Leichtathletik

Maja Luder lief mit besonderen Gefühlen zum zweiten Aargauer Volkslaufsieg

Mit «gute Leistung, Schatz» empfing Heinz Luder im Aarauer Schachenstadion seine Frau Maja. Und gleich darauf drückte ihr Sohn Philipp (8) ein selbst gepflücktes Müllerblümchen-Löwenzahn-Sträusschen in die Hand.

Maja Luder-Gautschi lachte. Nach 1:01:39 Stunden hatte sie die 10 Meilen oder 16,09 km bewältigt. Und nur zwei männliche Senioren ab 50 hatten dies in einer noch schnelleren Zeit geschafft als die 47-jährige Zürcher Oberländerin. Ein Zeichen der Qualität ihrer Leistung. Ein weiteres kommt hinzu: Ihre letztjährige Siegerzeit unterbot Maja Luder um nicht weniger als 1:05 Minuten.

Völlig im Reinen mit sich und ihrer Leistung war Maja Luder indes nicht. «Ideal wärs gewesen, wenn ich dir hätte folgen können», gratulierte sie Sepp Strebel. Gut sechs Kilometer war sie dem Zweiten der Kategorie M50 gefolgt. Dann musste sie ihn ziehen lassen und lief fortan allein. Mutterseelenallein, vorbei an flanierenden Spaziergängern, entspannten Velofahrern. «Da wusste ich zeitweise nicht mehr, ob ich nun an einem Wettkampf bin oder unterwegs beim Training. ‹Gspässig› war das.» Und sie fragte sich ernsthaft, was sich wohl die Erholungssuchenden am Aare-Ufer dachten: «Ist das eine Irre, die da durch den Frühling hetzt?»

Verwandten bei Schloss Biberstein entdeckt

Jene Läuferin, die trotz raumgreifendem Schritt und Konzentration unterwegs nach Gesichtern Ausschau hält und plötzlich einen Ernst erkennt, gab Maja Luder diesmal hingegen nicht. Vor zwei Jahren wars, als sie dieses spontane Zwischenspiel aus tiefem Erstaunen eingebaut hatte. Der Grund: Beim Schloss in Biberstein entdeckte sie damals einen lange nicht mehr gesehenen Verwandten. Was sie wiederum an ihre Wurzeln erinnerte.

Maja Luders Vater lebte im Aargau. Als Bürgerort steht Reinach in ihrem Pass. «Ich laufe immer wieder gern im Aargau», sagt sie deshalb. Reaktionen auf ihre Toprangierungen und auf Zeitungsartikel bekommt sie immer wieder. Für den Aargauer Volkslauftitel kam Luder aber nicht infrage. Diesen sicherte sich Corinne Velhuijs aus Muhen, die 2:50 Minuten nach Luder im Ziel eintraf, aber 24 Sekunden vor der 63-jährigen (!) Stefica Gajic aus Eggenwil.

Trotz des idealen Laufwetters und der vielen strahlenden Gesichter gabs für die Organisatoren des Aargauischen Leichtathletikverbandes auch Nachdenkliches festzustellen: Die Teilnehmerzahl sank um rund 30 Prozent. 843 wurden in den diversen Kategorien über die verschiedenen Distanzen klassiert.

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