FC Wohlen
Manchmal braucht es für einen Fortschritt einen Rückschritt

Der neue Stürmer beim FC Wohlen, Nico Abegglen, will im Freiamt seine Karriere neu lancieren. Und dies, nachdem er bereits in der Super League gespielt hat. Um weiterzukommen, muss er eine Stufe weiter unten wieder neu anfangen.

Fabian Sanginés
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Nico Abegglen will für Wohlen Tore schiessen.

Nico Abegglen will für Wohlen Tore schiessen.

Alexander Wagner

Wer sind die schlimmsten Gegner eines Stürmers im Fussball? Die Verteidiger? Die Torhüter? Beides nicht völlig verkehrt, aber nur bedingt korrekt. Mindestens ebenso erbarmungslos wie beinharte Abwehrspieler oder ein Hexer zwischen den Pfosten können der Kopf eines Angreifers sowie die Uhr sein.

Und oftmals hängen diese beiden Faktoren zusammen. Um regelmässig Tore zu schiessen, und dafür werden Stürmer ja bezahlt, braucht es eine gesunde Portion Selbstvertrauen. Fehlt dieses, bleiben schnell die Erfolgserlebnisse aus und sofort werden die Minuten gezählt, wie lange der Torjäger nicht mehr ins Schwarze getroffen hat. Ein Teufelskreis.

Torlose Serie

Ganz so schlimm ist es bei Nico Abegglen, Wohlens neuem Mittelstürmer, dann doch nicht. Schliesslich brauchte er bei seinem Startelf-Debüt gerade mal 16 Minuten, um für seinen neuen Arbeitgeber zum ersten und bislang letzten Mal zu treffen. Das war vor zwei Wochen, beim 2:2 im Heimspiel gegen Le Mont. In den kommenden zwei Partien haben dann weder er noch ein anderer seiner Mitspieler getroffen. Abegglen beschwichtigt: «Besonders in Winterthur haben wir uns einige gute Torchancen erarbeiten können.»

Das Abschlusspech sei ein gewichtiger Grund, weshalb der FCW seit 230 Minuten auf einen Treffer wartet, findet der 25-Jährige. Er selber hatte in den letzten beiden Spielen jeweils eine Topchance.

Während Trainer Martin Rueda die Lauf- und Opferbereitschaft für seine Teamkollegen hervorstreicht, in ihm aber nicht den klassischen Knipser sieht, sagt Abegglen selber: «Nach meinem Kreuzbandriss hatte ich nicht mehr so viel Spielpraxis, bin nicht mehr richtig auf Touren gekommen. Deshalb brauche ich wohl noch etwas Zeit.» Dann soll es auch mit dem regelmässigen Toreschiessen wieder klappen.

Wohlen keine schlechte Adresse

In der Tat war die gravierende Knieverletzung Ende Mai 2013 ein Knick in der Karriere des ehemaligen St.-Gallen-Juniors, die er soeben beim FC Vaduz neu lancieren wollte. Nach seiner Rückkehr auf die Fussballplätze war Abegglen seinen Stammplatz im Ländle los, weshalb er sich erneut für einen Wechsel in die Challenge League entschied. «Um wieder vorwärtszukommen, mache ich nun einen Schritt zurück», wie er es ausdrückt.

Ihm ist nicht entgangen, dass Wohlen insbesondere seit letzter Saison kein schlechtes Sprungbrett ist, um ins Schweizer Oberhaus zu gelangen.

Daher ist es für Nico Abegglen von Vorteil, dass er trotz seines jungen Alters bereits zu den ältesten Spielern im Kader gehört – und auch deshalb Verantwortung übernehmen muss. Um die Rolle als Führungsspieler vollumfänglich auszuführen, wird er wohl noch etwas Zeit benötigen, schliesslich ist es knapp einen Monat her, als er zum Team gestossen ist.

So lässt es den schnellen, mit seinen 1,74 Metern eher klein gewachsenen Stürmer, auch kalt, dass Rueda offen den Wunsch äussert, eine etwas grössere und schwerere Alternative im Sturm verpflichten zu wollen. «Das ist sein gutes Recht.»

Erstmals freut sich Abegglen auf die Partie von Mittwoch (12. August) beim neureichen FC Wil. «Sie werden sicher offensiv agieren, was uns Stürmern natürlich entgegenkommt.» Beim Aufstiegsanwärter sind die Freiämter Aussenseiter – vielleicht die richtige Voraussetzung, um den ersten Saisonsieg einzufahren.