Fussball
Martin Rueda und Xamax – das ist eine spezielle Geschichte

Der 52-jährige Trainer des FC Wohlen spielte von 1994 bis 1998 für die Neuenburger, absolvierte 72 Meisterschaftspartien und erzielte dabei sechs Tore.

Ruedi Kuhn
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Martin Rueda als Xamax-Spieler

Martin Rueda als Xamax-Spieler

KEYSTONE

Danach beendete der spanisch-schweizerische Doppelbürger die aktive Laufbahn. 17 Jahre später trifft Rueda in seiner Funktion als Trainer erstmals auf Xamax. Logisch, dass bei ihm vor dem Aufeinandertreffen mit seinem früheren Verein Erinnerungen wach werden.

Rueda spielte zwischen 1984 und 1998 für GC, Wettingen, den FC Luzern und Xamax. Dass ihm die Neuenburger im Alter von 31 Jahren einen langfristigen und lukrativen Vertrag anboten, war das Sahnehäubchen auf die 14-jährige Karriere. Natürlich war der finanzielle Aspekt der Hauptgrund für seinen Wechsel von Luzern zu Xamax. Im Nachhinein aber viel wichtiger: Während der vier Jahre in Neuenburg erlebte Rueda dank dem schillernden Trainer Gilbert Gress und dem unverwüstlichen Präsidenten Gilbert Facchinetti eine unvergessliche Zeit mit vielen interessanten und lustigen Episoden. Auf und neben dem Spielfeld!

Der Libero unter Gilbert Gress

Gress war es also, der Rueda nach Neuenburg holte. Der Elsässer brauchte für sein 3-5-2-System einen Libero. Einen Mann, der die drei Mann starke Abwehr dirigierte und in der Defensive nichts anbrennen liess. Mitte der 1990er-Jahre war Rueda für diese Position genau der Richtige. Kein Wunder also, dass Xamax in den Saisons 1995/96 und 1996/97 um den Meistertitel mitspielen konnte. Schliesslich reichte es für die Plätze drei und zwei und damit für die Qualifikation für den Uefa-Cup.

Der sportliche Erfolg ist das eine, der Spassfaktor das andere: Gress führte die Mannschaft nach den Grundsätzen der alten Schule. «Gress war ein fussball-verrückter Trainer, der den ganzen Tag unter Strom stand», blickt Rueda zurück. «Ins Training kam er immer mit einem Aktenkoffer und Tausenden von Notizen.» Der Elsässer galt als akribischer Arbeiter. Ohne Disziplin lief gar nichts.

Die Sonne ist schlecht für das Kopfballspiel

Während der Trainings war der Mann mit den langen Haaren und der grossen Brille stets mit dabei, forderte die Bälle und wurde jeweils stinksauer, wenn er nicht angespielt wurde. Und eines konnte Gress überhaupt nicht leiden: Fahrten mit dem Cabriolet! Entdeckte Gress einen Spieler beim Fahren mit offenem Verdeck, stauchte er ihn nach allen Regeln der Kunst zusammen. Der Grund? Sonne und Wärme wirken sich negativ auf das Kopfballspiel aus.

Grossen Wert legte Gress auch auf die Ernährung. Der Menüplan vor einem Meisterschaftsspiel war immer der gleiche: Zur Vorspeise gab es Pampelmuse. Weil die Zitrusfrucht ziemlich sauer ist, schmeckte sie nicht jedem Spieler. «Ich erinnere mich an eine lustige Geschichte», sagt Rueda. «Der Rumäne Viorel Moldovan wollte keine Pampelmuse essen. Er wollte lieber Käse und Salami. Da geriet er bei Gress an den Falschen. Ohne Pampelmuse kein Spiel!» So musste Moldovan statt Käse und Salami wohl oder übel Pampelmuse essen. Die Hauptspeise bestand aus Reis, Spaghetti und Poulet. Und zum Dessert wurde Apfelmus serviert.

Essen in einem Rittersaal

Gilbert Gress war in den 1980er- und 1990er-Jahren bei Xamax die Kultfigur. Der grosse Mann aber hiess Gilbert Facchinetti. Der Bauunternehmer und langjährige Präsident investierte Dutzende von Millionen in den Verein und machte Xamax zu einem Aushängeschild des Schweizer Fussballs. Facchinetti war Klubverantwortlicher und Vaterfigur für die Spieler in einer Person.

Im schmucken Stadion Maladière gibt es zu seinen Ehren eine nach ihm benannte VIP-Lounge. Vor den Heimspielen lud Facchinetti die Spieler jeweils in seine Villa oberhalb von Neuenburg ein. Gegessen wurde in einem Rittersaal. Dreimal dürfen Sie raten, was auf dem Speiseplan stand: Pampelmuse, Reis, Spaghetti, Poulet und Apfelmus.