Als die EHC Basel Sharks im letzten Sommer Konkurs anmeldeten, standen die Spieler von einem Moment auf den nächsten ohne Verein da. Matthias Rossi fand beim NLA-Klub aus Biel Unterschlupf.

Bei den Seeländern erkämpfte sich der Aargauer erst einen Stammplatz, wurde dann zum regelmässigen Skorer und war schliesslich in den Playoffs einer der Hauptakteure, als die Bieler die ZSC Lions bis aufs Letzte forderten. Der nächste Höhepunkt folgte sogleich. Der 24-Jährige figuriert im provisorischen WM-Aufgebot von Nationalmannschaftstrainer Glen Hanlon.

Mit der Landesauswahl testet Rossi in dieser Woche zweimal gegen Finnland – heute in Kloten und am Freitag in seiner ehemaligen Heimstätte in Basel.

Auf Basler Eis hat Rossi schon lange nicht mehr gespielt, seit dem Sommertraining, um genau zu sein. Beim Gedanken an das Spiel kommen in ihm spezielle Gefühle hoch: «Ich konnte in Basel viele schöne Erinnerungen sammeln. Es ist toll, dass ich nun mit dem Nationalteam dort spielen darf.» Und dies nicht einmal ein Jahr nach dem Konkurs der Sharks.

Kleine Chance auf WM

Sein Debüt in der Nationalmannschaft steht unmittelbar bevor. Nervös macht ihn das jedoch nicht – zumindest noch nicht: «Ich muss einfach meine Aufgaben erfüllen und das spielen, was ich kann. Alles andere ergibt sich von alleine.»

Rossi ist sich aber auch bewusst, dass das Abenteuer schnell wieder vorbei sein kann. Denn schliesslich stossen noch die Spieler der NLA-Playoff-Halbfinalisten zur Mannschaft. «Für mich ist das momentan sozusagen ein Schnuppern», sagt er lachend, «ich sehe es realistisch, für die WM wird es sehr eng. So lange die Chance besteht, gebe ich mein Bestes und schaue, wie weit es reicht.»

Generell war Rossi sehr überrascht vom Aufgebot: «Ich hätte jetzt nicht damit gerechnet. Aber es ist natürlich eine Ehre für mich.» Einmal für das eigene Land zu spielen, sei der Traum eines jeden kleinen Buben – so auch bei ihm.

Innert kürzester Zeit arbeitete sich Rossi aus der NLB hoch. Doch wie war so eine Entwicklung überhaupt möglich? «Es hat sicher geholfen, dass ich im letzten Frühling, nach einer starken Saison mit Basel, die Playouts mit den Rapperswil-Jona Lakers bestreiten konnte.» Da wurden die Bieler erstmals auf den Flügelspieler aufmerksam.

In diesen Spielen wurde auch Rossi selbst bewusst, dass er das Talent hat, um in der höchsten Spielklasse bestehen zu können. Vorerst kehrte er aber zurück nach Basel. «Eine weitere Saison in der NLB hätte mich sicherlich auch weitergebracht. Ich wollte mit den Sharks eigentlich noch einmal einen Schritt nach vorne machen», erklärt Rossi.

Durchbruch in Biel

Dazu kam es aber nicht mehr. Die Basel Sharks wurden aufgelöst und Rossi musste auf Klubsuche gehen. Wobei «Suche» masslos übertrieben ist, wie der Überraschungsmann verrät: «Nur einen Tag, nachdem der Basler Konkurs bekannt gegeben wurde, traf ich mich mit Kevin Schläpfer.» Biel war allerdings nicht der einzige Interessent, auch die Lakers waren heiss auf die letztjährige Playout-Verstärkung. «Für mich war aber relativ schnell klar, dass ich ins Seeland wechseln will», erzählt Rossi. Dass sich der Biel-Coach Schläpfer so schnell meldete und sich stark um eine Verpflichtung bemühte, überzeugte ihn.

Bei den Seeländern angekommen, lief es allerdings erst einmal nicht nach Wunsch des 24-Jährigen. Er spürte aber «Schläpfers volles Vertrauen, das hat mir sehr geholfen». Rossi spielte immer besser, wurde allmählich zum regelmässigen Skorer. «Ich kam in eine regelrechte Positivspirale, tankte viel Selbstvertrauen und wuchs über mich hinaus.» Diese Form will er nun behalten, im Nationalteam, aber auch im Hinblick auf die nächste Saison in Biel, wo er einen Vertrag bis 2017 unterschrieben hat. «Ich will jetzt erst einmal meine Saison bestätigen, ich bin noch jung und habe viel Potenzial.» Wenn er dieses voll ausschöpfen kann, winkt auch bald die erste WM-Teilnahme – vielleicht sogar schon in ein paar Wochen.