Natürlich hat Martin Rueda während der Winterpause seine Hausaufgaben gemacht. Natürlich hat der Trainer des FC Wohlen die Tabelle der Challenge League nach der Vorrunde unter die Lupe genommen. Mit dem Gewinn von 22 Punkten aus 18 Spielen ist er zufrieden. Mit Rang 6 hat man die Erwartungen sogar übertroffen. Das Torverhältnis von 21:25 gibt ihm allerdings zu denken. Knapp 1,2 Tore pro Partie sind zu wenig. Nur der Tabellenletzte FC Aarau (16 Tore) und der FC Schaffhausen (20) sind noch schlechter als die Freiämter.

«Wir haben in der Vorrunde viele Chancen herausgespielt», erklärt Rueda. «Aber der Ertrag steht in keinem Verhältnis mit dem Aufwand. Wir müssen in der zweiten Saisonhälfte effizienter werden.» Also machte er sich auf die Suche nach einem Mittelstürmer mit Torinstinkt. Das Spezielle an der Sache: Wegen der angespannten finanziellen Situation durfte der Neue das Budget der ersten Mannschaft nicht belasten. Ein Schnäppchen musste her. Mit dem vom FC Luzern ausgeliehenen Cristian Ianu scheint Rueda den Mann gefunden zu haben, der nicht viel kostet und erst noch für Tore sorgt.

Systemwechsel für Ianu

Weil Rueda von den Qualitäten des 32-jährigen Rumänen überzeugt ist, änderte er sogar das System. Statt mit einem 4-4-1-1-System lässt er sein Team mit einem 4-4-2-System spielen. Das klingt auf den ersten Blick ziemlich banal. Es ist aber alles andere als banal. Der FC Wohlen spielt in Zukunft im Mittelfeld mit einer Raute. Das heisst: Vor der Viererabwehrkette gibt es einen zentralen, defensiven Mittelfeldspieler. Dieser wird von einem Aufbauspieler auf der rechten und linken Seite flankiert. Im zentralen offensiven Mittelfeld kommt ein Kreativspieler hinzu, der die beiden Spitzen unterstützt.

Alain Schultz herzt Neuzugang Christian Ianu nach dessen Siegtreffer in Luzern.

Alain Schultz herzt Neuzugang Christian Ianu nach dessen Siegtreffer in Luzern.

Im Klartext: Der FC Wohlen soll in der Rückrunde um einiges offensiver agieren. Ballbesitz heisst das Zauberwort. Die Rolle der Nummer 10 übernimmt Captain Alain Schultz. Die Flügelpositionen sollen so oft wie möglich von den Aussenverteidigern besetzt werden. In der Offensive wirbeln Ianu und Samir Ramizi. Rueda erklärt den Grund für die Umstellung in der Offensive: «Ianu ist im Sturm wirkungsvoller, wenn er einen Partner hat. Alleine versauert er oder kann zumindest zu wenig ausrichten.»

Den Entscheid für die neue Variante hat sich der Trainer nicht leicht gemacht. «Das System mit der Raute und mit zwei Stürmern fordert die Spieler in der Praxis und in der Theorie», sagt Rueda. «Natürlich habe ich meine Ideen mit Teamstützen wie Schultz, Muslin, Geissmann und Ianu besprochen und analysiert.

Umsetzung funktioniert

Während der Trainings in den vergangenen Wochen hat sich gezeigt, dass die Spieler mit der Umsetzung gut zurecht kommen.» Eines ist offensichtlich: Ohne Einsatz, Willensstärke, Laufbereitschaft, Disziplin und Konzentration läuft gar nichts. Vor allem die Mittelfeldspieler müssen physisch mehr leisten als früher. Oder, um es mit den Worten von Joël Geissmann zu sagen. «Das neue System ist extrem kräfteraubend. Es zwingt uns, voll an die Leistungsgrenze zu gehen.»

Joel Geissmann und seine Kollegen müssen mehr laufen.

Joel Geissmann und seine Kollegen müssen mehr laufen.

Man darf gespannt sein, ob die offensivere Ausrichtung von Erfolg gekrönt ist oder ob der Schuss nach hinten losgeht. Auch wenn das Spielsystem auf Ianu ausgerichtet ist, zählt einzig und allein der Erfolg der Mannschaft. «Wir müssen in der Defensive und in der Offensive eine Einheit sein», erklärt Rueda. «Ianu hat zwar mein vollstes Vertrauen, aber er wird in Zukunft nicht nur an Toren gemessen.

Wer hütet das Tor?

Er muss für die Mitspieler da sein und dem Team helfen.» Apropos Mitspieler: Was die Startformation des FC Wohlen am nächsten Sonntag in Winterthur betrifft, ist Rueda für die eine oder andere Überraschung gut. Das Rätselraten beginnt schon in der Abwehr. Löst Flamur Tahiraj Joel Kiassumbua zu Beginn der Rückrunde als Torhüter Nummer eins ab? Und wer spielt in der Innenverteidigung neben Routinier Muslin? Nicolas Bürgy oder Simon Dünki? Fehlen werden der gesperrte Simon Grether und die verletzten Nico Abegglen und Michael Weber.

Hütet Tahiraj gegen Winterthur den Kasten?

Hütet Tahiraj gegen Winterthur den Kasten?