Mountainbike
Matthias Stirnemann gewinnt das härteste Rennen der Welt – und die Medaille ist schon weg

Matthias Stirnemann hat gemeinsam mit Nino Schurter das Cape Epic in Südafrika gewonnen. Für den Gränicher ist der Sieg am härtesten Etappenrennen der Welt der bislang grösste Erfolg der Karriere.

Fabio Baranzini
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Das Cape Epic findet unter der brennenden Sonne Südafrikas statt.
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Matthias Stirnemann am Cape Epic 2017
... und führte über 15'400 Höhenmeter.
Matthias Stirnemann und sein Teampartner Nino Schurter klatschen sich ab.
Die Mountainbiker fahren auch bei bis zu 40 Grad Celsius.
Endspurt bei der Zieleinfahrt.
Grosse Freude bei Stirnemann und Schurter nach dem Sieg.

Das Cape Epic findet unter der brennenden Sonne Südafrikas statt.

Zur Verfügung gestellt

Matthias Stirnemann ist am Dienstagabend kurz nach neun Uhr Zuhause angekommen. Beim Treffen am nächsten Morgen hat er seine Koffer noch nicht vollständig ausgepackt. «Ich bin noch nicht ganz fertig geworden», entschuldigt er sich und macht sich auf die Suche nach dem Siegertrikot für das Fotoshooting.

Die Goldmedaille für seinen Sieg am prestigeträchtigen Cape Epic kann er dagegen nicht präsentieren. «Ich weiss nicht, wo die Medaille ist. Ich glaube, ich habe sie schon verloren», sagt er lachend.

Die acht Etappen des Cape Epic 2017 in der Zusammenfassung:

Doch dieses kleine Malheur vermag seine Freude nicht zu trüben. Dafür sind die Emotionen und Erinnerungen an den grossen Sieg in Südafrika noch zu frisch. «Für mich ist der Sieg in Südafrika der ganz klar grösste Erfolg meiner Karriere. Am achten Tag ins Ziel zu fahren und zu wissen, dass wir dieses Rennen gewinnen, war unglaublich. Gänsehaut pur. Das hätte ich mir vor dem Start niemals erträumt», beschreibt der junge Aargauer den Moment der Zieldurchfahrt, die für ihn das emotionale Highlight des Cape Epic war.

Überraschender Sieg

Dass Matthias Stirnemann und sein Teamkollege Nino Schurter bei ihrer ersten gemeinsamen Teilnahme am härtesten Etappenrennen der Welt gleich den Sieg holen, kam auch für die beiden Protagonisten überraschend. Sie wollten eigentlich Erfahrungen sammeln, um dann im nächsten Jahr um den Gesamtsieg zu kämpfen.

«Nach den ersten Etappen haben wir gemerkt, dass wir ums Podest mitfahren können. Der Gesamtsieg wurde erst nach unserem Etappensieg am sechsten Renntag ein Thema, als wir auch das Leadertrikot überstreifen durften», so Stirnemann.

Verhängnisvoller «Water Point»

Ganz immer lief es dem 25-jährigen Gränicher aber nicht rund. In der ersten langen Etappe am zweiten Tag verzichtete er rund 30 Kilometer vor Schluss darauf, sich trotz leerem Bidon am «Water Point» Getränkenachschub zu besorgen, damit der Rückstand auf die Spitze nicht zu gross wird.

Ein Fehlentscheid, für den Matthias Stirnemann in der Folge büssen musste. «Die letzten 20 Kilometer waren brutal hart. Ich dachte mir, wenn das jeden Tag so läuft, kannst du mich am Ende der Woche zusammenfalten und wegschmeissen», blickt er lachend zurück.

Matthias Stirnemann zeigt stolz das Siegertrikot.

Matthias Stirnemann zeigt stolz das Siegertrikot.

Fabio Baranzini

Doch dazu kam es nicht. Das Duo Schurter/Stirnemann wurde immer stärker und kämpfte sich unter anderem dank einer starken Teamtaktik mit ihrem Back Up Team um Michiel Van der Heijden und Andri Frischknecht nach der fünften Etappe an die Spitze des Gesamtklassements und blieben dort.

Auf das Weltcup-Podest

Matthias Stirnemann will nun den Schwung des Grosserfolgs in Südafrika in die kommende Weltcup-Saison mitzunehmen. «Ich will regelmässig in die Top 10 fahren und auch auf dem Podest stehen», sagt Stirnemann. Trotz den Strapazen in Südafrika steckt der EM-Fünfte des Vorjahrs bereits wieder voller Tatendrang.

Nach dem Gespräch schwang er sich bereits wieder aufs Rennvelo, um eine «lockere Runde» um den Hallwiler- und den Baldeggersee zu drehen. «Die Strecke ist rund 60 Kilometer lang. In gemütlichem Tempo ist das aktive Erholung», sagt Stirnemann. Und mit dem Cape Epic Sieg im Gepäck dürfte es ihm wohl noch etwas leichter fallen, in die Pedalen zu treten.