Pflanzen-Molekularbiologie. Damit befasste sich Matthias Kyburz in seinem Praktikum am Donnerstagnachmittag. Es ist einer der letzten Kurse an der Uni Bern, die der 24-Jährige aus Möhlin noch absolvieren muss, bis er seinen Bachelor im Fach Biologie in der Tasche hat. 

Im Dezember ist es soweit. Viereinhalb Jahre hat er dafür gebraucht. Das sind eineinhalb mehr, als eigentlich vorgesehen. Für die längere Studienzeit hat Kyburz jedoch einen guten Grund. Einen sehr guten sogar: Er gehört zur absoluten Weltspitze im Orientierungslauf.

Entsprechend viel Zeit investiert Kyburz in Trainings und Wettkämpfe im In- und Ausland. Dies mit dem Studium zu vereinbaren, ist nicht immer ganz einfach.

«Die Tage vergehen extrem schnell. Oftmals trainiere ich vor den Vorlesungen, gehe dann an die Uni und trainiere am Abend nochmals», erzählt Kyburz im Interview, das er zwischen Praktikum und Lauftraining gerade noch reinquetschen konnte.

Auftakt in Tasmanien

In diesem Winter ist die Zeit noch etwas knapper als in anderen Jahren, denn die Weltcupsaison beginnt ungewöhnlich früh. Bereits am 2. Januar messen sich die OL-Cracks beim Weltcup-Auftakt in Tasmanien. «Normalerweise beginnt die Saison im Mai. Daher musste ich meine Vorbereitung anpassen», sagt Kyburz.

Statt mit Ausdauertraining startete Kyburz Ende Oktober bereits mit intensiven Trainingseinheiten und nahm an allen bisherigen Rennen des Post-Cups teil. «Diese Läufe machen mir Spass und sind ein super Training unter Wettkampfbedingungen. Weil es ein Wettkampf ist, bin ich speziell motiviert und gehe auch über meine Grenzen hinaus, was ich im Training wohl nicht tun würde», so Kyburz.

Mit dem Basler Stadtlauf steht am Samstagabend das vierte Rennen des Post-Cups auf dem Programm. Ein Rennen, auf das sich der Aargauer besonders freut. «Die Stimmung mit den vielen Zuschauern in den Gassen ist einzigartig, fast ein wenig wie bei der Tour de France. So macht laufen Spass.»

Doch Kyburz steht in Basel nicht am Start, um die Atmosphäre zu geniessen. Er will die besten Schweizer Strassenläufer herausfordern. «Tadesse Abraham läuft in einer anderen Liga, aber die anderen Schweizer kann ich an einem guten Tag schlagen», gibt sich Kyburz zuversichtlich.

Familienessen vor der Abreise

Und die Zuversicht kommt nicht von ungefähr. Dank den intensiven Trainings ist Kyburz läuferisch bereits gut in Form. Da er derzeit aber keine OL-Wettkämpfe bestreiten und nur ein bis zwei spezifische OL-Trainings pro Woche absolvieren kann, schwingt im Hinblick auf den Weltcup-Start eine gewisse Unsicherheit mit. «Die Technik und die Abläufe im Wettkampf fehlen mir noch ein wenig.»

Noch bleibt aber ein Monat, um an diesen Defiziten zu arbeiten. Kommt hinzu, dass die Schweizer Delegation frühzeitig nach Tasmanien reist, um sich optimal vorzubereiten. «Am Abend des 24. Dezember geht es los. Zuerst gibt es ein grosses Familienessen und dann fliegen wir nach Australien.»

Es bleiben danach also zehn Tage, um den Festschmaus zu verdauen, den Jet Leg zu überstehen und sich an die heissen Temperaturen des australischen Sommers zu gewöhnen.