Noch ist nichts gewonnen. Matthias Kyburz hat sich am ersten Tag der Orientierungslauf-Weltmeisterschaften im Süden Norwegens lediglich für den Final über die Mitteldistanz qualifiziert. So wie alle sieben im Einsatz stehenden Schweizer Athleten. Für einen vierfachen Weltmeister und fünffachen Gesamtweltcupsieger nicht mehr als Routine.

Und trotzdem spüren wir eine gewisse Euphorie in der Stimme des 29-jährigen Fricktalers. «Ich bin superglücklich, wie dieses Rennen gelaufen ist», sagt Kyburz. Für ihn war es weit mehr als eine Standortbestimmung. Es war der ultimative Test, ob sein Fuss hält. Ein angerissenes Band am Knöchel setzte vor fünf Wochen ein dickes Fragezeichen hinter seine WM-Teilnahme. Noch am Montag beim Training im WM-Gelände blieb Kyburz skeptisch, ob er das Rennen gegen die Zeit gewinnen würde. «Das Gefühl war wirklich nicht so gut.»

Sieg im Vorlauf und voller Fokus auf die Aufgabe

Und jetzt dies. Matthias Kyburz schaffte nicht nur die Finalqualifikation, er gewann als einziger Läufer aus dem starken Schweizer Team seine Vorlaufserie. Selbst der Schwede Gustav Bergman, der Dominator der Frühjahrssaison, musste sich um 17 Sekunden geschlagen geben. «Es war tatsächlich das Optimum», sagt der in Bern lebende Aargauer. Der Fuss habe sehr gut mitgespielt und ihm damit ein besseres Feedback für die drei anstehenden Finalläufe über die Lang- und die Mitteldistanz sowie in der Staffel gegeben, als dass er sich erträumt

habe.
«Es fing schon am Morgen gut an. Ich erwachte vor dem Wecker und war erstmals in dieser Saison so richtig nervös. Das produzierte wohl die richtige Dosis Adrenalin», sagt Kyburz. Er habe von Beginn weg keine Angst um seinen Fuss gehabt und konnte sich unterwegs gut auf die Kartenarbeit und die Routenwahlen konzentrieren, ohne ständig an die Verletzung zu denken. «Jetzt kann ich befreit auftreten», freut sich Kyburz.

Bereits heute Mittwoch steht mit der Königsdisziplin Langdistanz jene WM-Entscheidung an, bei der Kyburz noch auf eine Medaille oder gar einen Titel wartet. Es bleibe abzuwarten, ob der Fuss auch bei einer Belastung von 100 Minuten (für die Mitteldistanz-Qualifikation benötigte er 25 Minuten) funktioniere, sagt der Fricktaler. Er hat sich vorgenommen, unterwegs die Ruhe zu bewahren. «Es gibt genügend Gelegenheiten, den Turbo zu zünden», sagt Matthias Kyburz am Tag vor seiner letzten grossen Herausforderung.