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Luzern will für Alounga tief in die Tasche greifen: Warum der FC Aarau über einen Verkauf seines Sturmjuwels nachdenkt

Der FC Luzern will Alounga und auch das Umfeld des Spielers drängt auf einen Wechsel

Der FC Luzern will Alounga und auch das Umfeld des Spielers drängt auf einen Wechsel

Yvan Alounga ist eines der Aushängeschilder der neuen Strategie im Brügglifeld: Das heisst nicht, dass der kamerunische, im FCA-Nachwuchs ausgebildete Stürmer unverkäuflich ist. Super-Ligist-Luzern macht Ernst im Rennen um Alounga.

Mit 18 gerade mal volljährig, pfeilschnell, physisch top, Linksfuss: Derjenige Klub, der einen Spieler mit diesen Zutaten im Kader hat, wird von Interessenten höher oben in der Nahrungspyramide überhäuft. Der FC Aarau genau einen solchen Spieler im Kader: Yvan Alounga

Schon bevor Eigengewächs Alounga im Frühling 2019 seinen ersten Profivertrag unterzeichnet, muss sich der FCA gegen prominente Konkurrenz durchsetzen. Seither bekommt Sportchef Sandro Burki praktisch täglich Anfragen für das Sturmjuwel. Dass Alounga taktisch und punkto Spielverständnis noch grosse Defizite hat, ist für die Interessenten kaum von Belang: Weil es sich um Schwächen handelt, die wegtrainierbar sind.

Davon überzeugt sind auch die Verantwortlichen beim FC Luzern. Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass die Innerschweizer zu der grossen Gruppe von Alounga-Interessenten gehören. «Es laufen Gespräche», sagt Burki am Rande des Cupspiels gegen Wil, näher will er gegenüber der AZ nicht darauf eingehen. Doch die Tatsache, dass immer noch verhandelt wird, spricht dafür, dass Luzern bereit ist, für Alounga viel Geld zu bezahlen. Von einer Ablösesumme im hohen sechsstelligen Bereich darf man ausgehen, sollte es zum Transfer kommen. Zudem wird sich der FCA eine Beteiligung an der Summe sichern, für die Luzern den Spieler dereinst allenfalls weiterverkaufen wird.

Unverkäuflich? Nur Vereine wie Bayern München, Real Madrid oder Manchester City setzen einem Spieler diesen Stempel auf. Das neue Konzept des FC Aarau, künftig stark auf Eigengewächse zu setzen, ist auch ein Geschäftsmodell: Talent ausbilden –> verkaufen –> Geld reinvestieren in neue Spieler und in die Ausbildung der nächsten Talente. Es gibt für jeden Spieler eine finanzielle Schmerzgrenze. Diese dürfte bei Alounga wegen drei Gründen hoch sein: Er ist a) der einzige Stossstürmer im Kader, b) ein Aushängeschild der eben erst gestarteten Strategie als regionaler und nachhaltiger Ausbildungsklub und c) steht dem FC Aarau trotz Corona-Einbussen finanziell das Wasser nicht bis zum Hals, so dass er sein Tafelsilber verscherbeln müsste.

Angemerkt sei zum Finanziellen: Wer denkt, ein Super-League-Verein zahle einem Challenge-League-Verein eine Million oder mehr für einen Spieler, ist entweder ein Fantast oder sieht in Alounga den neuen Messi. Im Frühling 2019 hat Servette für Varol Tasar rund 500'000 Franken bezahlt, der damals Topskorer des FC Aarau war. Alounga hingegen kommt bislang auf fünf Tore in 30 Challenge-League-Einsätze, 21 davon als Einwechselspieler.

Natürlich: Der FC Aarau könnte Alounga zum Bleiben zwingen. Sein Vertrag läuft bis 2022, auch im nächsten Sommer wäre mit ihm viel Geld zu verdienen. Aber hat Alounga bis dahin den Durchbruch geschafft, so dass ein Verein bereit ist mehr zu bezahlen als heute der FC Luzern? Gut möglich – aber eine Garantie gibt es dafür nicht. Und: Ist es sinnvoll, einen Spieler zum Bleiben zu zwingen, der und dessen Umfeld auf einen Transfer pocht? Und der eine Vertragsverlängerung ablehnt? Bei dieser Ausgangslage klettern bei der Abwägung eines Alounga-Verkaufs die finanziellen Aspekte über die sportlichen.

Yvan Alounga vor der Corona-Quarantäne im FCA-Training

Yvan Alounga vor der Corona-Quarantäne im FCA-Training

Alounga selber steckte bis Samstagmitternacht wegen Kontakts zu einer mit Corona infizierten Person in Quarantäne. Zeit, sich über seine Zukunft Gedanken zu machen, hatte er genug: Er würde in Luzern mehr verdienen und käme in ein sportlich kompetitiveres Umfeld als in Aarau. Doch wer den 18-Jährigen näher kennt, fragt sich, ob sein immer noch kindliches und scheues Wesen in Aarau, wo er Ort und Leute seit Jahren kennt, in den nächsten Monaten nicht besser aufgehoben ist als in Luzern, wo er einer von vielen sein und dem gnadenlos Konkurrenzkampf ausgesetzt sein wird.

In den nächsten Tagen, vielleicht schon am Montag, könnte der Deal über die Bühne gehen und Alounga ein FCL-Profi werden. Die Ablösesumme müsste der FC Aarau direkt reinvestieren in einen Ersatz. Eher sogar in zwei neue Stürmer: Denn ganz vorne ist die Personaldecke auch dann dünn, wenn Alounga in Aarau bleiben sollte.

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