Curling
Lust auf Olympische Spiele: Drei Teams sind zwei zu viel

Drei Schweizer Frauen-Teams stimmten sich gemeinsam auf die Olympischen Winterspiele ein, in neun Monaten in Südkorea dabei sein wird aber nur eines.

Rainer Sommerhalder
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Skip Alina Pätz (m.) vom Team Regio Baden will nach Südkorea. Sie ist mit ihrem Vorhaben aber nicht allein.

Skip Alina Pätz (m.) vom Team Regio Baden will nach Südkorea. Sie ist mit ihrem Vorhaben aber nicht allein.

Keystone

66 Prozent Chancen, dass der Aargau bei den Winterspielen 2018 in Pyeongchang im Curling vertreten ist. Die Teams von Aarau und Baden Regio machen im Oktober in den «Olympic Trials» zusammen mit Flims den Olympiateilnehmer aus. Es ist ein Dreikampf mit Tradition. Seit 2013 haben die Skips Alina Pätz (Baden), Silvana Tirinzoni (Aarau) und Binia Feltscher (Flims) das Ticket für Grossanlässe gepachtet. Und sich auch international profiliert.

Letzte Woche fand in Nottwil der traditionelle Olympia-Treff der Schweizer Delegation statt. 250 Athleten, Trainer und Betreuer wurden gemeinsam auf Südkorea eingestimmt – mit verschiedenen Vorträgen, mit einer Präsentation über das Gastgeberland und mit südkoreanischem Essen. Dabei war manches Gesicht, das man ganz bestimmt in Pyeongchang wiedersehen wird, viele Athleten, die sich über ihre Resultate für die Winterspiele qualifizieren können und wenige Sportler, die den Olympiaplatz unter sich ausmarchen müssen.

Silvana Tirinzoni: «Der Olympia-Treff hat bei mir die Lust auf Südkorea definitiv entfacht, aber es ist ein weiter Weg dorthin.»

Silvana Tirinzoni: «Der Olympia-Treff hat bei mir die Lust auf Südkorea definitiv entfacht, aber es ist ein weiter Weg dorthin.»

KEYSTONE

Beim koreanischen Nachtessen im Paraplegiker-Zentrum trafen sich Pätz, Tirinzoni und Feltscher zum gemütlichen Miteinander mit Stäbchen, vom 11. bis 15. Oktober bei den Trials in Biel sehen sie sich hingegen zum nervenaufreibenden Gegeneinander mit Besen wieder.

Nur eine aus dem Trio ist in Südkorea dabei. «Der Olympia-Treff hat bei mir die Lust auf Südkorea definitiv entfacht», sagt Silvana Tirinzoni, «aber es ist ein weiter Weg dorthin.»

Aarau vor Baden und Flims

Die 37-Jährige ist überzeugt, dass sich alle drei Teams in Biel bestens vorbereitet präsentieren werden. «Es wird sicher eine extrem spannende Ausmarchung. Am Schluss entscheidet die Tagesleistung.» Dass diese in den letzten Jahren bei den Qualifikationen für Grossanlässe nicht gerade für ihr Team sprach, ist Tirinzoni bewusst. Nur einmal, für die WM 2013, konnte sie sich durchsetzen.

Skip Binia Feltscher demonstriert Curling auf hohem Niveau.

Skip Binia Feltscher demonstriert Curling auf hohem Niveau.

KEYSTONE/AP The Canadian Press/JONATHAN HAYWARD

Dort gelang ihr kein Exploit (Rang 5). Ansonsten zieren fünf zweite Plätze an Schweizer Meisterschaften den in dieser Hinsicht nicht ganz befriedigenden Palmarès. Im Gegensatz dazu brilliert Tirinzoni mit Aarau regelmässig bei internationalen Top-Turnieren. Als Nummer 4 der Team-Weltrangliste lässt sie ihre interne Konkurrenz (Baden: 13; Flims: 16) deutlich hinter sich.

«Auf dem Eis wird die Freundschaft für zwei Stunden parkiert»

Die beste WM-Bilanz des Schweizer Trios weist Binia Feltscher aus. Sie vertrat das Land 2014 und 2016 an den Titelkämpfen und kehrte beide Male als Weltmeisterin zurück. «Es wird auch diesmal eine harte Ausmarchung um den Olympia-Startplatz geben», prognostiziert die 38-jährige Bündnerin. «Wir sehen unsere Chancen durchaus. Das Bewusstsein, dass die beiden Gegnerinnen auf Augenhöhe sind, hilft aber auch, bei einem Scheitern nicht zu enttäuscht zu sein. Es wäre anders, wenn wir als haushoher Favorit antreten würden.»

Ebenfalls Weltmeister nennen dürfen sich Baden Regio und Alina Pätz. Die erst 27-jährige Limmattalerin feierte bei ihrer ersten Teilnahme als Skip 2015 gleich den Titel. In diesem März war sie erneut an der WM, musste mit Rang 8 aber eine Enttäuschung hinnehmen. «Wichtig ist, dass wir in den nächsten Monaten eine starke Saison spielen, um mit einem guten Gefühl an die Olympia-Trials zu gehen», sagt sie. Zum Konkurrenzdenken unter den drei dominierenden Schweizer Frauen-Teams meint Pätz: «Man versteht sich sehr gut. Aber auf dem Eis wird die Freundschaft für zwei Stunden parkiert.»