FC Wohlen
Marijan Urtic: «Wer das meint, verkennt die Realität»

Wohlens Aussenverteidiger Marijan Urtic spricht über fehlende Konstanz, überhöhte Erwartungen und die Wintertransfers.

Calvin Stettler
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Marijan Urtic: «Um in der Challenge League Wasser verdrängen zu können, muss man eben erst die raue Liga kennen lernen.»

Marijan Urtic: «Um in der Challenge League Wasser verdrängen zu können, muss man eben erst die raue Liga kennen lernen.»

Christian Boss

Herr Urtic, hat sich der FC Wohlen im Winter falsch verstärkt?

Marijan Urtic: Nein, das denke ich nicht. Es wurden Spieler geholt, die uns weiterbringen können, aber vor allem die jungen Graf, Castroman und Kleiner benötigen noch Zeit zur Akklimatisierung.

Im FC Wohlen steckt gegenwärtig zu viel Technik und zu wenig Wasserverdrängung.

Wir haben viele technisch versierte Spieler, die aber eben noch sehr jung sind. Um in der Challenge League Wasser verdrängen zu können, muss man eben erst die raue Liga kennen lernen. Auch deshalb sind sie in Wohlen, um daran zu arbeiten.

Das Alter ist aber nicht der entscheidende Faktor, ob man sich durchzusetzen vermag.

Es ist schon eine Frage der Erfahrung. Die Anforderungen sind in dieser Liga hoch. Nur, weil man zum Beispiel bei einem renommierten Klub wie Basel ausgebildet worden ist, heisst das noch nicht, dass das für die Challenge League reicht.

Mittelfeldspieler Miguel Castroman, der im Winter von den Young Boys gekommen ist, fällt in diese Kategorie.

Ich kann Ihnen versichern, er rackert. An ihm werden wir noch viel Freude haben, aber ja, einfach hat er es nicht, das YB-Etikett weckt überhöhte Erwartungen. Ein Beispiel: In Lausanne wurde er zu einem Zeitpunkt eingewechselt, als es der Mannschaft offensiv überhaupt nicht lief. Wer meint, er könne das Spiel dann alleine entscheiden, verkennt die Realität. Man benötigt mindestens eine Saison, um sich an die Pace zu gewöhnen.

Miguel Castroman vermochte sich beim FC Wohlen bisher noch nicht durchzusetzen. Positive Ansätze gibt es im Spiel des proklamierten Filigrantechnikers wenige. Muss erst einmal mit der physischen Liga zurechtkommen. Willkommen in der Challenge League.

Miguel Castroman vermochte sich beim FC Wohlen bisher noch nicht durchzusetzen. Positive Ansätze gibt es im Spiel des proklamierten Filigrantechnikers wenige. Muss erst einmal mit der physischen Liga zurechtkommen. Willkommen in der Challenge League.

Zur Verfügung gestellt

Nach der 0:1-Niederlage gegen Schaffhausen wurden Sie von einem Fan verbal zusammengestaucht. Wie realistisch ist die Erwartungshaltung im Umfeld des Klubs?

Jeder, der zu unseren Heimspielen kommt, will, dass wir gewinnen. Wir übrigens auch. Aber es kann vorkommen, dass man als Mannschaft einen schlechten Tag hat oder der Gegner einfach besser war. Es ist wie bei jeder anderen Arbeit, man bringt nicht jeden Tag jene Leistung, die der Chef verlangt. Es gibt viele Leute, die ihr Geld in den Verein pumpen und dafür etwas sehen wollen. Das verstehe ich, aber auch wir sind nur Menschen.

Hat die letztjährige Erfolgssaison unter Trainer Sforza die Erwartungshaltung verzerrt?

Vielleicht. Sie hat uns auf jeden Fall aufgezeigt, was mit dem FC Wohlen möglich ist. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass wir die Jahre zuvor stets gegen den Abstieg kämpften.

Wann feiert der FC Wohlen den Klassenerhalt?

Ich hoffe, dass das in den nächsten zwei, drei Spielen der Fall sein wird.

Mit dem FC Biel steht der Absteiger eigentlich schon fest.

Davon dürfen wir nicht ausgehen. Wegen der jüngsten Punktabzüge sind wir zwar voraus, wollen den Klassenerhalt aber aus eigener Kraft realisieren.

Der FC Biel wird nächste Saison voraussichtlich nicht mehr in der Challenge League spielen.

Der FC Biel wird nächste Saison voraussichtlich nicht mehr in der Challenge League spielen.

KEYSTONE/LUKAS LEHMANN

Aber das Schicksal Biels ist im Hinterkopf.

Klar. Das nimmt uns auch Druck von den Schultern, aber wir wollen uns nicht nach unten, sondern nach oben orientieren, um die Saison möglichst positiv abzuschliessen.

Betrachten wir das Team: In dieser Saison überzeugten einzig die Torhüter restlos.

Ja, wir haben zwei super Goalies. Ich denke, als Mannschaft überzeugten wir in der ersten Hälfte der Saison nicht überall, aber es war eine gute Vorrunde. In der Rückrunde fehlt es halt an Konstanz, warum das so ist, kann ich nicht erklären.

Hat man nach dem 4:1-Sieg zum Rückrundenstart gemeint, dass es zum Selbstläufer werden könnte?

Möglich, ja.

Wo sehen Sie die grösste Baustelle im Team?

Die Konstanz. Wir müssen wieder einsehen, dass es nur im Kollektiv funktionieren kann, dann kommen auch die Siege wieder regelmässiger.

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