«Die Tour verlief nicht wie geplant», blickt Frank zurück, «ich musste jedoch damit rechnen, weil ich bereits zum Prolog nicht gesund angetreten bin.» Die misslungene Tour ist für den Luzerner insofern ärgerlich, weil die Form stimmte und er sich Erkenntnisse hinsichtlich der Tour de France, die am 2. Juli im Nordwesten Frankreichs gestartet wird, erhofft hatte.

So kommt das Strassenrennen der Schweizer Meisterschaft in Martigny für Mathias Frank zu einem idealen Zeitpunkt. Den Wettkampf am Sonntag (12.40 Uhr) will Frank für eine Standortbestimmung nutzen. «Ich möchte sehen, wie gut ich mich erholt habe und ob es mit dem Atmen besser geht», sagt er. Der Gewinn des Meistertitels geniesst bei ihm eine untergeordnete Rolle – obschon dieser in Franks Palmarès noch fehlt.

«Das wäre sicher eine spezielle Sache, aber auf dieser Strecke ist der Titel schwierig zu holen», sagt das Mitglied des VC Pfaffnau-Roggliswil. Weil der Rundkurs, den die Elitefahrer zehnmal zu bewältigen haben, grösstenteils flach ist und nur zwei kleine, aber happige Anstiege besitzt, erwartet Frank nach 195 Kilometern eine Sprintankunft.

«Da sind Fabian Cancellara oder Michael Albasini schneller als ich», gesteht er. Eine Soloankunft wäre naheliegend, «das ist aber bei einem kleinen Feld mit nur 20 Profis nicht einfach, man wird gut bewacht.»

Nach der Strassen-SM geht es für Mathias Frank Schlag auf Schlag weiter. Am Mittwoch folgt die Anreise nach Mont-Saint-Michel, dem Ausgangspunkt der Tour de France. Neben der Streckenbesichtigung stehen bis zum Start die Team-Präsentation und Pressekonferenzen an. Das gedrängte Programm bietet ein wenig Ablenkung in der schwierigen Situation, in der sich Frank und seine Teamkollegen bei IAM Cycling befinden.

Weil die einzige Schweizer Equipe auf der World Tour Ende Saison nach vier Jahren aus finanziellen Gründen aufgelöst wird, steht Frank vor einer ungewissen Zukunft. «Ich habe einen guten Agenten, der Kontakte zu anderen Teams pflegt», sagt der IAM-Captain. Restlos ausblenden könne er die Gedanken aber nicht. «Ich versuche, sie in den Hintergrund zu stellen und mich auf das nächste Rennen zu fokussieren.»

«Geniessen und lernen»

Im Gegensatz zu Mathias Frank bestreitet Lukas Schnider am Sonntag erstmals eine Strassen-SM mit der Elite. Entsprechend gross ist die Freude beim bald 19-jährigen Zofinger, der vor einer Woche die Elite-Qualifikation geschafft hat und die nächste Saison als Fahrer dieser Kategorie bestreiten wird. «Für mich heisst es: geniessen und lernen», sagt er, «bei diesem starken Teilnehmerfeld gehe ich ohne Erwartungen an den Start.»

Schnider absolvierte letzten Mittwoch bereits das Zeitfahren in Martigny und erreichte mit dem zwölften Platz in der U23-Kategorie die angestrebte Klassierung in die Top 20. Die Pause zwischen den Rennen nutzt Lukas Schnider zur Erholung und Vorbereitung, um für seine SM-Premiere bei den «Grossen» bereit zu sein. «Weil ein paar Tage dazwischen liegen, sollte das kein Problem sein», sagt das Mitglied des VC Pfaffnau-Roggliswil.