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Lugano drehte durch, der FC Wohlen blieb cool

Maskierte Hooligans sorgten in Lugano für Chaos nach dem Schlusspfiff.  keystone

Maskierte Hooligans sorgten in Lugano für Chaos nach dem Schlusspfiff. keystone

Nach dem Spiel in Lugano gegen Wohen kamm es im Tessin zu schweren Ausschreitungen. Die Lugano-Fans machten ihrem Frust über das 1:1 gegen die Freiämter mit Feuerwerkskörper und Angriffen auf der VIP-Tribüne Luft.

Zu Beginn des lauen Sommerabends hatte nichts auf ein unrühmliches Ende mit Szenen wie aus dem Wilden Westen hingedeutet. Im Gegenteil: Am Samstag um 19.30 Uhr empfingen die Tifosi Wohlens Ex-Lugano-Torhüter Proietti mit frenetischem Applaus, knapp 5000 Zuschauer sorgten im Cornaredo für einen würdigen Rahmen.

Nach und nach kippte jedoch die Stimmung. Wohlens frühes 1:0 durch Pnishi und Luganos Abschlussschwäche führten bereits bei Halbzeit zu einem gellenden Pfeifkonzert. Auch wenn die Tessiner nach der Pause zum Ausgleich kamen und in der Schlussphase vehement auf den Siegtreffer drückten, das Unentschieden – notabene nach fünf Pleiten als Challenge-League-Leader de suite – war zu wenig, Servette konnte an Lugano vorbeiziehen und hat nun die besten Aussichten auf den Barrage-Platz.

Feuerwerkskörper, Tränengas

Als der Schiri um 21.19 Uhr das Spiel abpfiff, brachen bei rund zwei Dutzend Lugano-Hooligans die Sicherungen durch. Sie warfen Feuerwerkskörper direkt aufs Spielfeld, traten auf Werbebanden ein und versuchten gar, die eigenen Spieler zu attackieren. Als Luganesi und Wohler in die Katakomben flüchteten, drehte der Mob komplett durch, rannte in Richtung Haupttribüne, warf in blinder Zerstörungswut Festbänke und Kiosk-Mobiliar wie wild um sich.

Die Polizei antwortete mit dermassen viel Tränengas und Pfefferspray, dass die eingekesselten Zuschauer auf der Haupttribüne in einen kollektiven Schockzustand und Atemnot gerieten. Wohlen-Präsident Andy Wyder musste sich minutenlang den schicken Veston vor das Gesicht halten, um nicht zu ersticken.

Wohlen sportlich sehr fit

Doch der aufgebrachte Mob hatte noch nicht genug, einzelne stürmten die VIP-Tribüne und begannen, auf Funktionäre einzuschlagen. Journalisten mussten ihre Arbeit unterbrechen, Tessiner Regierungsräte fürchteten um ihre Sicherheit. Welch beissende Ironie: Ausgerechnet der Versicherungskonzern AXA Winterthur ermöglichte am Samstag Gratiseintritt.

Die Wohler Spieler beobachteten die Wild-West-Szenerie aus der Ferne und blieben cool: «Indirekt haben wir diesen Skandal ja verursacht, insofern spricht das für unsere Leistung», sagte Wohlens Torschütze Alban Pnishi. Wohlen-Trainer Urs Schönenberger, der mit der Bilanz von 7 Punkten aus 3 Spielen strahlte, meinte achselzuckend: «Es ist schade für den Fussball, dass man diese Randalierer einfach nicht in den Griff bekommt.» Erst gegen 22.30 Uhr beruhigte sich die Lage, der Wohler Car machte sich auf die Heimreise. Fazit nach dem aufwühlenden Abend im Cornaredo: Der FC Wohlen ist sportlich fit wie selten zuvor, während Lugano mit solchen Fans ganz sicher nicht reif ist für die Super League.

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