Luzern
Zwei Schützenkönige aus dem Aargau: Dieter Grossen und Christian Klauenbösch triumphieren am Eidgenössischen Schützenfest

Nach enttäuschendem Abschneiden am Ständematch trumpfte der Aargau am letzten Wettkampftag des Eidgenössischen Schützenfestes Luzern gross auf.

Wolfgang Rytz
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Schützenkönig Dieter Grossen.

Schützenkönig Dieter Grossen.

Eveline Beerkircher

Die Pistolenschützen Dieter Grossen (Full-Reuenthal/50 m) und Christian Klauenbösch (Zofingen/25 m) ­durften sich als Schützenkönige feiern lassen. 300-m-Gewehrschütze Rafael Bereuter (Buttwil) verfehlte die Titelverteidigung hauchdünn.

Zwei von insgesamt sechs eidgenössischen Königstiteln, dazu ein zweiter Platz: Der ­Aargauische Schiesssportverband rehabilitierte sich dank ­seiner Aushängeschilder eindrücklich für die Schlappe im Ständematch. Da fiel der Aargau von der dritten Position landesweit ins Mittelfeld zurück. Das lässt erkennen, dass die Breite in den letzten Jahren gelitten hat. Leistungssportchef Marcel Brunner gestand nach dem Ständematch: «Wir haben zu lange von vergangenen Zeiten gelebt. Jetzt braucht es für den Aargauer Schiesssport neue Ideen und Wege, um wieder an das alte Leistungsniveau heranzukommen.»

Christian Klauenbösch.

Christian Klauenbösch.

Urs Flueeler / KEYSTONE

Überragende Pistolenasse

Dieter Grossen schiesst seit Jahrzehnten an der nationalen Spitze und sammelte schon Dutzende nationale Titel. Doch ein Schützenkönigstitel, der nur alle fünf Jahre vergeben wird, fehlte dem 47-Jährigen bisher im Palmarès. 2000 hatte er Silber geholt, 2005 Bronze. Diesmal gab er den Tarif am Finaltag von Beginn weg durch. Im Ausstich der 48 besten Pistolenschützen 50 m des gesamten Schützenfestes setzte er sich mit deutlichem Vorsprung an die Spitze.

Im Königsfinal der besten Acht lief es zu Beginn aber gar nicht rund. Dennoch blieb er nahe an der Spitze. In der Schlussphase mit extrem spannendem Verlauf behielt er seine Nerven trotz knappen Abständen hinter ihm unter Kontrolle. Der Bündner Elmar Fallet schloss vor dem letzten Schuss bei 100er-Wertung bis auf 5 Punkte auf. Der letzte Vergleich endete 91:94 für Fallet, doch Grossen rettete sich über die Ziellinie und liess sich als Schützenkönig feiern. «Ich hatte mit diesem Titel geliebäugelt, aber nervlich machte dies die Aufgabe nicht einfacher», erklärte der Fuller.

Die Jury beobachtet die Schützen im Final in der Kategorie 300m Gewehr Feld E am letzten Tag des Eidgenössischen Schützenfests von Luzern in der Schiessanlage Hülsenmoos in Emmenbrücke.

Die Jury beobachtet die Schützen im Final in der Kategorie 300m Gewehr Feld E am letzten Tag des Eidgenössischen Schützenfests von Luzern in der Schiessanlage Hülsenmoos in Emmenbrücke.

Urs Flueeler / KEYSTONE

Christian Klauenbösch ging als Zweitklassierter nach dem Ausstich in den Königsfinal. Weil der Zofinger jedoch der klar beste Schnellfeuerschütze der Schweiz ist, lastete auch hier die Favoritenrolle auf dem Aargauer. Im Final zählten nur Zentrumstreffer. Klauenbösch übernahm nach der dritten Fünferserie die Führung und gab diese bis zum 50. Schuss nicht mehr ab.

Am Schluss lag er mit 27:23-Treffern vor dem Waadtländer Cédric Grisoni und jubelte über seinen zweiten Königstitel nach 2010 in Aarau. 2015 war er infolge einer Waffenstörung in den letzten Finalschüssen gescheitert. «Nach der Enttäuschung im Wallis ist dieser zweite Titel für mich speziell», freute sich der 29-jährige Westaargauer.

Die Jury beobachtet die Schützen im Final in der Kategorie 300m Gewehr Feld E am letzten Tag des Eidgenössischen Schützenfests von Luzern in der Schiessanlage Hülsenmoos in Emmenbrücke.

Die Jury beobachtet die Schützen im Final in der Kategorie 300m Gewehr Feld E am letzten Tag des Eidgenössischen Schützenfests von Luzern in der Schiessanlage Hülsenmoos in Emmenbrücke.

Urs Flueeler / KEYSTONE

Pech für Rafael Bereuter

Bei den 300-m-Gewehrschützen mit Sportwaffen kämpfte Titelverteidiger Rafael Bereuter im Kniendfinal zunehmend mit seiner Stellung. «Ich fühlte mich nicht wohl, konnte aber infolge Zeitdruck nichts dagegen unternehmen.» Entsprechend fehlte ihm die absolute Kontrolle bei der Schussabgabe. Dennoch übernahm er mit dem 17. Schuss die Führung vom Baselbieter Roger Itin. Nach 22 Schüssen lag er mit 1979:1976 noch vorne, doch Itin traf mit den letzten zwei Schüssen besser und siegte 2147:2140. «Dieses Duell habe ich nicht am Schluss verloren. Die Niederlage zeichnete sich mit meinem Stellungsproblem ab», analysierte der 34-jährige Freiämter. Nach kurzem Ärger freute er sich jedoch über Rang zwei.