Automobil
Marcel Steiner knackt in Reitnau die 50-Sekunden-Grenze

Marcel Steiner knackte beim Bergrennen in Reitnau die magische 50-Sekunden-Grenze. Die inoffizielle Wertung des schönsten Rennwagens gewann der Obfelder Severin Thomann mit seinem – natürlich alpineblauen – Renault Alpine A110.

Hans Peter Schläfli
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Marcel Steiner und sein einplätziger Osella FA30 Zytek liessen sich auch durch skeptische Blicke nicht bremsen.

Marcel Steiner und sein einplätziger Osella FA30 Zytek liessen sich auch durch skeptische Blicke nicht bremsen.

Otto Lüscher

Es roch nach verbranntem Gummi und heissem Motorenöl. Spoiler und Niederquerschnittreifen so weit das Auge reichte: Am Sonntag machte der Aargau seinem Ruf als Kanton der Autofreaks alle Ehre – wobei auch viele Luzerner Nachbarn mit heftig getunten Autos vorfuhren. Mehr als 12000 Zuschauer lockte das Bergrennen in Reitnau an, und viele davon reisten mit Boliden an, die man nur mit einer Startnummer versehen müsste, und sie fänden im Teilnehmerfeld Unterschlupf. Zwischen den Läufen brachte eine österreichische Showtruppe die Pneus ihrer aufgemotzten Autos zum Qualmen, die Supermotos wurden für ihre «Rehlein» mit Applaus belohnt.

Die inoffizielle Wertung des schönsten Rennwagens gewann der Obfelder Severin Thomann mit seinem – natürlich alpineblauen – Renault Alpine A110. In der Kategorie «Regional» gewann der Seftiger Daniel Aeschlimann, der mit seinem Opel Kadett in beiden Läufen mit rund 61 Sekunden die Bestzeit für sich beanspruchte. Lokalmatador Christian Reck erreichte mit seinem Subaru Impreza noch den 13. Schlussrang, nachdem er im ersten Lauf nur eine mässige Zeit gefahren war.

1620 Meter in 49,73 Sekunden

In der Kategorie «National» gewann ebenfalls ein Berner, und dies erst noch mit absolutem Streckenrekord: Im zweiten Lauf unterbot der Oberdiessbacher Marcel Steiner mit seinem einplätzigen Osella FA30 Zytek die bisherige Bestzeit von Florian Lachat, der diesmal Zweiter wurde, um eine halbe Sekunde. Das ist eine kleine Weltreise. Steiner legte die 1620 Meter lange Strecke mit 111 Meter Höhendifferenz mit 49,73 und damit als erster Fahrer überhaupt unter 50 Sekunden zurück. Von den Fahrern aus der Region legte Herbert Hunziker aus Pfeffikon mit seinem Honda zwei ausgeglichen gute Läufe hin, was den guten 5. Schlussrang bedeutete.

Ein Mini lag auf dem Dach

«Wir hatten ganz wenige Unterbrüche und konnten das Rennen so zügig wie noch nie durchziehen», zog Thomas Kohler von der Rennleitung eine positive erste Bilanz. Nur einen Unfall gab es zu vermelden. Am morgen überschlug sich ein Mini. «Wir brachten den Rennfahrer sicherheitshalber ins Spital zum Röntgen», sagte Kohler, «zum Glück war er nicht verletzt. Er schaute sich am Nachmittag schon wieder mit uns das Rennen an.» So steht einer 47. Austragung im nächsten Jahr nichts im Weg. «Wir sind stolz darauf, dass unser Bergrennen die einzige solche Veranstaltung in der Schweiz ist, die seit 46 Jahren ohne Unterbruch durchgeführt werden konnte.»

Probleme nur abseits der Strecke

Das Bergrennen in Reitnau ist ein sehr familiärer Anlass, und so gab es am Sonntag trotz grossem Publikumserfolg keine Probleme mit der Sicherheit. Bei einer Party im Umfeld soll aber ein Messerstecher ein Opfer am Bein verletzt haben. «Unsere Zuschauer sind sehr freundlich und absolut friedlich», erklärte Thomas Kohler. «Was an den Vorabenden an den Festen abgeht, darauf haben wir kaum einen Einfluss. Da begegnet man eben ab und zu den Alkoholproblemen, wie sie heute leider häufig vorkommen.»