Wundertrainer! Zauberer! Genie! In Deutschland überbieten sie sich mit Lobeshymnen auf Lucien Favre. Der Schweizer Trainer von Borussia Dortmund gilt als entscheidendes Puzzleteil, um die übermächtigen Bayern vom Thron zu stossen.

Favre ist jetzt der Held. Doch hinter dem Romand liegt ein steiniger Weg. Rückblick: 2003 holt ihn der FC Zürich und bläst mit Favre zum Angriff auf die Spitze. Der Start misslingt total: Fünf Niederlagen in sechs Spielen, der erste Sieg gelingt am siebten Spieltag. Nach 13 Spieltagen in der Saison 2003/04 liegt der FCZ mit kümmerlichen acht Punkten am Tabellenende. Doch Sportchef Fredy Bickel und Präsident Sven Hotz halten trotz der miserablen Kritiken an Favre fest. Weil sie spüren, dass die Spieler an ihren Trainer glauben.

Spulen wir 15 Jahre vorwärts: Im Sommer 2018 sind in Aarau die Hoffnungen in den neuen Trainer Patrick Rahmen ähnlich gross wie damals beim FCZ in Favre. Mit Rahmen soll der Abwärtstrend gestoppt werden, der FCA liebäugelt mittelfristig mit der Rückkehr in die Super League. Doch Rahmen legt noch mieser los als Favre. Erst am siebten Spieltag holt der FCA den ersten Punkt, am achten gibts den ersten Sieg gegen acht Schaffhauser und nach nun 13 Spieltagen ist Aarau mit 10 Punkten Tabellenletzter.

Doch Rahmen ist immer noch im Amt. Weil die FCA-Bosse in der Krise spürten: Die Spieler folgen Rahmen. Dieser präsentierte schlüssige Lösungen und ging trotz heftigem Gegenwind voran. Die harmonische Symbiose zwischen Trainer und Mannschaft zu trennen, wäre mehr Gefahr für schlechte Stimmung denn Garantie auf Besserung gewesen. Sportlich sprach für Rahmen: Spielerisch war Aarau den Gegnern nie unterlegen. Stets entschieden Details über Erfolg und Misserfolg.

Das Vertrauen und die Geduld scheinen sich auszuzahlen: Bei den Siegen gegen Wil (2:0) und Chiasso (3:2) stand dem FC Aarau das Wettkampfglück bei, das bei den vielen Niederlagen zuvor die Gegner hatten. Noch ist nichts gewonnen, Aarau ist immer noch Letzter und in Abstiegsgefahr. Aber: Rahmens Fleiss und die Besinnung der Spieler auf die Basistugenden zeigen Wirkung. Wer die Krise meistert, wird meistens mit besseren Zeiten belohnt.

Übrigens: Der FC Zürich beendete die Saison 2003/04 auf Rang 4. Drei Jahre später verliess Lucien Favre den Verein als Cupsieger und zweifacher Meister. Machts Patrick Rahmen wie Favre?