Aargauischer Fussballverband

Luigi Ponte nach Schiedsrichter-Eklats: «Da kriegt man es einfach mit der Angst zu tun»

«Es ist fünf vor zwölf. So kann es nicht weitergehen» - Luigi Ponte, AFV-Präsident.

«Es ist fünf vor zwölf. So kann es nicht weitergehen» - Luigi Ponte, AFV-Präsident.

Luigi Ponte, der Präsident des Aargauischen Fussballverbands, will nach den jüngsten Schiedsrichter-Eklats handeln. Der frühere Fifa-Linienrichter, der den Schweizerischen Schiedsrichter-Verband während 13 Jahren präsidierte, sieht Handlungsbedarf und zeigt erste Lösungsmöglichkeiten auf.

Rückblende: Im Barrage-Hinspiel Ende Mai in Neuenburg zwischen Xamax und dem FC Aarau, das der Gastgeber 0:4 verliert, wird Raphaël Nuzzolo vorzeitig unter die Dusche geschickt. Der Xamax-Captain soll Schiedsrichter Stephan Klossner angespuckt haben, was Letzterer im Rapport festhielt.  

Nuzzolo beteuert jedoch seine Unschuld und wird in zweiter Instanz «freigesprochen», weil ihm keine Absicht nachgewiesen werden konnte. Der Fall bestärkt Stephan Klossner, per Ende des Jahres zurückzutreten. «Genau solche Ereignisse braucht man als Schiedsrichter nicht. Sie zeigen, dass man sehr oft das schwächste Glied in der Kette ist», begründete Klossner letzten Sonntag seinen Entscheid.

Bei Luigi Ponte schrillen die Alarmglocken

Luigi Ponte versteht Stephan Klossners Ärger. Der frühere Fifa-Linienrichter, der den Schweizerischen Schiedsrichter-Verband während 13 Jahren präsidierte, kennt Klossner seit vielen Jahren und zeigt sich überrascht und enttäuscht zugleich. «Er ist ein Top-Schiedsrichter der Schweiz. Ich habe Mühe damit, dass man ihm nicht glaubt und ihn nicht unterstützt hat», sagt Ponte.

Nicht nur wegen der Episode um Klossner schrillen beim 67-Jährigen aus Lupfig, der diesen Sommer zum Präsidenten des Aargauischen Fussballverbands (AFV) gewählt worden ist, die Alarmglocken laut und deutlich. Die Hetzjagd auf Schiedsrichter Lumni Ukaj nach dem 2.-Liga-inter-Spitzenspiel vor zwölf Tagen zwischen dem SC Zofingen und dem NK Pajde geben Luigi Ponte ebenso zu denken wie zwei Spielabbrüche am vergangenen Wochenende in der Region Zofingen. «

Es ist fünf vor zwölf. So kann es nicht weitergehen», sagt er. Viel zu oft werde dem Schiedsrichter auf dem Rasen kein Respekt entgegengebracht. «Spieler und Trainer dürfen etliche Fehler begehen, ohne irgendwelche Konsequenzen befürchten zu müssen. Nur der Schiedsrichter darf nichts falsch machen», sagt Ponte.

Auch Trainer und Funktionäre sind gefordert

Aus diesem Grund will der neue starke Mann beim AFV alle involvierten Parteien an einen Tisch bringen und das Problem ansprechen. «Es ist nicht die Aufgabe des Schiedsrichters, erwachsenen Leuten zu sagen, wie sie sich auf dem Fussballplatz verhalten müssen.

Deshalb sind neben den Spielern auch Trainer und andere Funktionäre gefordert», erklärt Luigi Ponte. Beispielsweise müsse ein Trainer erkennen, wenn ein «Hitzkopf» ausgewechselt werden sollte. Mit diesem Schritt will er den Dialog fördern, damit am Ende «Anstand und Respekt» wieder im Vordergrund stehen.

Auch der AFV selbst bleibt nicht untätig. Gemäss Luigi Ponte soll in Zukunft bei der Schiedsrichterausbildung noch stärker in die Persönlichkeitsschulung investiert werden. «Es wird allerdings schwierig, gewisse Verhaltensregeln zu befolgen, wenn zehn Leute auf dich zu rennen. Da kriegt man es einfach mit der Angst zu tun», sagt Ponte.

Meistgesehen

Artboard 1