Challenge League
Lust auf Wohlen trotz Flirt mit Luzern

Trainer Ciriaco Sforza war Wunschkandidat in Luzern, erteilte den Zentralschweizern aber schweren Herzens eine Absage. Am Montagabend steht er gegen Lausanne bei den Freiämtern an der Seitenlinie.

Ruedi Kuhn
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Ciriaco Sforza will den Lauf mit Wohlen noch lange auskosten.

Ciriaco Sforza will den Lauf mit Wohlen noch lange auskosten.

Alexander Wagner

Ciriaco Sforza und Alex Frei sind Kollegen. Gute Kollegen sogar. Der 44-jährige Erfolgstrainer des FC Wohlen und der 35-jährige Sportchef des FC Luzern kennen sich aus gemeinsamen Zeiten in der Schweizer Nationalmannschaft. Nach der Entlassung des erfolglosen Carlos Bernegger am vorletzten Montag dachte Frei sofort an Sforza. Einen Tag später trafen sich die zwei an einem geheimen Ort. Während zweier Stunden sprachen sie über Gott und die Welt, den Fussball im Allgemeinen und den FC Luzern im Speziellen.

«Es war eine unverbindliche Unterredung», blickt Sforza zurück. «Ich wollte mir ein Bild des FC Luzern machen. Und ich wollte Freis Fussballphilosophie kennenlernen und wissen, wie er als Sportchef arbeitet.» Für Sforza war zu diesem Zeitpunkt zwar bereits klar, dass er dem FC Wohlen die Treue halten wird.

Während des Gesprächs mit Frei kamen beim 44-jährigen Erfolgstrainer allerdings leise Zweifel auf. «Natürlich hat mich der Trainerjob beim FC Luzern gereizt», erklärt Sforza. «Vor zehn Jahren hätte ich mich wohl für einen Wechsel entschieden. Jetzt aber wusste ich genau, dass es nicht der richtige Moment ist. Meine Arbeit beim FC Wohlen ist noch nicht beendet. Ich kann und darf jetzt nicht davonlaufen.»

Lauf möglichst lange auskosten

Sforza war hin- und hergerissen. Für Frei war nach der Unterredung klar, dass Sforza der Topkandidat für die Nachfolge von Bernegger ist. Frei buhlte während zweier Tage heftig um die Gunst von Sforza. Allerdings erfolglos: Der Aargauer mit den süditalienischen Wurzeln sagte den Zentralschweizern schweren Herzens ab. Im Wissen, dass er mit dem Leader der Challenge League einen Lauf hat und diesen möglichst lange auskosten möchte.

Doch auch beim FC Wohlen ist nicht alles Gold, was glänzt: Sportlich läuft es zwar hervorragend, aber die vielen Siege haben ihren Preis. Die Rang- und Punkteprämien bringen das Budget von 2,35 Millionen Franken für die erste Mannschaft ganz schön ins Wanken.

Sforza kennt die Probleme. «Doch meine Arbeit ist auf dem Platz und in der Kabine», stellt er klar. «Ich kümmere mich um die Spieler, den Trainerstab, das System und die Taktik. Der finanzielle Bereich liegt in den Händen von Lucien Tschachtli.» Spricht man ihn auf die angespannte Lage in Sachen Geld an, nimmt er kein Blatt vor den Mund. «Der FC Wohlen kann langfristig durchaus ein interessanter Verein für junge und talentierte Spieler sein», hält Sforza fest. «Das ist aber nur möglich, wenn man im Umfeld bereit ist, in den Verein zu investieren.

Herausforderungen auf und neben dem Platz

Die Leute müssen jetzt mutig sein und Farbe bekennen.» Tschachtli unternimmt alles, um den Finanzhaushalt im Gleichgewicht zu halten. Gerüchteweise hört man, dass Mäzene fünfstellige Summen lockermachen sollen und im Gegenzug an möglichen Ablösesummen bei Transfers von Spielern beteiligt sind.

Sforza hat mit dem FC Wohlen in nächster Zeit reizvolle, schwierige und eine fast unlösbare Aufgabe vor sich. In der kommenden Woche folgen das Heimspiel gegen Lausanne und die Auswärtspartie in Genf gegen Servette. Und am Mittwoch, 29. Oktober, geht der Cup-Achtelfinal gegen den Meister und Champions-League-Teilnehmer FC Basel über die Bühne.

Für den Knüller werden im Stadion Niedermatten zwischen 4500 und 5000 Zuschauer erwartet. Schaffen Sforza und seine Stehaufmännchen die Sensation? Der Erfolgstrainer hält alles für möglich. Sein Selbstvertrauen ist riesig. Umso mehr, als dass er mit Komplimenten überschüttet wird.

Der wohl prominenteste Schulterklopfer heisst Ottmar Hitzfeld. «Was Sforza mit dem FC Wohlen erreicht hat, ist einfach grossartig», sagte Hitzfeld unlängst. Sforza liess sich nicht lumpen und gab das Lob sofort zurück. «Unser Erfolg ist beeindruckend, aber nicht so beeindruckend wie der 1:0-Sieg im Cupfinal gegen Xamax, den Hitzfeld 1985 mit dem FC Aarau erreicht hat.» Mal sehen, was Sforza sagt, sollte der FC Wohlen den FC Basel besiegen.