheit in nächster Zeit noch kommt. Darum sagen sie nichts.»

In einer dermassen heiklen Situation zu schweigen, sei das Falscheste, was man tun könne. «Da schiessen Gerüchte und Halbwahrheiten ins Kraut.»

Klaus J. Stöhlker: «Ein grosser Fehler»

Der 72-jährige Stöhlker (er war zu Zeiten von SFV-Präsident Freddy Rumo in den 1990er-Jahren Berater des Schweizerischen Fussballverbandes) nimmt bekanntermassen selten ein Blatt vor den Mund.

«Wissen Sie, die Sache mit diesem jungen Fussballer aus Brasilien – das ist aus meiner Sicht gewollte Ausbeutung. Und dass sich die Verantwortlichen Meier, Wyder und Bächer jetzt gegenüber allen verbarrikadieren, ist ein Fehler. Ein grosser Fehler.»

Stöhlker kommt in Fahrt. «So wie ich die Faktenlage analysiere, gibt es nur eines: Aufhebung des Maulkorbs und vor allem eine totale Erneuerung des Vereinsvorstands.»

Wigdorovits: «Zugeben und entschuldigen»

Sacha Wigdorovits (61), Kommunikationsexperte und ehemaliger «Blick»-Chefredaktor, äussert sich ähnlich: «Es scheint unbestritten, dass die Verantwortlichen des FCW Fehler gemacht und versucht haben, das Migrationsamt hinters Licht zu führen.

Dazu sollten sie offen stehen und es zugeben und sich auch entschuldigen. Ich würde das direkte Gespräch mit den interessierten Medien suchen und diese zu einer gemeinsamen Aussprache einladen. Um zuzugeben, dass man etwas Unerlaubtes getan hat und um zu erklären, weshalb.»

Ehrlich währt am längsten

Es könnte ja sein, so Wigdorovits weiter, dass man aus sportlicher Sicht unbedingt Wellington wollte, aber aus wirtschaftlicher Sicht nicht in der Lage war, den vom Migrationsamt geforderten Mindestlohn zu zahlen.

«Ich glaube, mit einer ehrlich gemeinten Entschuldigung und einer solchen Erklärung hätte man einen Imageschaden vermeiden oder mindestens stark verringern können.»

Auch Wigdorovits findet einen generellen Maulkorb als überrissen. «Schliesslich braucht der FC Wohlen auch öffentliche, mediale Unterstützung, sonst kann er wirtschaftlich ebenso wenig gesund operieren, wie wenn er überrissene Spielersaläre zahlt, weil ihm ohne mediale Begleitung nämlich die Zuschauer fehlen und die Sponsoren davonlaufen würden.»